Schwarzpulver: Der älteste Sprengstoff der Welt

Die im Kanzleramt entdeckte Paketbombe enthielt wahrscheinlich Schwarzpulver. Der schon seit Jahrhunderten bekannte Sprengstoff wird bis heute bei Feuerwerken eingesetzt. Die Detonationswirkung ist vergleichsweise klein - das Pulver aber trotzdem gefährlich.

Kanonenschlag: Schwarzpulver wird heutzutage meist in der Pyrotechnik genutzt Zur Großansicht
DPA

Kanonenschlag: Schwarzpulver wird heutzutage meist in der Pyrotechnik genutzt

Hamburg - Bombenalarm im Kanzleramt: Der Fund eines Sprengstoffpakets in Angela Merkels Regierungszentrale hat die Sicherheitsbehörden in der Hauptstadt aufgeschreckt. Experten des Bundeskriminalamts entschärften die Rohrbombe. Es handelte sich um einen als Buchpaket getarnten Brandsatz, der aus Griechenland stammte - und offenbar mit Schwarzpulver gefüllt war.

Das ist im Rahmen einer Bombe eher ungewöhnlich, denn heutzutage wird Schwarzpulver meist nur noch in der Pyrotechnik eingesetzt. Wissenschaftler sind sich nicht einig - aber entwickelt wurde der älteste Sprengstoff der Welt wahrscheinlich schon vor über tausend Jahren in China. Später wurde das explosive Pulver auch in Europa eingesetzt - bei Feuerwerken sowie in Kanonen und Gewehren. Bis zum 19. Jahrhundert war es der einzige bekannte und genutzte Sprengstoff überhaupt. Mit der Entdeckung von TNT und Nitroglycerin wurde das Schwarzpulver nach und nach verdrängt.

Schwarzpulver wird aus Salpeter (Kaliumnitrat), Holzkohle und Schwefel hergestellt. Statt Kaliumnitrat kommt gelegentlich auch Natriumnitrat zum Einsatz. Die drei Bestandteile werden im Masseverhältnis 75, 15 und 10 Prozent gemischt und gemahlen. Dies geht bei kleinen Mengen auch per Hand in einem Mörser.

Die Detonationswirkung von Schwarzpulver ist im Vergleich zu TNT gering, trotzdem kann man damit großen Schaden anrichten und Menschen verletzen oder töten - vor allem, wenn man größere Mengen einsetzt. Heutzutage wird Schwarzpulver nicht mehr militärisch oder als Sprengstoff genutzt, sondern fast ausschließlich in der Pyrotechnik. Die spektakulären Farben am Himmel entstehen, wenn dem Schwarzpulver Metalle beigemischt werden. Daneben nutzen Schützenvereine Schwarzpulver, um mit historischen Waffen, beispielsweise Vorderladern, zu schießen.

Fotostrecke

8  Bilder
Paketbombe: Aufregung im Kanzleramt
Die sich jedes Jahr wiederholenden Unfälle mit Silvesterraketen belegen, wie gefährlich Schwarzpulver ist. Immer wieder verletzen sich auch Menschen, die Schwarzpulver selbst herstellen.

Schon die alten Chinesen füllten mit dem Pulver wahrscheinlich Bambusrohre. In der Schlacht von Kai-Keng gegen die mongolischen Angreifer setzte die chinesische Armee einen Regen aus "fliegendem Feuer" ein. Vermutlich handelte es sich auch dabei um Schwarzpulver.

Wenn Schwarzpulver mit Wasser in Berührung kommt, verliert es seine explosive Wirkung, denn das Salpeter löst sich darin auf. Dies erklärt auch den Einsatz der Wasserkanone im Kanzleramt, um die Paketbombe zu entschärfen.

hda

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Technik
RSS
alles zum Thema Paketbomben aus Athen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Griechenlands Linksextreme
Klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren...
Die radikalen Gruppen
Die wichtigsten Autonomengruppen des Landes heißen "Revolutionärer Kampf", "Konspiration der Zellen des Feuers", "Volksaktion" und "Sekte der Revolutionäre". Vertreter haben sich zu mehreren Attentaten in den vergangenen Monaten bekannt und sich in ihren Bekennerschreiben als "Stadtguerilla" bezeichnet, die den Sturz des Systems erzwingen wolle.

Die Autonomen kritisieren die Sanierungspolitik der Regierung des überschuldeten Staates sowie die Sparforderungen der EU; auch gegen Kanzlerin Angela Merkel wurde gehetzt.

Die Polizei glaubte, "Revolutionärer Kampf" und "Konspiration der Zellen des Feuers" größtenteils zerschlagen zu haben - in den vergangenen sechs Monaten waren zehn ihrer mutmaßlichen Mitglieder festgenommen worden. Offenbar sind viele Mitglieder dieser Organisationen jedoch weiter aktiv.

Frühere Attentate
Seit Monaten verbreiten radikale griechische Autonome mit Mord und Bombenterror Angst und Schrecken. Als Auslöser der Gewalt gilt der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel im Dezember 2008 - seitdem kommt Athen nicht zur Ruhe. Allein 2009 zählten die Sicherheitskräfte 430 Vorfälle - bewaffnete Angriffe, Brandstiftungen, Bombenanschläge.

Am 17. Juni 2009 wurde ein Polizist ermordet. Die Täter gaben 20 Schüsse auf den Mann ab und flohen auf Motorrädern. Später bekannte sich die "Revolutionäre Sekte" zu dem Attentat.

Ende Oktober 2009 wurden bei einem Überfall auf eine Polizeiwache sechs Beamte angeschossen - es war ein Glück, dass alle den Angriff überlebten.

Am 27. Dezember 2009 richtete eine Bombe schwere Schäden am Gebäude einer Versicherung an.

Im Januar 2010 wurde ein Polizist angegriffen und lebensgefährlich verletzt - von schwer bewaffneten Extremisten.

Im März dieses Jahres kam ein 15-jähriger Afghane in Athen um, als ein Sprengsatz vorzeitig explodierte.

Im Juni detonierte eine Briefbombe in den Händen eines Sekretärs des griechischen Ministers für Öffentliche Ordnung - er kam dabei ums Leben.

Frühere Schießpulver-Paketsendungen
Gefährliche Päckchen mit Schießpulver waren in den vergangenen Tagen an zahlreiche Botschaften in Athen geschickt worden, auch aus Nicht-EU-Ländern. Eine an die deutsche Botschaft adressierte Paketbombe konnte kontrolliert gesprengt werden. Zwei Sprengsätze detonierten nach Polizeiangaben vor den Botschaften der Schweiz und Russlands. Verletzt wurde niemand; die Bomben hatten keine große Sprengkraft. Zwei weitere, an die bulgarische und die chilenische Vertretung adressierte Paketbomben wurden ebenfalls unschädlich gemacht.

Bereits am Montag waren in Athen mehrere Paketbomben gefunden worden. Eine an Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy adressierte Sendung wurde bei zwei festgenommenen Verdächtigen abgefangen, die der linksanarchistischen Szene in Griechenland zugerechnet werden.

Weitere Pakete waren an die Botschaften Mexikos, Belgiens und der Niederlande gerichtet. Bei der Explosion eines der Pakete in einer Filiale eines Kurierdienstes wurde eine Angestellte leicht an der Hand verletzt.

Ermittlerkreisen zufolge wurden alle neun Pakete am Montag abgeschickt. Demnach könnten die am Dienstag entdeckten Pakete von Komplizen der beiden am Vortag festgenommenen Männer abgeschickt worden sein. Einer der beiden Männer gilt als Mitglied der anarchistischen Gruppe "Verschwörung der Zellen des Feuers", die sich seit ihrem Auftauchen 2008 zu mehreren Sprengstoffanschlägen bekannt hat.