Selbstheilendes Material UV-Licht repariert Kratzer im Autolack

Zerkratze Oberflächen zu reparieren ist teuer, bei vielen Alltagsgegenständen lohnt es sich gar nicht. Jetzt berichten Forscher von einem Durchbruch bei der Entwicklung selbstheilender Materialien. Sie sehen viele Anwendungsmöglichkeiten - vom Autolack bis zur Sonnenbrille.

Matter Autolack: Neues Material könnte Kratzer unter UV-Licht selbst schließen
DPA

Matter Autolack: Neues Material könnte Kratzer unter UV-Licht selbst schließen


Kratzer in lackierten Stoßstangen sind lästig - und teuer in der Reparatur. In Zukunft könnten diese Schäden viel günstiger und schneller beseitigt werden. Notwendig dafür ist nur die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV). Dazu haben schweizerische und US-amerikanische Forscher eine Beschichtung aus Kunststoff und eingelagerten Metallteilchen entwickelt.

In Versuchen heizte sich dieses Material unter UV-Bestrahlung auf, wurde kurz flüssig und verschloss hässliche Kratzer spurlos. Erste Prototypen dieser selbstheilenden Schichten präsentieren die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature".

Selbstheilende Kunststoffe hätten eine wesentlich längere Lebensdauer als die heute genutzten Materialien, werben die Forscher. "Das Licht kann lokal auf die beschädigte Stelle gestrahlt werden und so beschichtete Teile im Prinzip ohne Ausbau reparieren", berichten Christoph Weder von der Universität Fribourg und seine Kollegen von der Case Western Reserve University in Cleveland.

Eine ausgekügelte Materialmischung ermöglicht die selbstheilenden Schichten. So verknüpften die Forscher spezielle, durchsichtige Kunststoffe mit Metallionen - Zink oder Lanthan. Daraus entstanden sogenannte metallosupramolekulare Polymere. Fällt intensives UV-Licht auf diese Polymere, wird es von den Metallanteilen verschluckt. Die Folge: Sie heizten sich binnen 30 Sekunden auf bis zu 220 Grad auf, so dass das Material in der direkten Umgebung zum Schmelzen. Dabei verschließen sich die Kratzer.

Bisher testeten Weder und Kollegen diese Selbstheilung erfolgreich bei bis zu drei Millimetern dicken Schichten. Doch auch größere Bauteile könnten im Spritzgussverfahren aus diesem Material gefertigt werden. "Erste Anwendungen können wir uns für selbstheilende Autolacke oder Beschichtungen von Sonnenbrillen oder Uhren vorstellen", sagt Marc Pauchard, Vizedirektor des Adolphe Merkle Instituts in Fribourg, wo an diesen Kunststoffen gearbeitet wird. Die Grundlagen für zahlreiche Anwendungen sind gelegt.

"Nun ist die Industrie gefordert, die Idee aufzugreifen und anwendungsreife Produkte zu entwickeln", sagt Pauchard. Wie schnell das tatsächlich passiert, bleibt abzuwarten - schließlich wird im Prinzip schon seit einer ganzen Weile an selbstheilenden Materialien getüftelt. Und trotzdem sind Produkte mit dieser Technologie sehr rar.

wbr/dapd

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
the_flying_horse, 21.04.2011
1. Wenn das so einfach wäre...
Super Idee, dann stellt man nach einem Parkrempler das Auto einfach ein paar Stunden in die Sonne... Wenn das so einfach wäre...
hippo-jk 21.04.2011
2. Titelmanie
Oh, oh! Da machen dann die ganzen Lackierbuden pleite, die sehr gut davon leben, daß die Autohersteller diesen Schwachsinn "in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger" erfunden haben und eine andere Option zu 99% nicht mehr anbieten. Als Verbraucher von lackierten Gegenständen freut einen die Aussicht natürlich, ich bin gespannt...
sikasuu 21.04.2011
3. Gib es dafür eine Technikfolgeabschätzung?
Zitat:...So verknüpften die Forscher spezielle, durchsichtige Kunststoffe mit Metallionen - Zink oder Lanthan. Daraus entstanden sogenannte metallosupramolekulare Polymere..... #### Bekommen wir das Zeug auch hinterher wieder weg? Oder bleibt das wie z.B. Asbest, viele "Nano" Anwendungen als Zeitbombe in der Umwelt zurück?
urys 21.04.2011
4. alles kratzfrei
Lakierte Stossstangen sind ein Witz. Es ist mir ein Rätsel wieso Gerichte bei Kratzern an der Stossstange einen Schaden annehmen. Als nächstes verlange ich kratzerfreie Ledersohlen für meine Schuhe ... Bei Brillen macht es ggf. mehr Sinn - allerdings würde da auch eine nur minimale Verformung der Oberfläche bei der "Selbstheilung" schon zu Problemen bei der Optik führen. Praktisch könnte das Verfahren auch für mutwillig oder versehentlich zerkratzte Glasscheiben sein. Aber bestimmt ist die "selbstheilende" Oberfläche gegen andere Einflüsse empfindlicher (z.B. ungleichmässiger Lichteinfall, der das Material im belichteten Bereich auf Dauer anders altern lässt als im unbelichteten Bereich).
mouve 21.04.2011
5. Schlechte Fehlerkorrekturen
[quote]Artikel: Die Folge: Sie heizten sich binnen 30 Sekunden auf bis zu 220 Grad auf, so dass das Material in der direkten Umgebung zum Schmelzen.[\quote] Ich finde ja "... bis zu 220 Grad auf und bringen das Material in der..." auch wesentlich eleganter als "... so dass das Material ... schmilzt" - aber ich würd die Änderungen schon noch vollständig einarbeiten.
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