Umstellung Anfang Juli Länder streiten um Abschaffung der Schaltsekunde

Der Juli ist dieses Jahr etwas länger als sonst. Eine zusätzliche Sekunde soll kompensieren, dass sich die Erde immer langsamer dreht. Die Umstellung birgt Risiken, einige Staaten wollen die Schaltsekunde deshalb abschaffen.

Es wird an der Uhr gedreht: Extrasekunde am 1. Juli bleibt
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Es wird an der Uhr gedreht: Extrasekunde am 1. Juli bleibt


Seit 1972 geben Atomuhren die Weltzeit UTC vor. Um sie parallel zur Sonnenzeit UT1 - also dem Tag-Nacht-Rhythmus der Erdrotation - zu halten, wird in manchen Jahren der letzte Juni- oder der letzte Dezembertag um eine Sekunde verlängert. Die Schaltsekunde in diesem Sommer ist die 26. seit 1972.

Diesmal ist die Zeitumstellung am 1. Juli um 1.59 Uhr und 59 Sekunden: Das Jahr 2015 wird um eine Sekunde verlängert. Ohne Schaltsekunde würden Weltzeit und astronomische Zeit immer weiter auseinanderklaffen. "Würde man die Differenz nicht korrigieren, würde die Sonne irgendwann mittags aufgehen", erklärt Wolfgang Dick vom International Earth Rotation and Reference Systems Service (IERS). Der IERS mit Sitz in Frankfurt entscheidet, wann Schaltsekunden eingefügt werden.

Anfang des Jahres hatte die Differenz bei 0,5 Sekunden gelegen. "Am 1. Juni betrug der Unterschied 0,65 Sekunden", sagt Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. International vereinbart ist, dass Weltzeit UTC und Sonnenzeit UT1 nie mehr als 0,9 Sekunden voneinander abweichen.

Bei der Umstellung könnte es durchaus Probleme geben: Während die meisten Uhren den Sprung bewältigen werden, kommt so manche Software mit einer zweiten 60. Sekunde nicht gut klar. Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, das Buchungssystem der australischen Fluggesellschaft Qantas fiel zeitweise aus.

"Es ist erstaunlich, was eine kleine Sekunde so anrichten kann", sagt Bauch. Je mehr Prozesse abhängig von integrierten Zeitangaben laufen, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass doch einmal an einer Stelle die Anpassung vergessen wird oder nicht korrekt passiert.

Flugsicherung und Börse betroffen

Problematische Kettenreaktionen seien zum Beispiel im Stromnetz denkbar, erklärt Bauch. Bei der Berechnung des Stromflusses werde mit Mikrosekunden-Zeitauflösung gearbeitet, ebenso bei der Bestimmung der Netzwerkbelastung. Werde ein Wert wegen der Schaltsekunde falsch berechnet, könne die Abschaltung der Leitung folgen.

Auch bei der Flugsicherung oder im Geldhandel werde mit Millisekunden-Zeitauflösung gearbeitet, ebenso bei der Navigation über Satelliten, ergänzt der PTB-Experte. "Bei den gewaltigen Bahngeschwindigkeiten würden Sie bei einer Sekunde Unterschied schon komplett woanders verortet." Auch sicherheitsrelevante Systeme könnten betroffen sein, sagt Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur.

USA und Frankreich wollen Schaltsekunde abschaffen

Für Privatfirmen sind die Schaltsekunden vor allem mit Mehrkosten für die Umstellung von Hand verbunden. Daher verwundert es kaum, dass es inzwischen viel Widerstand gibt gegen das 1972 eingeführte Zeit-System. Erstmals im Jahr 2001 wurde von den USA die Abschaffung der Schaltsekunden als Arbeitsthema vorgeschlagen.

Bei der diesjährigen Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im November in Genf werden die Kritiker erneut einen Versuch starten. Vor allem die USA und Frankreich befürworteten eine Abschaffung der Schaltsekunde, sagt Bauch. Zu den Ländern, die die Schaltsekunde beibehalten wollen, zählen Großbritannien, Russland und Kanada.

Tag-Nacht-Rhythmus aus dem Gleichgewicht

Hauptargument für eine Abschaffung der Schaltsekunden sei, dass Fehlerrisiken und Mehraufwand wegfielen, erklärt Dick vom IERS-Zentralbüro. "Allerdings ist auch klar: Irgendwann muss man korrigieren, schon eine Stunde Differenz ist im Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen deutlich spürbar."

Denkbar sei das Einschieben einer Schaltminute alle 100 Jahre oder einer Schaltstunde nach entsprechend längerer Frist. "Allerdings wüsste nach so langer Zeit niemand mehr, wo überall es ein Problem geben könnte und Anpassungen in Systemen nötig sind", ist Dick überzeugt.

Die Briten stemmen sich auch deshalb gegen eine Abschaffung, weil dann ein Nationalheiligtum weiter an Bedeutung verlöre: der Greenwich-Meridian, dessen mittlere Sonnenzeit lange maßgeblich für die Weltzeit war.

Ein weiteres, ebenfalls eher philosophisches Argument in der Debatte: Die Abschaffung der Schaltsekunden hieße, dass das Leben zum ersten Mal in der gesamten Menschheitsgeschichte von der Sonnenzeit abgekoppelt würde.

Im Moment sind die Lager von Gegnern und Befürwortern etwa gleich groß. Für eine Änderung des Weltzeit-Systems müssten sich aber alle einig sein. Dick ist darum überzeugt: "Ein einstimmiger Beschluss wird im November nicht durchzusetzen sein."

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Das Jahr 2015 wird im Juli verlängert. Eine Schaltsekunde soll die immer langsamere Drehung der Erde kompensieren. Doch Computer könnten aus dem Tritt geraten. Die USA und Frankreich fordern die Abschaffung der Korrektur.

jme/dpa

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
rmuekno 23.06.2015
1. So eine Idiotie
Seit Jahren gibt es Schaltsekunden, die Probleme mit Software sind Ausnahmen, weil die Software schlampig geschrieben ist. Ordentlich Software kommt damit zurecht, wie Millionen System weltweit beweisen. Wegen ein paar Ausnahmen, die zu blöd sind Ihre Software zu korrigieren soll nun die Schaltsekunde abgeschafft werden. Das darf doch nicht wahr sein, ich hoffe es bleibt alles so wie es ist. Es gab genug Umstellungen, bei denen man die Software hätte korrigieren können, so es ein Problem gegeben hat.
Strangelove 23.06.2015
2. warum nicht zur Sommer-/Winterzeitumstellung
dann eben um 59 min und 59 s bzw 1h und 1 s vor bzw. zurückstellen. Die Stunde wird ja auch von allen Systemen verkraftet. Und die Sommerzeit hat dann auch endlich eine Existenzberechtigung!
LJA 23.06.2015
3. Was für eine
beknackte Diskussion. Erinnert ein wenig an die kommende Y2k Katastrophe, die bekanntlich auch ausgeblieben ist, weil frühzeitig gegen gesteuert wurde. Es gibt also einige Cumputersysteme, die mit der zusätzlichen Sekunde Probleme haben. Mag sein. Aber offensichtliche hat die große Mehrheit der Systeme eben keine Probleme. Also sind es wohl nur einige Programmierer und Systemadministratoren, die das noch nicht hin bekommen haben. Oder sich einfach in Zukunft die Arbeit sparen wollen.
sirius08/15 23.06.2015
4. Hurra,
eine ganze Sekunde länger schlafen. Nur was machen bloß die armen Schichtarbeiter, bekommen sie die Sekunde bezahlt?
cindy2009 23.06.2015
5. Oder, oder
Zitat von LJAbeknackte Diskussion. Erinnert ein wenig an die kommende Y2k Katastrophe, die bekanntlich auch ausgeblieben ist, weil frühzeitig gegen gesteuert wurde. Es gibt also einige Cumputersysteme, die mit der zusätzlichen Sekunde Probleme haben. Mag sein. Aber offensichtliche hat die große Mehrheit der Systeme eben keine Probleme. Also sind es wohl nur einige Programmierer und Systemadministratoren, die das noch nicht hin bekommen haben. Oder sich einfach in Zukunft die Arbeit sparen wollen.
Oder es ist gar das Betriebssystem. Linux scheint ja mal beteiligt gewesen zu sein...
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