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Rennen um Rohstoffe: Forscher entdecken großes Ölfeld in Afghanistan

Geologen haben in Afghanistan ein Erdölfeld gefunden. Nach einer ersten Schätzung soll es 1,8 Milliarden Barrel groß sein. Die Meldung kommt der Regierung wie gerufen - sie hat vor kurzem eine Kampagne gestartet, um die Ressourcen des Landes auszubeuten. Doch wer soll das Öl fördern?

Afghanistan: Die Bodenschätze sollen bis zu drei Billionen Dollar wert sein Zur Großansicht
dpa

Afghanistan: Die Bodenschätze sollen bis zu drei Billionen Dollar wert sein

Im Norden Afghanistans ist nach offiziellen Angaben ein Ölfeld entdeckt worden. Es befinde sich zwischen den Provinzen Balch und Schiberghan und habe ein geschätztes Volumen von 1,8 Milliarden Barrel, teilte ein Sprecher des Bergbauministeriums am Sonntag mit. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Reservoir noch größer sei.

Das Ölfeld wurde den Angaben zufolge von afghanischen und ausländischen Geologen entdeckt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung müssten allerdings noch überprüft werden. Ende des Jahres oder im kommenden Frühjahr könne mit genaueren Angaben gerechnet werden.

Afghanistan hat vor einigen Wochen eine internationale Werbekampagne für seine Ressourcen wie Eisenerz, Kupfer und Lithium begonnen, um Investoren ins Land zu locken. Diese sind wegen der hohen Kosten und der mangelnden Sicherheit aber noch sehr zögerlich.

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Afghanistan: Bodenschätze am Hindukusch
Zuvor hatte eine US-Studie Lithium-, Eisenerz-, Kupfer- und Goldvorkommen in Afghanistan im Wert von etwa einer Billion Dollar ausgemacht. Der afghanische Bergbauminister Wahidullah Shahrani sagte darauf gar, seine Mitarbeiter schätzten den Wert der Rohstoffvorkommen in Afghanistan auf bis zu drei Billionen Dollar.

Das Problem ist nicht, Rohstoffe zu finden - sondern sie abzubauen

Laut Shahrani gibt es in Afghanistan deutlich mehr Öl- und Gasquellen als bislang angenommen. Die wichtigsten Öl- und Gasvorkommen seien in der nordafghanischen Provinz Kunduz zu finden - im Einsatzgebiet der Bundeswehr. Insgesamt hätten die Gas- und Ölvorkommen einen Wert von rund 180 Milliarden Dollar.

Der Marmor, der in Afghanistans Boden zu finden sei, habe allein einen Wert von "150 bis 200 Milliarden Dollar". "Wir werden die Suche nach Mineralien in unserem Land fortsetzen", versprach Shahrani.

Das Problem ist jedoch nicht nur, die Vorkommen zu finden: In Afghanistan fehlt eine funktionierende Infrastruktur, die politische Instabilität und die zum Teil schwer zugänglichen Gebiete werfen die Frage auf, wie die Rohstoffe künftig abgebaut werden sollen - und von wem.

Investoren halten sich bisher zurück. Ausnahme ist China: Die Unternehmen Jiangxi Copper Co und China Metallurgical Group Corp wollen das riesige Kupfervorkommen Aynak südlich von Kabul ausbeuten. Vier Milliarden Dollar investieren sie in die riesige Kupfermine. Es ist die bisher höchste nicht-militärische Investition in Afghanistan.

bim/Reuters/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
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1. Wer sonst....
titurel 15.08.2010
Zitat von sysopGeologen haben in Afghanistan ein Erdölfeld gefunden. Nach einer ersten Schätzung soll es 1,8 Milliarden Barrel groß sein. Die Meldung kommt der Regierung wie gerufen - sie hat vor kurzem eine Kampagne gestartet, um die Ressourcen des Landes auszubeuten. Doch wer soll das Öl fördern? http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,711922,00.html
als Uncle Sam. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Amerikaner dieses Heft aus der Hand nehmen lassen.
2. Und warum überrascht mich das nicht ?
Monsieur Rainer 15.08.2010
Weil es bei den Kriegen Amerikas in den letzten Jahren nie um etwas anderes ging, als um Ressourcen. Alles andere waren stets Dekoration und Girlanden für die Alliierten, die diesen Lügen immer und immer wieder auf den Leim gehen.
3. Öl in Afghanistan?
Rainer Daeschler, 15.08.2010
Bush und Cheney müssen reaktiviert und Afghanistan befreit werden, von allem und jedem, oder was auch immer.
4. so gesehen
kein Ideologe 15.08.2010
Zitat von sysopGeologen haben in Afghanistan ein Erdölfeld gefunden. Nach einer ersten Schätzung soll es 1,8 Milliarden Barrel groß sein. Die Meldung kommt der Regierung wie gerufen - sie hat vor kurzem eine Kampagne gestartet, um die Ressourcen des Landes auszubeuten. Doch wer soll das Öl fördern? http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,711922,00.html
ist es ja fast von Vorteil, daß in diesem Land seit Jahrzehnten Chaos und Unterentwicklung herrschen. Bei der Verschiedenartigkeit der gefundenen Rohstoffe gehe ich mal nicht davon aus, daß Afghanistan besonders gesegnet ist. Es wurde einfach fast nichts gefördert. Wir hatten in Europa wahrscheinlich auch Kupfer, Eisen und Kohle direkt unter der Grasnarbe, ist nur schon lange her.
5. Aha, jetzt
stanis laus 15.08.2010
"Forscher entdecken großes Ölfeld in Afghanistan." Wie war das nochmal? Die Bush-Familie hat ihr Vermögen in Ölgeschäften zusammengeklaubt? Die Taliban haben keinen einzigen Staat der Nato angegriffen, trotzdem hat die Nato den Verteidigungsfall festgestellt und dann Afghanistan angegriffen. Wäre doch schade drum gewesen, das Öl den Menschen dort zu überlassen. Die USA gehen nie aus Afghanistan raus. Die Nato-Marionetten spielen ihre Rolle am Katzentisch brav mit. Den Iran kann man nur beglückwünschen, dass er rechtzeitig die US-Kolonialisten samt deren Marionette, dem Schah, aus dem Land geworfen haben.
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Bodenschätze in Afghanistan (Stand Ende 2009) Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Bodenschätze in Afghanistan (Stand Ende 2009)


Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.



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