Hamburg/Otterlo - Das Format ist zu groß für ein Gemälde dieser Art, der Vordergrund zu überladen, dazu eine Signatur an ungewöhnlicher Stelle: Das "Stillleben mit Wiesenblumen und Rosen" galt seit einigen Jahren nicht mehr als echter van Gogh. Nun aber scheint eine Analyse, die vor allem am Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) im Hamburg stattfand, die Authentizität des Bildes zu bestätigen.
Mit Hilfe einer neuen Technik, der sogenannten Makro-Röntgenfluoreszenzanalyse, haben Wissenschaftler ein Gemälde unter dem Stillleben sichtbar gemacht. Es zeigt zwei Ringer mit nacktem Oberkörper. Erstmals entdeckt wurden sie bei einer Röntgenuntersuchung im Jahr 1998, doch erst jetzt haben Forscher das Ringer-Bild detailliert analysiert.
Die verwendeten Farbpigmente entsprechen demnach denen, die Vincent van Gogh zu dieser Zeit - also um das Jahr 1886 - nutzte. Auch die Pinselführung sei typisch für ihn gewesen. Dass die Sportler nicht völlig nackt waren, sei zudem ein typisches Merkmal von Gemälden, die an der Königlichen Kunstakademie in Antwerpen entstanden, an der van Gogh studierte.
"Großes Ding mit zwei nackten Oberkörpern"
Wie das Desy mitteilt, erwähnte Vincent van Gogh das Bild in einem Brief an seinen Bruder Theo. "Letzte Woche malte ich ein großes Ding mit zwei nackten Oberkörpern - zwei Ringer", schrieb der Künstler. Kurze Zeit später, im Februar 1886, hat er die Ringer dann wohl mit dem Stillleben übermalt, was nicht weiter ungewöhnlich war. Van Gogh besaß selten das Geld für neue Leinwände. Forscher haben bereits unter diversen Gemälden weitere Bilder entdeckt. Unter anderem zeigte sich am Desy unter van Goghs "Grasgrond" ein übermaltes Frauenporträt.
Die Blumen im Vordergrund seien nötig gewesen, damit die Ringer sich nicht unter der Oberfläche abzeichnen, nehmen die Wissenschaftler an. Denn weder kratze van Gogh das vorher Gemalte ab, noch bedeckte er es mit einer einheitlichen Farbschicht.
Ausgestellt ist das Werk im Kröller-Müller-Museum im niederländischen Otterlo, in dessen Sammlung es sich seit 1974 befindet.
wbr
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