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Erderwärmung: Renommierte Klimaforscher fordern Renaissance der Kernkraft

Zerstörtes AKW Fukushima: Risiken um Größenordnungen kleiner Zur Großansicht
REUTERS/Kyodo

Zerstörtes AKW Fukushima: Risiken um Größenordnungen kleiner

Die Menschheit verbraucht immer mehr Energie, der Ausstoß von Treibhausgasen steigt, der Klimawandel schreitet voran. Vier namhafte Klimaforscher fordern nun einen Ausbau der Atomkraft. Nur so sei eine Senkung der CO2-Emissionen realistisch.

Das 21. Jahrhundert läuft bislang nicht gut für die Kernenergie. Der Atomunfall von Fukushima hat das Image der Branche stark ramponiert, und auch der Anteil der Atomkraft an der weltweiten Stromerzeugung sinkt. 1993 betrug er 17 Prozent, inzwischen liegt der Wert bei nur noch zehn Prozent. Die immer mal wieder beschworene Renaissance der Atomkraft findet bislang nicht statt.

Nun fordern vier renommierte Klimaforscher eine Rückbesinnung auf die Kernkraft. Der Widerstand gegen Atomkraftwerke gefährde den Kampf gegen den Klimawandel, schreiben Ken Caldeira, Kerry Emanuel, James Hansen und Tom Wigley in einem offenen Brief. Hansen leitete von 1981 bis 2013 das Goddard Institute for Space Studies der Nasa und warnte bereits in den achtziger Jahren vor den Folgen des Klimawandels.

Die vier Wissenschaftler appellieren an Politiker und Umweltschutzorganisationen weltweit, sich für die Entwicklung sicherer Atomkraftwerke einzusetzen. "Der weltweite Energiebedarf steigt", schreiben sie. Gleichzeitig müsse der CO2-Ausstoß gesenkt werden. Mit erneuerbarer Energie allein sei das kaum zu schaffen. "Es gibt keinen realistischen Weg zu Stabilisierung des Klimas, der ohne einen substantiellen Anteil der Kernenergie auskommt."

"Unvoreingenommener Umgang mit der Kernenergie"

Die vier renommierten Klimaforscher räumen ein, dass die Nutzung der Kernenergie mit Risiken verbunden ist. Diese seien jedoch "um Größenordnungen kleiner" als die Gefahren, die von der Nutzung fossiler Energien ausgingen. Das sehen andere Experten durchaus ähnlich. Eine im April veröffentlichte Studie etwa kam zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Kohleenergie allein in der EU zu mehr als 18.000 vorzeitigen Todesfällen führt - pro Jahr. Die Weltgesundheitsorganisation hat die globale Zahl der Kohle-Toten sogar schon auf mehrere Millionen jährlich geschätzt.

In der Debatte über die künftige Energiepolitik sollten Fakten entscheiden, nicht Emotionen, fordern nun die vier Klimaforscher: "Die Zeit ist reif für einen unvoreingenommenen Umgang mit der Kernenergie." Es müssten neue Technologien entwickelt werden, um die Nutzung der Atomkraft sicherer zu machen.

Bereits seit 2006, also fünf Jahre vor der Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011, geht die absolute Menge des weltweit erzeugten Atomstroms zurück. Nach Fukushima sank die jährliche Nuklearstromproduktion weiter: 2011 um vier Prozent und dann 2012 sogar um sieben Prozent.

Allerdings gestaltet sich der Bau modernerer Atomkraftwerke schwierig, den Hansen und seine Kollegen so vehement einfordern. Kürzlich erst hat Großbritannien den Bau des ersten britischen Atomkraftwerks seit zwei Jahrzehnten verkündet. Es wird bis 2023 in der englischen Grafschaft Somerset das Atomkraftwerk Hinkley C errichtet.

In Westeuropa scheuen Energiekonzerne vor allem die hohen Kosten, neue AKW gelten als unwirtschaftlich. "Man kann heute unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten keine Kernkraftwerke mehr bauen", sagt etwa der Energieexperte Mycle Schneider, Verfasser des "World Nuclear Industry Status Report".

Ein massiver Ausbau der Kernenergie könnte jedoch auch an der begrenzten Verfügbarkeit von Natur-Uran scheitern. Der alternative Brennstoff Plutonium gilt als zu riskant, weil er auch zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden kann - und er könnte bei einer massiven globalen Ausweitung der Kernenergie weit verbreitet werden.

hda

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
21Pinto 04.11.2013
Zitat von sysopREUTERS/KyodoDie Menschheit verbraucht immer mehr Energie, der Ausstoß von Treibhausgasen steigt, der Klimawandel schreitet voran. Vier namhafte Klimaforscher fordern nun einen Ausbau der Atomkraft. Nur so sei eine Senkung der CO2-Emissionen realistisch. Renommierte Klimaforscher fordern Renaissance der Kernkraft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/renommierte-klimaforscher-fordern-renaissance-der-kernkraft-a-931619.html)
Na, da werden die selbsternannten Experten hier aber sofort auf die Barrikaden gehen und haarklein nachweisen, dass diese vier Klimaforscher nichts anderes als von der Atommafia gekaufte Subjekte sind. Es kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Energiewende forever, vorwärts immer, rückwärts nimmer, Überholen ohne einzuholen und last but not least: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Was sind da schon "namhafte" Klimaforscher gegen die geballte Expertise in diesem Forum?
2. Marktwirtschaft
manni.baum 04.11.2013
wo bleibt denn die Denkweise nach Kriterien unserer heissgeliebten Marktwirtschaft - wenn die Nachfrage nach Energie grösser wird sollte der Preis pro Einheit steigen.
3. so so
juergenwolfgang 04.11.2013
Zitat von sysopREUTERS/KyodoDie Menschheit verbraucht immer mehr Energie, der Ausstoß von Treibhausgasen steigt, der Klimawandel schreitet voran. Vier namhafte Klimaforscher fordern nun einen Ausbau der Atomkraft. Nur so sei eine Senkung der CO2-Emissionen realistisch. Renommierte Klimaforscher fordern Renaissance der Kernkraft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/renommierte-klimaforscher-fordern-renaissance-der-kernkraft-a-931619.html)
Dann sollen diese 4 Superhirne mal klären: -wohin mit dem strahlenden Müll? -wohin mit den Menschen wenn ein Kraftwerk auser Kontrolle gerät? -woher nehmen wir das Uran, das ja auch endlich ist und bald leer! -wo bauen wir die AKW? Bei mir hoffentlich nicht! -Fragen über Fragen Warum aber forcieren wie nicht den Ausbau der Erneuerbaren Energie? Wie viel wurde von der Atomlobby an diese 4 Herren bezahlt damit solch eine Studie ensteht? Fragen über Fragen
4.
syracusa 04.11.2013
Zitat von sysopREUTERS/KyodoDie Menschheit verbraucht immer mehr Energie, der Ausstoß von Treibhausgasen steigt, der Klimawandel schreitet voran. Vier namhafte Klimaforscher fordern nun einen Ausbau der Atomkraft. Nur so sei eine Senkung der CO2-Emissionen realistisch. Renommierte Klimaforscher fordern Renaissance der Kernkraft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/renommierte-klimaforscher-fordern-renaissance-der-kernkraft-a-931619.html)
Mal ganz abgesehen von den nicht-beherrschbaren Risiken des Atomstroms ist die Sache ökonomisch ziemlich simpel. Die Grenze zur Wirtschaftlichkeit von maßgeblich durch Fixkosten bestimmten Kraftwerksarten liegt bei etwa 2 Mio € je MW Leistung. Ein neues, den aktuellen Sicherheitsanforderungen genügendes AKW aber kostet mindestens 5 bis 6 Mio € je MW. Alleine die Kapitalkosten, die bei Vollbetrieb auf jede damit erzeugte kW Atomstrom entfallen, liegen höher als die Gestehungskosten für Windstrom. Die vier Klimaforscher behaupten ohne jeden Beleg, dass die Energieversorgung alleine aus erneuerbaren Quellen nicht machbar sei. Wie kommen die denn zu dieser absurden Behauptung? Natürlich wäre das nicht nur machbar, sondern erstens billiger und zweites weitaus risikoärmer als der Neubau von AKWs.
5. Warum nicht?
forscher Forscher 04.11.2013
Zitat von sysopREUTERS/KyodoDie Menschheit verbraucht immer mehr Energie, der Ausstoß von Treibhausgasen steigt, der Klimawandel schreitet voran. Vier namhafte Klimaforscher fordern nun einen Ausbau der Atomkraft. Nur so sei eine Senkung der CO2-Emissionen realistisch. Renommierte Klimaforscher fordern Renaissance der Kernkraft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/renommierte-klimaforscher-fordern-renaissance-der-kernkraft-a-931619.html)
Es wäre zumindest hilfreich, diese Alternative in Betracht zu ziehen und nicht gleich immer mit der grünen Keule drauf zu hauen. Es gibt neue Technologien, z. B. den Travelling Wave Reactor, die nicht so kompliziert und gefährlich sind wie die alte Generation von Kraftwerken. Die Angst vor ionisierender Strahlung spielt da eine große Rolle, leider ist diese Angst vollkommen übertrieben und frei von jeglicher Objektivität. Am Ende muss man eben sehen, wo man die Prioritäten setzt.
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Grafiken: So steht es um die globale Atomindustrie

Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
DPA
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
DPA
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.


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