Sicherheitsbehörde A380 muss zum Flügel-Check

Die Flügel einiger A380-Jets weisen bedenkliche Risse auf, jetzt zieht die Europäische Agentur für Flugsicherheit Konsequenzen: Rund ein Drittel der Riesenmaschinen soll überprüft werden. Betroffen sind zunächst Singapore Airlines, Emirates und Air France-KLM.

REUTERS

Paris - Die europäischen Sicherheitsbehörden haben die Überprüfung von rund einem Drittel der A380-Flotte von Airbus angeordnet. Grund sind aufgetretene Haarrisse an den Tragflächen des Riesen-Jumbos. Die Extra-Checks betreffen die Fluggesellschaften Singapore Airlines (Überprüfungen an zehn Maschinen), Emirates (sieben Maschinen) und Air France-KLM (eine Maschine). Hersteller Airbus muss außerdem zwei Testmaschinen überprüfen.

Die Checks sollen innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen sein. Eine Handvoll Flugzeuge, die besonders häufig eingesetzt würden, sollten innerhalb weniger Tage untersucht werden, hieß es aus Branchenkreisen.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) hat die sogenannte Airworthiness Directive auf ihrer Web-Seite veröffentlicht. Darin sind Inspektionszyklen und Reparaturmaßnahmen festgelegt.

Die Ursache der Risse ist noch unklar

Airbus hatte zwei Mal innerhalb kurzer Zeit Haarrisse an L-förmigen Metallteilen in den Flügeln des A380 vermelden müssen. Betroffen sind Elemente, die Rippen und Haut des Flügels zusammenhalten. An jeder Rippe gibt es 30 bis 40 von ihnen. Die Firma erklärte, die Sicherheit der Flieger sei nicht gefährdet. Es handle sich um "nicht kritische Teile". Welche Fluggesellschaften mit dem Problem zu tun haben, wollte Airbus nicht sagen.

Die Firma geht davon aus, dass die metallischen Verbindungsteile bei der Fertigung des Flügels zu großen Belastungen ausgesetzt gewesen sind. Materialermüdung oder unvorhergesehene Belastungen im Flug seien nicht Schuld an den Problemen. Das Fachblatt "Aviation Week" meldet, bei Testflügen habe der Flugzeugbauer keine Hinweise auf verstärkte Belastung der Flügel nachweisen können.

Die Schäden waren zunächst an Bauteilen eines Flugzeugs entdeckt worden, bei dem vor gut einem Jahr ein Triebwerk wegen eines technischen Defekts explodiert war. Deswegen lag ein Zusammenhang mit der Explosion nahe. Doch dann spürten die Experten die zuerst kaum sichtbaren Risse auch an den Rippen des anderen Flügels auf - und an denen weiterer Maschinen.

chs/Reuters



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Seite 1
Woolloomooloo 20.01.2012
1. die Meldung...
Zitat von sysopDie Flügel einiger A380-Jets weisen bedenkliche Risse auf, jetzt zieht die Europäische Agentur für Flugsicherheit Konsequenzen: Rund ein Drittel der Riesenmaschinen soll überprüft werden. Betroffen sind*zunächst Singapore Airlines, Emirates und Air France-KLM. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,810351,00.html
Übrigens musste gestern Abend ein A380 auf einem Flug von Frankreich nach Montreal wegen Rauch umkehren. Es bleicht dabei: es sind noch nicht mal 70 Exemplare in der Luft und das Betatesten sollte man den gläubigen Flugenthusiasten überlassen...
lizard_of_oz 20.01.2012
2. Will ja keine Panik verbreiten
Zitat von sysopDie Flügel einiger A380-Jets weisen bedenkliche Risse auf, jetzt zieht die Europäische Agentur für Flugsicherheit Konsequenzen: Rund ein Drittel der Riesenmaschinen soll überprüft werden. Betroffen sind*zunächst Singapore Airlines, Emirates und Air France-KLM. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,810351,00.html
Aber wenn Elemente betroffen sind, die Rippen und Haut des Flügels zusammenhalten, dann ist das nicht gerade eine unkritische Stelle wie die Spülung der Bordtoilette oder der Kühlschrank. Bei der in aller Eile entwickelten Heinkel He 162 war die Flügelhaut oder Beplankung nicht gut befestigt, so dass es vorgekommen ist, dass sich die gesamte Haut wie ein alter Teppich abgerollt hat und der Pilot im Tiefflug so noch ein bis drei Sekunden hatte, das blöde zu begucken. Haarriß=Kerbwirkung=böse böse. Nehme an, das hängt damit zusammen, dass die Flügel im Stand ziemlich stark durchhängen und bei Start mehrere Meter nach oben gesaugt werden. Das ist technisch gesehen wechselnde Belastung (der belastendste der drei Fälle) und die mag kaum ein Material auf Dauer. Das ist mir zu nüchtern, kann der Herr Augstein nicht mal wieder was schreiben?
echobravo 20.01.2012
3.
Zitat von lizard_of_ozAber wenn Elemente betroffen sind, die Rippen und Haut des Flügels zusammenhalten, dann ist das nicht gerade eine unkritische Stelle wie die Spülung der Bordtoilette oder der Kühlschrank. Bei der in aller Eile entwickelten Heinkel He 162 war die Flügelhaut oder Beplankung nicht gut befestigt, so dass es vorgekommen ist, dass sich die gesamte Haut wie ein alter Teppich abgerollt hat und der Pilot im Tiefflug so noch ein bis drei Sekunden hatte, das blöde zu begucken. Haarriß=Kerbwirkung=böse böse. Nehme an, das hängt damit zusammen, dass die Flügel im Stand ziemlich stark durchhängen und bei Start mehrere Meter nach oben gesaugt werden. Das ist technisch gesehen wechselnde Belastung (der belastendste der drei Fälle) und die mag kaum ein Material auf Dauer. Das ist mir zu nüchtern, kann der Herr Augstein nicht mal wieder was schreiben?
Technisch gesehen ist das richtig, aber man kann Flugzeuge nunmal nicht im Bereich der Dauerfestigkeit bauen, dann würden die Dinger nie abheben weil diese zu schwer sind. Risse werden also einkalkuliert, jedoch so, dass wenn ein Riß direkt nach der Inspektion entseht, solange unkritisch bleibt, bis zur nächsten und dort dann entdeckt wird. Wenn sich dort jetzt ergibt, dass die Damen und Herren sich bei eben dieser Berechnung vertan haben, muss dort halt unverzüglich nachgebessert werden.
soaring 20.01.2012
4. na so eine Überraschung auch
...wie konnte das nur passieren, wo doch bisher immer alles so super geplant war. Kleines Beispiel gefällig ? Die behördliche Zertifizierung für die Evakuierung des Doppelstöckers fand in einer windstillen Halle statt - wie überaus realistisch. Airbus baut ganz passable Flugzeuge (wenn auch mit einem weniger guten Bedienungskonzept als z.B. Boeing oder Embraer) aber der A380 ist für mich der Inbegriff für Arroganz und Größenwahn - eben die Titanic der Lüfte. Dann wird das Geschrei plötzlich riesengroß sein. Zitat von gestern hier aus den Kommentaren sinngemäß: "Nur weil alte Säcke die neuen Maschinen erproben, ist bisher noch nichts ganz Schlimmes passiert." Aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, leider.
cschanet 20.01.2012
5. nichtkritische Teile...
Zitat von sysopDie Flügel einiger A380-Jets weisen bedenkliche Risse auf, jetzt zieht die Europäische Agentur für Flugsicherheit Konsequenzen: Rund ein Drittel der Riesenmaschinen soll überprüft werden. Betroffen sind*zunächst Singapore Airlines, Emirates und Air France-KLM. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,810351,00.html
Ich kann mir schlecht vorstellen dass es in einem Flugzeug wo beim Design jedes Gramm Gewicht eingespart und wegrationalisiert wurde "Nichtkritische Teile" noch in der Endfassung der Flügelstruktur bestehen bleiben. Als esthetische Verzierungen sind sie wohl nicht vorhanden...
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