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Sicherheitsdebatte: Behörde sorgt sich um US-Atommeiler

Von Cinthia Briseño

Sind Amerikas Atomanlagen sicher? Stromlobby und US-Aufsichtsbehörde beteuern immer wieder, die Kraftwerke seien vor Gefahren geschützt, auch ein Unglück wie in Japan sei zu meistern. Interne E-Mails enthüllen nun: Die Beamten zweifeln selbst an dieser Darstellung.

Nach Japan: Obamas Atomfalle Fotos
REUTERS

Hamburg - Das Reaktorunglück in Japan hat einiges bewegt, was Atomlobbyisten gar nicht recht sein kann. So verordnete die EU-Kommission sämtlichen europäischen AKW einen Stresstest. In Deutschland sind Teams aus Kerntechnikern, Physikern, Ingenieuren und Ökologen ausgeschwärmt, um für jedes Kernkraftwerk einen Fragekatalog abzuarbeiten, der eines beantworten soll: Wie sicher sind unsere AKW wirklich?

Und nun noch das: In den USA sind interne Dokumente der amerikanischen Atomaufsichtsbehörde NRC (Nuclear Regulatory Commission) bekannt geworden. Sie legen offen, dass innerhalb der Behörde kein Konsens herrscht: Mitarbeiter äußern klipp und klar Zweifel, ob Amerikas Kernkraftwerke wirklich ausreichend vor drohenden Gefahren geschützt sind.

Dabei war es NRC-Chef Greg Jaczko selbst, der erst vor einer Woche im Energieausschusss des Repräsentantenhauses lauthals verkündete: "Amerikas Atomanlagen sind sicher." Einen US-Ausstieg aus der Kernkraft schloss Jaczko kategorisch aus.

Doch nun hat die angesehene US-Organisation Union of Concerned Scientists (UCS), die sich mit Atomsicherheit befasst, Papiere veröffentlicht, die das Vertrauen der Bevölkerung in die NRC schwer erschüttern dürften: Aus ihnen wird ersichtlich, dass einige NRC-Kerntechniker Zweifel hegen, und zwar genau an der Stelle, die Amerikas wunden Punkt symbolisiert: Die Ingenieure glauben nicht, dass die sogenannten "B.5.b-Maßnahmen" wirksam genug sind - das sind Sicherheitsmaßnahmen, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angepasst wurden.

"Selbst führende NRC-Experten sind sich nicht mehr so sicher"

"Während die NRC und die Atomindustrie der Bevölkerung versichert haben, dass es keinen Anlass zur Sorge gebe und dass wir im Falle eines nuklearen Desasters wie in Fukushima viel besser gewappnet wären, stellt sich heraus, dass sich führende NRC-Experten selbst nicht mehr so sicher sind", sagte der Atomkritiker und Kerntechnikexperte Edwin Lyman laut einer Pressemitteilung der UCS.

Die UCS hatte sich auf die Auskunftspflicht nach dem Freedom of Information Act berufen und die Dokumente bereits einen Monat vor dem Desaster am AKW Fukushima I verlangt. Bei den Papieren handelt es sich hauptsächlich um E-Mails und Memos, die Teil eines internen NRC-Gutachtens sind. Dieses untersucht ein Szenario an zwei amerikanischen AKW in den Bundesstaaten Pennsylvania und Virginia: Was passiert bei einem vollständigen längerandauernden Stromausfall - wie es auch in Fukushima der Fall war?

In einer der E-Mails schreibt ein NRC-Techniker etwa: Die Notfallpläne für das AKW Peach Bottom in Delta, das vom Energiekonzern Exelon betrieben wird, seien nicht ausreichend geprüft worden. Man wisse daher nicht, ob die Maßnahmen im Notfall schwerwiegende Folgen verhindern könnten.

Dabei hatten NRC-Chef Jaczko und William Levis, der Geschäftsführer eines AKW-Betreibers, noch am 30. März versichert, dass die "B.5.b-Maßnahmen" US-Reaktoren selbst vor solchen Katastrophen bewahren würden wie in Fukushima.

Prompt reagiert die US-Atomlobby auf die neuesten Enthüllungen und äußert Kritik: "Die UCS hat in geeigneter Weise die Pointe der NRC-Studie übersehen", sagte Steve Kerekes, Sprecher des Lobbyverbands der Atomindustrie. Er erklärte, das NRC-Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass das Risiko der AKW, nach einem derartigen Unfall Radioaktivität in die Umwelt freizulassen, geringer sei, als man vorher angenommen habe.

Auch in Japan hatten Atomlobby und Regierung der Bevölkerung immer wieder versichert, dass die Kernkraftwerke des Landes sicher seien - selbst im Falle eines Erdbebens. Und das, obwohl einige Experten zu einem anderen Schluss gekommen waren.

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Forum - Wäre der Wohlstand ohne Atomkraft gefährdet?
insgesamt 1422 Beiträge
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1. Was meint dieser mit "europäisch" ?
gunman, 02.04.2011
Zitat von sysopDie Debatte um die Abkehr von der Atomenergie dauert an. Besonders die Folgen für die Wirtschaft werden kontrovers diskutiert. Wie abhängig ist der Wohlstand in Deutschland von der Kernenergie? Wäre er durch den Ausstieg ernstlich gefährdet?
"Den Stresstest werden nicht alle europäischen AKW überstehen - davon ist Energiekommissar Oettinger überzeugt." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754633,00.html Das möchte ich sehen, wie Oettinger z.B. auch nur ein einziges franz. Kernkraftwerk "abschaltet". Ein viertklassiger EU-Politiker in grenzenloser Selbstüberschätzung. Oder meint der Typ mit "europäisch" die deutschen Kernkraftwerke? Dass jetzt die deutsche Atomindustrie an die Wand gefahren, ist wohl ausgemacht. Dazu braucht hier niemand die EU/Oettinger.
2.
rolli 02.04.2011
Zitat von sysopDie Debatte um die Abkehr von der Atomenergie dauert an. Besonders die Folgen für die Wirtschaft werden kontrovers diskutiert. Wie abhängig ist der Wohlstand in Deutschland von der Kernenergie? Wäre er durch den Ausstieg ernstlich gefährdet?
Nein, denn dann könnten alle Subventionen und Haftungsrückstellugnen dafür gestrichen werden und sinnvoll an anderer Stelle eingesetzt oder eingespart werden. Kernenergie ist die volkswirtschaftlich teuerste und dazu lebensgefährlichste Energiequelle. rolli
3. die Ruinen abschalten
christiane006, 02.04.2011
Zitat von sysopDie Debatte um die Abkehr von der Atomenergie dauert an. Besonders die Folgen für die Wirtschaft werden kontrovers diskutiert. Wie abhängig ist der Wohlstand in Deutschland von der Kernenergie? Wäre er durch den Ausstieg ernstlich gefährdet?
f ich kann diese Vokabel Stresstest einfach nicht mehr hören. Man sollte diese Wortschöpfung zum Unwort des Jahres küren. Auch heute weiss man bereits, dass es Kraftwerke gibt, die einen Flugzeugabsturz nicht verkraften würden. Das hat mit Stress nichts zutun, dass ist die vorprogrammierte Katastrophe. Deutschland ist dicht besiedelt, wir können dann ja nach Sibirien auswandern! Das kommt davon, wenn eine Riege von Soziopathen mit Macht ausgestattet wird, die sich nur noch über´s Geld definiert.
4. Unsere Politiker gefährden den Wohlstand ...
CyberDyne 02.04.2011
Zitat von sysopDie Debatte um die Abkehr von der Atomenergie dauert an. Besonders die Folgen für die Wirtschaft werden kontrovers diskutiert. Wie abhängig ist der Wohlstand in Deutschland von der Kernenergie? Wäre er durch den Ausstieg ernstlich gefährdet?
... und nicht die abgeschalteten AKWs.
5. ...
Huuhbär, 02.04.2011
Zitat von sysopDie Debatte um die Abkehr von der Atomenergie dauert an. Besonders die Folgen für die Wirtschaft werden kontrovers diskutiert. Wie abhängig ist der Wohlstand in Deutschland von der Kernenergie? Wäre er durch den Ausstieg ernstlich gefährdet?
Ich finde es unsäglich, unerträglich und teilweise wirklich unanständig in welcher Art und Weise in Anbetracht der unfassbaren Tragödie in Japan eine auf wirtschaftliche Aspekte reduzierte Betrachtungsweise wirklich deplatziert und zynisch. Ich für meine Person stelle schlicht fest, dass es innerhalb weniger Jahrzehnte drei schwere Atomunfälle gab mit den bekannten Folgen. Und ich kann mich auch noch sehr gut an die Kampagnen der Atomindustrie in den 70er und 80er Jahren erinnern, als mit Sprüchen wie „Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose“ versucht wurde, die Antiatombewegung lächerlich zu machen. Atomwissenschaftler und Atomlobby wollen den Menschen bis zum heutigen Tags weismachen, dass nur ein minimalstes Restrisiko bestehe, mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 1 in 1000 Jahren. Aber die Wirklichkeit hat uns alle mal wieder eingeholt. Man muss wohl in Zukunft eher mit einem Super-Gau pro Jahrzehnt rechnen, je mehr AKW’s weltweit betrieben und errichtet werden. Da darf ich doch sicher als Traumtänzer dann eine sachliche und einfache Frage an Sie richten, was wichtiger ist, satte Profite für die Atomindustrie oder die Lebensgrundlage? Warum soll ich mich jetzt als einfacher Bürger mit deren Wohlstandslügen beschäftigen und denen noch Unterstützung geben? Die Frage müßte lauten: Was ist Wohlstand. Für mich ist Wohlstand ohne Krieg oder irgendwelchen anderen von Menschen gemachten Bedrohungen leben zu dürfen. Ein Dach über den Kopf zu haben, essen und trinken, Bildung und meinen Mitmenschen vertrauen.
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