Klimaschutztechnik Vattenfall gibt CCS-Forschung weitgehend auf

Zu langwierig, zu teuer: Vattenfall gibt seine Forschung zur Abtrennung und Speicherung von CO2 weitgehend auf. Die Erkenntnisse, die in Deutschland gewonnen wurden, sollen nun in Kanada weiter genutzt werden.

Vattenfall-Braunkohletagebau Welzow (April 2014): Unternehmen zieht sich weitgehend aus CCS-Forschung zurück
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Vattenfall-Braunkohletagebau Welzow (April 2014): Unternehmen zieht sich weitgehend aus CCS-Forschung zurück

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Der Energiekonzern Vattenfall verabschiedet sich zu großen Teilen von der Forschung an der sogenannten CCS-Technologie, bei der es um Abtrennung und Speicherung des Klimagases CO2 im Boden geht. Die Firma begründet das mit "schwierigen Marktbedingungen" im Energiesektor und dadurch zurückgehende Unternehmensgewinne.

Vattenfall-Manager Karl Bergman erklärte in einer Mitteilung, man wolle das Forschungsportfolio so ausrichten, dass die Projekte schneller zur Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahren beitragen solle - und CCS gehört dabei offenbar nicht mehr ernsthaft dazu.

Vattenfall hatte in Deutschland mehr als zehn Jahre an CCS geforscht, vor allem am sogenannten Oxyfuel-Verfahren. Dabei wird Kohle in einer speziellen Atmosphäre aus Sauerstoff und Rauchgas verbrannt. Aus der deutschen Firmenzentrale in Berlin hieß es auf Anfrage, die nun verkündete Entscheidung zum Rückzug aus der CCS-Forschung betreffe nur die Konzernabteilung "Projekte". Dort seien "viele, aber nicht alle" Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten angesiedelt.

Die Abteilung Braunkohle befasse sich weiter mit der CO2-Abtrennung und -Speicherung. Allerdings wird die CCS-Pilotanlage Schwarze Pumpe Ende Juli außer Betrieb genommen. Sie sollte Erkenntnisse für ein Demonstrationskraftwerk am Standort Jänschwalde liefern - das aber nicht gebaut wird.

"Unverzichtbare technologische Option"

CCS ist für die Betreiber teuer, weil es den Wirkungsgrad von Kraftwerken verschlechtert. Außerdem gibt es Widerstand in der Bevölkerung gegen die Speicherung von CO2 im Boden. Andererseits könnte die Technologie im weltweiten Maßstab interessant für den Klimaschutz sein - jedenfalls aus Sicht des Weltklimarats IPCC. Ottmar Edenhofer, Co-Chef der dritten IPCC-Arbeitsgruppe, sieht CCS als "unverzichtbare technologische Option". Allerdings blieben Unsicherheiten und Kostenrisiken. Doch wohl nur mit CCS, so die Klimaexperten, lasse sich das Ziel sinkender CO2-Emissionen überhaupt mit dem steigenden Energieverbrauch der Welt zusammenbringen.

Insbesondere Schwellenländer wie China setzen weiter auf Kohle, auch in Deutschland boomt die Stromerzeugung aus Braunkohle. Doch auch Energiemanager sehen, dass Kohle nur zukunftsfähig ist, wenn sie mit CCS ihr Image als klimaschädlichste Form der Energieerzeugung loswerden kann. "Ein neues Braunkohlekraftwerk muss aus Sicht des Vattenfall-Konzerns CCS haben. Wir haben noch ein Zeitfenster von fünf bis zehn Jahren, um eine Bauentscheidung zu treffen", sagte Hartmuth Zeiß, Vorstandschef von Vattenfall Europe Mining & Generation, kürzlich in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

"Einen Speicher auf dem Land halte ich in Deutschland derzeit nicht für durchsetzbar. Wir müssen aufs offene Meer hinausgehen", so Zeiß. Ein Unternehmen allein könne die Kosten für die nötige Infrastruktur aber nicht stemmen. "Aus meiner Sicht sind europäische Lösungen gefragt."

Die Technik, gegen die es in vielen Teilen Deutschlands Widerstand aus der Bevölkerung gibt, lässt sich nicht schnell durchsetzen. Das ist der Grund, warum sie in der Vattenfall-Forschungsstrategie kaum noch eine Rolle spielt. Erkenntnisse aus dem Betrieb der Pilotanlage Schwarze Pumpe sollen jetzt bei einem der weltweit größten CCS-Demonstrationsprojekte im Kohlekraftwerk BoundaryDam in der kanadischen Provinz Saskatchewan genutzt werden. Das Kraftwerk soll für anderthalb Milliarden Dollar mit CCS-Technik nachgerüstet werden. Vattenfall und der Betreiber SaskPower haben ein Abkommen zum Wissens- und Technologietransfer unterschrieben.

Milliardenprojekt in Norwegen abgeblasen

2013 war schon in Norwegen ein CCS-Flaggschiffprojekt zu den Akten gelegt worden. Dabei sollte in Mongstad, an der Westküste des Landes, als Anhängsel eines neuen Gaskraftwerks die weltgrößte CCS-Anlage entstehen. Das Vorhaben erwies sich aber als zu teuer. Nach einer Statistik des unabhängigen Global CCS Institute gab es im Februar 2014 weltweit 21 größere Projekte zur CO2-Abtrennung und -Speicherung, die entweder bereits laufen oder im Bau sind. Mehr als die Hälfte der Anlagen befinden sich in China. Nach Angaben des Instituts ist die Zahl der CCS-Projekte seit 2011 um 50 Prozent gestiegen.

Insgesamt hätten die Anlagen die Kapazität, 40 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einzufangen. Allerdings ist das kaum mehr als die Menge, die allein das schmutzigste Kohlekraftwerk Europas im polnischen Belchatow ausstößt.

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Seite 1
helmut.alt 07.05.2014
1. optional
Wissenschaftlich gesehen ein völlig absurdes Vorhaben, eine Substanz, die oberhalb von -80°C gasförmig ist im Millionentonnen-Maßstab "lagern" zu wollen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit bis die ersten CO2-Toten aufgrund von Erstickung zu beklagen sein werden.
Thom-d 07.05.2014
2.
Zitat von sysopDPAZu langwierig, zu teuer: Vattenfall gibt seine Forschung zur Abtrennung und Speicherung von CO2 weitgehend auf. Die Erkenntnisse, die in Deutschland gewonnen wurden, sollen nun in Kanada weiter genutzt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/rueckzug-vattenfall-gibt-forschung-zu-ccs-weitgehend-auf-a-968042.html
Noch so ein teures und sinnloses Geldgrab der hirnlosen Energiewende. Dabei wäre es sehr wichtig, das für die Pflanzen lebenswichtige Kohlendioxid in die Atmosphäre zu entlassen. Aber zum Glück scheinen diese Spinnereien an der Realität zu scheitern
les2005 07.05.2014
3.
Zitat von Thom-dNoch so ein teures und sinnloses Geldgrab der hirnlosen Energiewende. Dabei wäre es sehr wichtig, das für die Pflanzen lebenswichtige Kohlendioxid in die Atmosphäre zu entlassen. Aber zum Glück scheinen diese Spinnereien an der Realität zu scheitern
Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben - der CO2-Level in der Luft steigt seit ungefähr 100 Jahren an, in letzter Zeit immer schneller. Daß Pflanzen an einem CO2-Mangel leiden, ist mir neu. Die CCS-Technik soll lediglich einen weiteren Anstieg von CO2 bremsen. Um die eine Mangelversorgung der Pflanzen brauchen Sie sich vorläufig also keine Sorgen zu machenb. Daß der steigende CO2-Gehalt aber zu allen möglichen Problemen, wie Treibhauseffekt und inzwischen Übersäuerung der Meere führt, ist aber auch schon gelegentlich thematisiert worden.
der.tommy 07.05.2014
4.
@thom-d Pflanzen sind auch gewachsen bevor wir Kohlekraftwerke gebaut haben. Die Annahme, Pflanzen würden auch nur ansatzweise genug CO2 binden um dem Klimawandel entgegenzuwirken ist unbewiesen und erweist sich als nicht vereinbar mit den beobachtungen
Zitrone! 07.05.2014
5.
Ich wüsste gerne, warum der IPCC diese Idee (CCS) so toll findet. Gibt es wirklich gute Gründe *dafür*? Wikipedia scheint zwar nicht auf dem neuesten Stand, ist aber trotzdem interessant: https://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Abscheidung_und_-Speicherung Die wichtigste Aussage hier: "Ein modernes Steinkohlekraftwerk hat einen Wirkungsgrad von ca. 45 %, durch die CO2-Abscheidung sinkt der Wirkungsgrad auf dann ca. 33–37 %, was jedoch immer noch einen um bis zu ca. *35 % höheren Kohleverbrauch für dieselbe Stromproduktion* bedeutet." Dabei scheint es relativ egal zu sein, für welches Verfahren man sich entscheidet. Und zur Lagerung, die die Norweger direkt am Gasfeld ausprobieren: "In Sleipner steigt der Druck nicht an, und 24 % des verpressten CO2 sind nicht mehr auffindbar. Dafür ist in nur 24 km Entfernung eine mit bisherigen Untersuchungsmethoden nicht auffindbare Fraktur von 3 km Länge, bis 200 m Tiefe und 10 m Breite aufgetaucht. In Snøhvit musste die Verpressung von CO2 eingestellt werden, weil der Druck so stark anstieg, dass das Deckgebirge zu reißen drohte." Meine Vorhersage, falls man das wirklich durchzieht: Wir werden 1/3 mehr Kohle verbrauchen, und damit auch 1/3 mehr CO2 erzeugen. Das CO2 wird scheinbar gelagert, in Wirklichkeit aber erreicht es zu 100%, nur zeitverzögert und auf nicht nachvollziehbaren Wegen, die Atmosphäre. Eine Farce.
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