Schiffswrack San José Der Milliardenschatz vor Kolumbien ist gefunden

Per Twitter verkündete Kolumbiens Präsident den Fund eines so lang gesuchten wie umstrittenen Schatzschiffes. Für den kolumbianischen Staat könnte es das glückliche Ende eines jahrzehntelangen Disputs sein: Es geht um Milliarden.

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Es passiert nicht oft, dass ein Staatsoberhaupt die Welt per Twitter über eine anstehende Pressekonferenz informiert, aber am Freitag hatte Juan Manuel Santos offensichtlich etwas zu feiern: "Großartige Neuigkeiten!", twitterte Kolumbiens Präsident. "Wir haben die Galeone San José gefunden. Morgen liefern wir auf einer Pressekonferenz in Cartagena Details."

Erst gab es allerdings donnernde Ankündigungen statt Details: "Ohne einen Zweifel, ohne Raum für jedweden Zweifel haben wir die Galeone San José gefunden, 307 Jahre nachdem sie gesunken ist", sagte Santos auf der Pressekonferenz, die vom karibischen Marinestützpunkt Cartagena aus ins kolumbianische Staatsfernsehen übertragen wurde. In Cartagena werde man auch ein Museum zu Ehren des Fundes errichten, so Santos.

Dann gab er die Details bekannt: Ein Team aus internationalen Experten, der kolumbianischen Marine und des nationalen Archäologie-Instituts habe das Wrack vergangene Woche nahe der Insel Baru entdeckt, sagte der Präsident. Ultraschallaufnahmen hätten bislang speziell für das Schiff angefertigte Bronzekanonen sowie Waffen, Keramik und andere Artefakte aufgezeigt.

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Vor Kolumbiens Küste: Die Schätze des spanischen Gold-Schiffes

34 Jahre nachdem erstmals ein Schatzsuche-Unternehmen behauptet hatte, das Wrack der "San José" im Meer vor Kolumbien gefunden zu haben, soll dies nun also wirklich der Fall sein. Unter Schatzsuchern wird die Galeone als "Heiliger Gral unter den Schatzschiffen" gehandelt. Was wenig über die historische Bedeutung des spanischen Schiffes aussagt, das 1708 vor Kolumbien sank, aber jede Menge über ihre Ladung. Sieben bis elf Millionen Gold- und Silberpesos soll die "San José" an Bord gehabt haben, als sie sank, dazu eine unbekannte Menge an Edelsteinen und anderen Wertsachen.

Die Schätzungen über den Wert dieser Ladung gehen sehr weit auseinander. Die moderatesten Nennungen liegen bei bis zu einer halben Milliarde Dollar, andere setzen sie bei circa eineinhalb Milliarden an, Kolumbien hofft auf mindestens vier Milliarden. Das Unternehmen Sea Search Armada (SSA) aber, das seit 1981 einen Anspruch auf einen Anteil am Schatzfund anmeldet, sieht ihn sogar bei 17 Milliarden Dollar. Wie das wirklich aussieht, weiß man wohl erst, wenn wirklich alles geborgen ist.

So oder so: Es geht um sehr viel Geld, erneuter Streit dürfte da programmiert sein. Denn neben der Schlacht, in der die "San José" sank, wurde in den letzten Jahren eine zweite um das ungefundene Wrack geführt, die bereits Gesetzesänderungen produzierte und Urteile mehrerer Gerichte in zwei Ländern.

Es ist ein typischer Disput in der Welt der Unterwasserarchäologie, die sehr häufig eben vor allem Schatzsuche ist. Entsprechend viele private Firmen sind in diesem Feld unterwegs, und sie haben in der Regel das meiste Know-how und das beste Equipment.

Der Staat hat Vorrang

So war es dann auch eine private Firma, die 1979 einen Vertrag mit dem Staat Kolumbien schloss, der ihr einen Anteil an den Erlösen für den Fall zusicherte, dass die "San José" gefunden werden sollte. Schon 1981 meldete das kleine Unternehmen, das rund zwölf Millionen Dollar in die Suche investiert haben will und seine Rechte bald an den Finanzierszirkel Sea Search Armada abtrat, den Fund des Wracks. Bestätigt werden konnte das bis heute nicht - aber von 1984 bis 2011 tobte ein Streit um die Frage, ob und in welcher Höhe das Privatunternehmen an dem Fund beteiligt werden müsste, wenn der Schatz denn irgendwann geborgen würde.

Dann entschied im Oktober 2011 ein US-Gericht durchaus überraschend, dass die Rechte an dem Wrack dem Staat Kolumbien zuständen - ganz im Sinne der Unesco-Konvention zum Schutz des Unterwasserkulturerbes. Die Entscheidung lag im Trend: Galten die Ozeane lange als lukrative Jagdgründe für versierte Schatzsucher, fallen in den letzten Jahren immer öfter Entscheidungen zugunsten von Ländern, in deren Seegebieten Funde gemacht werden. Auch Umwelt- und Naturschutzbestimmungen machen den Schatzjägern zunehmend die Suche schwer.

Goldschatz-Fund (2003): So oder ähnlich könnte es am Fundort der "San José" vor Kolumbiens Küste aussehen. Das Schiff explodierte vor dem Sinken
AP/ Odyssey Marine Exploration

Goldschatz-Fund (2003): So oder ähnlich könnte es am Fundort der "San José" vor Kolumbiens Küste aussehen. Das Schiff explodierte vor dem Sinken

Sea Search Armada hat sich seit 2012 nicht mehr zu dem Fall geäußert. Anhängig ist allerdings noch eine Petition an eine panamerikanische Kommission für Menschenrechte: Sollte die Bergung der "San Jose" nun wirklich konkret bevorstehen, könnte das Unternehmen noch einmal versuchen, seine behaupteten Rechte einzufordern.

Die Geschichte der "San José"

Ende Mai 1708 lag die Galeone "San José", kommandiert vom Capitan José Fernández de Santillán, mit ihren zwei Schwesterschiffen "San Joaquín" und "Santa Cruz" im Hafen von Portobelo. Es war die Zeit des spanischen Erbfolgekriegs, und dessen Treibstoff war Gold: Bewacht wurden die mit Millionen, viele Tonnen schweren Pesos beladenen Schatzschiffe von drei schwer bewaffneten Geleitschiffen und einem leichten Kriegsschiff.

Ihr Ziel war Cartagena, doch der Weg war verbaut. Nur dreißig Seemeilen vor der heutigen kolumbianischen Großstadt kreuzten vier englische Kriegsschiffe unter dem direkten Kommando des Ersten Lords der Admiralität, Charles Wager.

Ein Patt, wenn man so will: Santillán saß unangreifbar im Hafen, Wager kam nicht heran. Doch dem Spanier saß die Zeit im Nacken, denn der Beginn der Hurrikan-Saison rückte unaufhaltsam näher. Am 28. Mai ließ er Anker lichten und versuchte sein Glück Richtung Cartagena.

Es verließ ihn am 7. Juni: Die spanische Flotte landete in einer Flaute und ging vor Anker. Drei Tage später war Wager über ihnen: Die "San Joaquín" entkam nach stundenlangem Kampf mit einem Geleitschiff, doch den anderen Schatzschiffen erging es weniger gut. "Santa Cruz" wurde geentert, das Geleitschiff "Concepción" lief auf Grund und wurde von der eigenen Mannschaft verbrannt.

Die "San José" aber explodierte gegen sieben Uhr am Abend und sank umgehend. Wenige Meilen vor dem Hafen Cartagenas versank sie in Tiefen, die dort bis zu 700 Meter erreichen. Von rund 600 Menschen an Bord wurden gerade elf geborgen. Seit diesem 10. Juni 1708 gilt die "San José" als möglicherweise größter Schatz am Boden des Meeres.

mit Material von Reuters



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bertholdalfredrosswag 06.12.2015
1. Mein Kommentar zum Thema.
Nach Abfindung der Suchunkosten und der Zuerkennung eines Finderlohnes müsste die Beute zuerst dem Land zustehen, dem es gestohlen wurde.
spon-facebook-1582946237 06.12.2015
2.
Ah ja, bleibt dann aber die Frage wem was dabei gestolen wurde. Der spanische Schatz wurde jedenfalls nicht extra aus Spanien nach Kolumbien gebracht - das Gold stammt dann ja wohl eher aus Südamerika und wurde dort entwendet. Dürfte schwierig werden herauszufinden wo genau der Schürfort des Goldes vorher war ;-)
m.w.r. 06.12.2015
3.
Zitat von spon-facebook-1582946237Ah ja, bleibt dann aber die Frage wem was dabei gestolen wurde. Der spanische Schatz wurde jedenfalls nicht extra aus Spanien nach Kolumbien gebracht - das Gold stammt dann ja wohl eher aus Südamerika und wurde dort entwendet. Dürfte schwierig werden herauszufinden wo genau der Schürfort des Goldes vorher war ;-)
So schwierig ist das gar nicht. Es gibt sehr genaue Untersuchungsmethoden um zum einen den Fundort und auch den Ort der Verhüttung festzustellen. An jedem Fundort weicht die Isotopenzusammensetzung geringfügig von anderen Fund -oder Verarbeitungsorten ab.
fatherted98 07.12.2015
4. Bis auf...
...ein paar Kanonen ist bisher nix geborgen....also erst mal abwarten bevor man das große Geld zählt...das muss erst mal gefunden werden.
jupp78 07.12.2015
5.
Zitat von m.w.r.So schwierig ist das gar nicht. Es gibt sehr genaue Untersuchungsmethoden um zum einen den Fundort und auch den Ort der Verhüttung festzustellen. An jedem Fundort weicht die Isotopenzusammensetzung geringfügig von anderen Fund -oder Verarbeitungsorten ab.
Das ist ja richtig, belegt die Eigentumsverhältnisse aber noch lange nicht. Dazu würde eine sehr fragwürdige Rechtsnachfolge kommen, denn die damaligen Eigentümer dürften nicht mehr am Leben sein ;).
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