Schonende Walforschung Start frei für den Schnodder-Roboter

Wissenschaftliche Daten von Walen zu sammeln - ohne diese zu stören oder gar zu verletzen. Das ist der Plan von US-Umweltschützern. Im Netz haben sie Geld für eine Drohne gesammelt, die auch dahin gehen soll, wo es ungemütlich ist.

REUTERS

Mit der Hilfe von Gleichgesinnten ein gemeinsames Ziel erreichen - ohne sich finanziell zu ruinieren. So funktioniert Crowdfunding. Manchmal kommen da sinnvolle Dinge heraus, manchmal weniger. (Eine Übersicht besonders absurder Projekte finden Sie hier.) Die Umweltschützer von Ocean Alliance haben bei Kickstarter nun mehr als 230.000 Dollar für ein Projekt eingesammelt, das zumindest interessant klingt.

Mit einer Drohne wollen die Walschützer Daten zum Gesundheitszustand der Tiere sammeln, ohne diese zu stören. Die Idee: Der ferngesteuerte Flugroboter navigiert ein paar Meter über dem riesigen Meeressäuger - und fängt einen Teil der Atemluft auf, wenn das Tier ausatmet. Der sogenannte Blas wird mit hohem Druck ausgestoßen, die in der Atemluft enthaltene Feuchtigkeit kondensiert und ist als Nebel gut erkennbar. Und genau hier soll die Drohne namens Snotbot ("Schnodder-Roboter") ihre Proben sammeln.

Im Moment werden noch mehrere Prototypen für die Behälter zum Sammeln des Materials getestet. Eine Möglichkeit wäre es nach Aussagen der Snotbot-Erbauer, einen Schwamm einzusetzen.

Iain Kerr, der Chef von Ocean Alliance, gibt sich begeistert: Endlich könne man Viren, Bakterien, Hormone und Erbgutmaterial der Tiere sammeln - ohne dass es der Wal überhaupt mitbekommen würde. Vor der argentinischen Küste will seine Organisation, die eigentlich in Gloucester im US-Bundesstaat Massachusetts sitzt, das System nun erstmals ausprobieren.

Einstweilen üben Kerr und seine Leute noch, die Drohne zu fliegen. Dafür haben sie eine kleine schwimmende Vorrichtung gebaut, mit der sie auf Knopfdruck eine Wasserfontäne ausstoßen können. So können die Snotbot-Piloten lernen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Forscher vom Vancouver Aquarium haben da etwas mehr Erfahrung, sie haben Drohnen bereits für die Beobachtung von Schwertwalen genutzt.

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Spielende Killerwale: Knuff mich doch
Dass das Zusammentreffen zwischen Drohnen und Tieren durchaus eine Herausforderung für die Technik sein kann, beweist übrigens ein Vorfall im Zoo der niederländischen Stadt Arnheim. Er ereignete sich zwar bereits im April, wurde aber erst jetzt bekannt - wegen einer Veröffentlichung im Fachmagazin "Primates".

Demnach hatte eine Fernsehcrew in Arnheim gedreht und dabei auch eine Drohne eingesetzt. Ein Schimpansenweibchen habe der Sache allerdings mit einem Stock schnell ein Ende gesetzt. Sie habe die Drohne aus der Luft geprügelt - und sei bereits im zweiten Anlauf erfolgreich gewesen.

chs



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