"Solar Impulse 2" Solarflugzeug startet Erdumrundung

Die Piloten wollen beweisen, dass sich die Welt mit einem Flugzeug ohne Treibstoff umrunden lässt: Mit zweitägiger Verspätung ist das Solarflugzeug "Solar Impulse 2" zu seiner Reise um den Erdball gestartet.


Abu Dhabi - Es hat die Spannweite eines Airbus A380, wiegt aber 150-mal weniger als der Superjumbo: Die mit Spannung erwartete erste Erdumrundung eines Solarflugzeugs hat begonnen. Mit dem Schweizer Piloten André Borschberg im Cockpit hob die "Solar Impulse 2" am frühen Montagmorgen vom Militärflugplatz im Golfemirat Abu Dhabi ab.

Ursprünglich sollte die von vier solarbetriebenen Elektromotoren angetriebene Maschine bereits am Samstag in Abu Dhabi starten. Weil es aber sehr windig war, wurde der Start auf Montagmorgen (7.30 Uhr Ortszeit, 4.30 Uhr MEZ) verschoben.

Von Abu Dhabi aus führt die geplante Route über das Arabische Meer nach Indien, Burma und China, bevor das Flugzeug über den Pazifischen Ozean fliegt und die USA überquert. Anschließend soll die "Solar Impulse 2" über den Atlantik nach Südeuropa fliegen, um dann über Nordafrika zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen. Die Route kann man live bei Flightradar24 verfolgen.

Für die 35.000 Kilometer sind insgesamt 25 Flugtage innerhalb von fünf Monaten geplant. Ziel der ersten von insgesamt zwölf Flugetappen ist Maskat. In der Hauptstadt des Sultanats Oman erwartet man die Landung am Montagnachmittag.

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Flugzeug "Solar Impulse": Quer durch Amerika
Bei dem Rekordversuch wechseln sich der 62 Jahre alte Borschberg und der Initiator des Projekts, der 57 Jahre alte Schweizer Luftfahrtpionier Bertrand Piccard, im Einpersonen-Cockpit des Karbonfaser-Flugzeugs ab. Mit dem Prototyp des Solarfliegers haben die beiden bereits viele tausend Kilometer Flugerfahrung gesammelt. Im Jahr 2010 absolvierten sie einen ersten 26-stündigen Flug ohne Zwischenstopp.

Die härtesten Etappen werden die Überquerungen des Pazifiks und des Atlantiks sein. Wegen der nur geringen Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern bei einer maximalen Flughöhe von 8500 Metern dauert die Überquerung der Ozeane jeweils mehrere Tage und Nächte, die der jeweilige Pilot allein unterwegs wird sein.

Hinter dem Abenteuer steckt eine Mission: Die Weltöffentlichkeit soll für den verstärkten Einsatz erneuerbarer und umweltschonender Energien mobilisiert werden. Die beiden Schweizer wollen ihre Erfahrungen mit der Technologie des Sonnenfliegers im Dezember bei der Weltklimakonferenz in Paris vorstellen.

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"Solar Impulse 2": Einmal um die Welt ohne Treibstoff
Die Technik

Die Flügelspannweite des Sonnenfliegers ist mit 72 Metern größer als bei einem Jumbojet. Dennoch wiegt er dank Leichtbauweise mit 2,3 Tonnen gerade so viel wie ein Mittelklasse-Auto. Angetrieben wird das Experimentalflugzeug von vier Elektromotoren aus Karbonfasern mit einer maximalen Leistung von je 15 Kilowatt.

Die Energie wird mit Hilfe von 17.248 äußerst dünnen Solarzellen auf den Riesenflügeln gewonnen und in Lithium-Batterien gespeichert. Mit der gespeicherten Energie soll das Flugzeug bis zu fünf Tage und Nächte in der Luft bleiben.

Das Cockpit des Ein-Personen-Fliegers ist gerade mal 3,8 Quadratmeter groß, verfügt aber über eine Toilette, einen einfachen Autopiloten und einen Business-Class-Sitz, der in ein Bett verwandelt werden kann. Zudem messen Apparate ständig den Neigungswinkel der Maschine sowie das Aufmerksamkeitsniveau des Piloten und geben notfalls Alarm.

vet/jme/dpa

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insgesamt 65 Beiträge
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hansfrans79 09.03.2015
1. Viel Erfolg
Wünsche ich den beiden Pionieren! Dazu noch viele positive Erkenntnisse für eine solare Zukunft des Fliegens. Im Bereich des carbon recycling tut sich ja auch schon einiges.
thermo_pyle 09.03.2015
2. Interessant, aber irgendwie
...ein weiterer Beitrag von "In 80 Tagen um die Welt"... Wenn das Ganze NonStop gehen würde, das wäre schon etwas besonderes. Zwei Piloten, Druckkabine, einfache, dennoch stabile Konstuktion, ausnutzen der "Jet Streams", bloß: Wie im dunkeln oben bleiben? ;-) DAS wäre doch eine Herausforderung...
simon.meister6 09.03.2015
3. Potemkin
Hübsches Projekt. Wird aber nichts daran ändern, dass nie ein Solarjumbojet um die Welt fliegen wird. Auch dass die Solarenergie nicht nachhaltig ist, wenn man alle Faktoren von der Produktion und Fertigung inklusive Bereitstellung der Energie, über den Transport nach Europa, Anlagenbau, Ausfälle, Entsorgung usw. rechnet, interessiert in D keinen. Hauptsache wir können wie bisher konsumieren und leben. Die Energiewende gibt uns ja ein gutes Gewissen. Wir sind grün. Auch das sonst böse CO2, dessen Ausstoss in D wieder massiv zunimmt, scheint im Zusammenhang mit Solarenergie plötzlich nicht mehr so böse zu sein.
laxness 09.03.2015
4. was für eine....
...verschwendung von natürlicen und intellektuellen Ressourcen
chrgeopolo 09.03.2015
5. Wo ist der Rekord?
in 25 tagen um die Welt ist doch kein Rekord!!! An einem Stück wäre ein Rekord! In 25 tagen kann man ja fast mit dem Auto fahren!?!
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