Reaktion auf Luftverschmutzung Paris verhängt Fahrverbot wegen Smog

Zum ersten Mal seit 1997 gibt es wegen starker Luftverschmutzung im Großraum Paris Fahrverbote. Betroffen sind seit 5.30 Uhr alle Fahrzeuge, deren Kennzeichen mit einer geraden Zahl endet. Wer sich nicht dran hält, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Smogalarm in Paris: Frankreichs Hauptstadt versinkt im Nebel
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Smogalarm in Paris: Frankreichs Hauptstadt versinkt im Nebel


In China oder Indien werden bereits regelmäßig Fahrverbote wegen Smog-Alarm verhängt. Nun muss auch Paris mit drastischen Maßnahmen reagieren: Wegen der akuten Luftverschmutzung in Frankreichs Hauptstadt ist am Montag erstmals seit fast zwei Jahrzehnten ein partielles Fahrverbot in Kraft getreten.

Ab 5.30 Uhr am Morgen durften nur noch Autos und Motorräder, deren Nummernschild mit einer ungeraden Ziffer endet, im Großraum Paris fahren. Überwacht wurde das von rund 700 Polizisten an 60 Kontrollpunkten in der ganzen Stadt. Wer gegen die Regel verstößt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von mindestens 22 Euro rechnen.

Dicke Luft in Paris: Fahrverbot soll Abhilfe schaffen
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Dicke Luft in Paris: Fahrverbot soll Abhilfe schaffen

Das abwechselnde Fahrverbot für Autos und Motorräder mit geraden und ungeraden Nummernschildern wurde beschlossen, nachdem die zulässigen Höchstwerte für Feinstaub-Partikel zuletzt fünf Tage in Folge überschritten worden waren. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen und andere Maßnahmen sind vorgesehen.

Die Luftverschmutzung geht unter anderem auf den Autoverkehr zurück, wird aber derzeit durch ein Hochdruckgebiet über Frankreich verstärkt. Dieses sorgt dafür, dass sich die Partikel konzentrieren. Am Freitag hatte die Konzentration der teils als krebserregend eingestuften Feinstaub-Partikel einen Wert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht - zulässig sind höchstens 50 Mikrogramm. Zwar ging die Belastung tags darauf wieder leicht zurück, doch ab Sonntagabend wird mit einem erneuten Anstieg gerechnet. Die Regierung verhängte daher erstmals seit 1997 und zum zweiten Mal in der Landesgeschichte ein derartiges Fahrverbot. Frankreichs größter Autofahrerbund kritisierte diese Entscheidung als "unfair und dumm".

Für die Feinstaub-Belastung werden besonders Diesel-Fahrzeuge und die Schwerindustrie verantwortlich gemacht. In der Hauptstadtregion hatten die zuständigen Behörden am Wochenende bereits erlaubt, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos zu nutzen. Auch städtische Fahrräder und Elektroautos konnten gratis ausgeliehen werden.

Nicht nur Paris ist von der Luftverschmutzung betroffen. Auch in Städten wie Lyon, Bordeaux, Caen, Rouen, Grenoble, Le Mans, Tours und Reims sind die Werte drastisch erhöht. Stellenweise wurden zudem Kaminfeuer-Verbote verhängt. Schulen sollten die Aktivitäten von Kindern im Freien begrenzen.

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Studie zur Umweltverschmutzung: Aussichtslose Lage

nik/dpa/afp



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insgesamt 34 Beiträge
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spontiki 17.03.2014
1. Fehlende Information
Es wäre interessant zu erfahren, ob vom Fahrverbot nur französische oder auch ausländische Fahrzeuge betroffen sind. Insbesondere interessiert die Information, ob die Umfahrungsautobah, die je nach Sichtweise auch zum Grossraum Paris zählt, für alle benutzt werden darf. Trifft dies nicht zu, müssen von den betroffenen Fahrern grössere Umwege eingerechnet werden, die ihrerseits wieder zusätzliche Umweltbelastungen für die Banlieu bedeuten.
hardyhardy 17.03.2014
2. Mehr Autos produzieren...
damit die halbe Welt verpestet wird. Flugzeuge und Schiffe tragen ein übriges dazu bei. Es ist nicht zu begreifen, wie sich die Menschheit immer mehr selbst vergiftet, indem sie im Namen des Kapitalismus Dinge produziert, die mehr schädlich als nützlich sind.
the_rover 17.03.2014
3. Aktionismus ...
" ... doch ab Sonntagabend wird mit einem erneuten Anstieg gerechnet." Wenn Kraftfahrzeuge die Ursache für den Feinstaub sind, dann müsste der meiste Fahrzeugverkehr in Paris am Sonntagabend stattfinden. Ich wohne nicht in Paris, aber ich gehe davon aus, dass - wie in anderen Metropolen - am Sonntag-Abend wenig Kraftfahrzuege unterwegs sind, und so gut wie kein Schwerverkehr. Wie in Deutschland hat der Feinstaub offenbar andere Ursachen, als den Fahrzeugverkehr. Wozu jetzt ein Fahrverbot?
bembel71 17.03.2014
4. "Drastische Maßnahme"?
Zitat von sysopAFPZum ersten Mal seit 1997 gibt es wegen starker Luftverschmutzung im Großraum Paris Fahrverbote. Betroffen sind seit 5.30 Uhr alle Fahrzeuge, deren Kennzeichen mit einer geraden Zahl endet. Wer sich nicht dran hält, muss mit einer Geldstrafe rechnen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/smog-paris-verhaengt-erstes-fahrverbot-seit-1997-a-959001.html
Was soll an dieser Maßnahme "drastisch" sein? Immerhin darf die Hälfte der Autos immer noch frei in der Stadt herum fahren und weiter die Luft verpesten. Sinnvoller wäre es natürlich gewesen, die Stadt komplett für Autos zu sperren. Aber auch in Frankreich hat die Gesundheit der Bevölkerung anscheinend keine hohe Priorität. Wichtiger ist, dass die Geschäftemacher in der Innenstadt für ihre Kunden uneingeschränkt "erreichbar" sind - auch wenn die wenigsten Kunden mit dem Auto kommen -, und dass die Autoindustrie ihre Dreckschleudern verkaufen kann. Dafür werden verpestete Luft und massenhaft schwere Krankheiten in der Bevölkerung gerne in Kauf genommen.
trader_07 17.03.2014
5. Gesundheit
Zitat von bembel71Was soll an dieser Maßnahme "drastisch" sein? Immerhin darf die Hälfte der Autos immer noch frei in der Stadt herum fahren und weiter die Luft verpesten. Sinnvoller wäre es natürlich gewesen, die Stadt komplett für Autos zu sperren. Aber auch in Frankreich hat die Gesundheit der Bevölkerung anscheinend keine hohe Priorität. Wichtiger ist, dass die Geschäftemacher in der Innenstadt für ihre Kunden uneingeschränkt "erreichbar" sind - auch wenn die wenigsten Kunden mit dem Auto kommen -, und dass die Autoindustrie ihre Dreckschleudern verkaufen kann. Dafür werden verpestete Luft und massenhaft schwere Krankheiten in der Bevölkerung gerne in Kauf genommen.
Für die eigene Gesundheit darf ruhig jeder eigenverantwortlich sein. Über die Langzeitfolgen von Feinstaub, Lärm und Hektik kann sich jeder informieren - wer also meint, in der Innenstadt wohnen zu müssen, weiss wie sich das ggf. auf die Gesundheit auswirkt.
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