Automatische Taxis Fahren ohne Fahrer für den Klimaschutz

Selbst steuernde Limousinen könnten Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen, haben Forscher berechnet. Die Fahrautomaten sind kleiner und werden mit erneuerbarer Energie betrieben.

Passagier im selbst fahrendem Auto (Zeichnung): "Fürs Klima wäre es vorteilhaft"
Corbis

Passagier im selbst fahrendem Auto (Zeichnung): "Fürs Klima wäre es vorteilhaft"


Der Plausch mit dem Taxifahrer entfiele. Tausende Chauffeure müssten sich einen anderen Beruf suchen. Doch fürs Klima wäre es vorteilhaft, würden selbst fahrende Taxis fahrergesteuerte ersetzen, berichten Wissenschaftler.

Um 90 Prozent würde der Treibhausgasausstoß der Autos zurückgehen, schreiben Forscher vom Lawrence Berkeley National Laboratory in den USA im Fachmagazin "Nature Climate Change". An fahrerlosen Autos wird schon länger geforscht, unter anderem von Google. Der Konzern schickt seine Google Cars inzwischen auch in den normalen Straßenverkehr in Mountain View (Kalifornien).

Warum aber sollen derartige Vehikel so klimafreundlich sein? Die Hälfte der CO2-Einsparung würde erreicht, weil automatisierte Autos stets der Personenzahl angepasst wären. "Bei den meisten Fahrten in den USA sitzt nur eine Person im Auto", berichtet Studienautor Jeffery Greenblatt. Ein Einsitzer würde mithin ausreichen - doch bislang sind Autos meist überdimensioniert. Selbst fahrende Taxis indes könnten in geeigneter Größe eingesetzt werden.

Der zweite entscheidende Effekt, der den Gasausstoß mit automatisierter Beförderung verringern soll, ist die Umstellung der Stromerzeugung: 2030, so schreiben die Forscher, würde weitaus mehr Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen - selbst fahrende Elektroautos könnten also den Ausstoß von Treibhausgasen im Straßenverkehr entscheidend verringern.

Problem Schlagloch

Weitere Effekte gingen nicht in die Rechnung ein: Selbst fahrende Autos würden möglichst direkt hintereinander fahren, so dass die hinteren weniger Windwiderstand erführen, also weniger Strom verbrauchen würden. Automatische Fahrten würden zudem besser navigieren als Menschen und somit Energie sparen, schreiben die Forscher. Schließlich würden sie energieschonend bremsen und beschleunigen.

Allerdings, räumen die Studienautoren ein, blieben selbst fahrende Wagen teurer. Taxis in den USA jedoch führen pro Jahr mehr als 40.000 Kilometer - für sie lohnte sich die Investition, weil die Kosten für Elektroautos pro gefahrenem Kilometer geringer sind. Zudem würden Kosten für Fahrer eingespart, sofern sonst ein Taxi gerufen worden wäre.

Wären 2030 nur fünf Prozent aller Autos in den USA selbst fahrend, könnten allein in den USA pro Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, haben Greenblatt und sein Kollege Samveg Saxena berechnet. Insgesamt stoßen die USA derzeit jährlich mehr als das 2500-fache des Treibhausgases aus.

Bis allerdings wirklich in großem Stil selbst fahrende Autos eingesetzt werden könnten, müsste ihr Betrieb noch gesetzlich geregelt werden. Auch technische Verbesserungen wären nötig: Noch kommen sie kaum zurecht mit Schlaglöchern und Baustellen.

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Autonome Autos: Freihändig fahren

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condor99 07.07.2015
1.
WOW, was vernünftige Autofahrer schon immer wussten haben nun endlich Forscher bestätigt.
titus_pullo 07.07.2015
2. Wird alles noch länger als ein Weilchen dauern...
...denn die Fahrzeuge müssen nicht nur verkehrssicher sein, sondern auch vor Hacking geschützt sein. Es ist wie so oft, man löst ein Problem und handelt sich dafür hundert neue ein. Außerdem ist das der Gipfel der Fremdbestimmtheit, alles einem Automaten zu überlassen. Irgendwann landen wir noch in einer Welt wie im Disney-Film Wall-E und wir sind nur noch biologische Krüppel.
spiegelleser987 07.07.2015
3.
Das ist mal wieder eine geniale Statistik, die mich an die Max-Planck-Forscher erinnert. Die haben erforscht: "Rentner sind mit Abstand die größten Klima-Killer" http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13705430/Rentner-sind-mit-Abstand-die-groessten-Klima-Killer.html Bei dem Forschungsergebnis sollte der Staat die Rentner abschaffen. Nicht die Rente, nein biologisch. Oder wie meinen das unsere intelligenten Forscher?
_unwissender 07.07.2015
4. Das ist doch Quatsch!
Wenn die Software von Deutschen gemacht wird, dann wird kein bisschen Sprit gespart. Das Lastenheft würde nämlich als Hauptparameter dies auflisten: wann immer möglich Vollgas geben und jeden anderen überholen. Bei Geschwindigkeitsbegrenzungen nur bekannte Überwachungen beachten.
Mario V. 07.07.2015
5. Rettet die Taxifahrer!
Oh Mann. Eigentlich geht es doch um was ganz anderes: 1. der Personenzahl angepasste Fahrzeuggröße 2. Elektroantrieb Wo kommt da der Taxifahrer ins Spiel? OK macht ein Sitz mehr, bei einem einzelnen Passagier sind das immerhin 50%. Gemessen am Gesamtgewicht (Auto+Passagiere) aber nur noch 10%, wenn man mal von einem wirklich leichten Auto ausgeht. So leicht wie es sie heute kaum noch gibt. Auf der Minus-Seite müsste man dann aber 4 verschiedene Fahrzeuggrößen vorhalten, je nach dem, ob 1, 2, 3 oder 4 Leute mitfahren wollen. Aber mal abgesehen von derartiger Erbsenzählerei - wie viele Taxis gibt es im Vergleich zu allen anderen Fahrzeugen? Wie viele Autokilometer werden von Taxis zurückgelegt, im Vergleich zu allen anderen Fahrzeugen? Wenn die Einsparungen durch autonom fahrende Taxis dann auf 1% kommen, wäre das schon sehr viel. Der Sachgehalt dieser Studie scheint ähnlich hoch zu sein wie der Anteil der Taxis an den Emissionen des gesamten Verkehrs. Oder der Artikel gibt deren Inhalt einfach nur grottenschlecht wieder.
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