Nach Notlandung von Southwest-Airlines-Flug Behörden ordnen Sofortüberprüfung von 700 Triebwerken an

Nach der Notlandung einer Southwest-Airlines-Maschine wegen eines Triebwerkschadens reagieren europäische und US-Behörden: Hunderte Flieger müssen nun zum Check. Eine Maßnahme, die so schon früher hätte greifen müssen.

Untersuchung an defektem Triebwerk von Southwest-Airlines-Flug 1380
AP

Untersuchung an defektem Triebwerk von Southwest-Airlines-Flug 1380


Die amerikanischen und europäischen Flugsicherheitsbehörden FAA und EASA haben sich auf ein einheitliches Vorgehen bei der Überprüfung von vermutlich fehlerhaften Jet-Triebwerken verständigt. Innerhalb von 20 Tagen müssen rund 700 Triebwerke des Typs CFM56-7B mit Ultraschalluntersuchungen auf Materialermüdung überprüft werden. Am Dienstag hatte ein defektes Triebwerk zu einem Flugunfall bei Southwest Airlines geführt, bei dem eine Passagierin getötet worden war.

Dabei hätte ein früheres einheitliches Vorgehen der Regulierungsbehörden das Unglück von Southwest-Airlines und den Tod der Passagierin möglicherweise verhindern können. Bereits 2016 nämlich gab es eine ähnliche Panne, ebenfalls auf einem Flug der Airline. Auch damals scherte eine Triebwerksschaufel ab, durchschlug die Abdeckung und beschädigte die Tragfläche. Gleicher Triebwerkstyp, gleicher Fehler wie bei Flug 1380 am Dienstag.

Nach dem Unglück 2016 ordnete die europäische Flugüberwachungsbehörde EASA ein Wartungsintervall von 9 Monaten für die Ultraschalluntersuchung der Triebwerke an. Ihr amerikanisches Pendant hingegen, die FAA, konnte sich zu keiner Fristveränderung durchringen.

Rund 14.000 Triebwerke dieses Typs weltweit in Betrieb

Im Gegenteil: Southwest und andere Airlines hatten bei der FAA in der Vergangenheit um eine Fristverlängerung auf 18 Monate für die Wartungsintervalle gebeten. Eine Bitte, der die Behörde im August 2017 mit einem angepassten Regulierungsentwurf anscheinend entgegen kommen wollte.

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Flug Southwest 1380: Gefährlicher Zwischenfall

Die Fristveränderung war zwar bis dato nicht in Kraft getreten und markiert doch einen grundsätzlich anderen Umgang der Behörden mit dem Unfall von 2016. Denn auch bei der EASA hatte es Anträge auf eine Intervallverlängerung auf 18 Monate gegeben - die Europäische Behörde hatte dies allerdings abgelehnt.

Die jetzt gemeinsam verabschiedeten Sofortüberprüfungen betreffen weltweit rund 700 Triebwerke, rund die Hälfte davon bei amerikanischen Maschinen. Sie gelten für alle Triebwerke, die mehr als 30.000 Zyklen (also Starts und Landungen) absolviert haben oder länger als 20 Jahre in Betrieb sind. Weitere 2500 Triebwerke müssen bis Ende August 2018 überprüft werden.

Weltweit sind rund 14.000 Triebwerke des Typs CFM56-7B in Betrieb. Das Aggregat ist eine amerikanisch-französische Co-Produktion der Unternehmen GE und Safran Aircraft Engines. Es gilt als Arbeitstier der Luftfahrt. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat angeordnet, dass die Triebwerke nach der ersten Inspektion künftig in einem Intervall von 3000 Zyklen, also etwa alle zwei Jahre, auf Materialermüdung überprüft werden müssen.

Deutschlands größte Airline, die Lufthansa, sieht keinen Anlass für die Überprüfung ihrer Maschinen. "Die 737 haben wir nicht mehr in der Flotte", sagte eine Sprecherin der Fluglinie auf Anfrage am Samstag. Auf Kurz- und Mittelstrecken - also Flügen in Deutschland und Europa - setze die Lufthansa nur Maschinen der Airbus 320-Familie ein. Für Langstrecken verwende man Airbus- und Boeing-Maschinen, zum Beispiel den Airbus A 380 und die Boeing 747.

Funksprüche vor Notlandung: "Entschuldigung, es gibt ein Loch?"

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mhe/reuters

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jetbundle 21.04.2018
1. Sicherheit oberste Priorität?
Also wird doch zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit verhandelt. Sollte das Triebwerk eines der ungetesten Triebwerke sein, dann wird hoffentlich die Zivilklage der Angehörigen deutich teurer werden als die Einsparungen durch die längeren Wartungsintervalle.
adama. 21.04.2018
2. unglaubliche Zerstörung
Man sieht, dass die meisten Schaufeln der Turbine noch intakt sind. Die Turbine selbst sieht fast unbeschädigt aus. Kaum zu glauben, dass dieser Schaden von einer Turbinenschaufel verursacht wurde. Dieser Schaden ist im Grunde nur zu erklären, wenn die Schaufel nicht vollständig abgebrochen ist sondern nach vorne abgeknickt ist und beim weiterdrehen der Turbine die Schutzhülle der Turbine, quasi abgefräst hat. Die Trümmerteile sind dann wohl in das Triebwerk selbst (der Spinner sieht ziemlich mitgenommen aus) und nach außen abgesprengt worden. Einige Teile, sowie Teile der abgebrochenen Schaufel, können dann in den Flugzeugrumpf eingeschlagen sein. Ein Schadensverlauf der unglaublich scheint. Die Schutzhülle um das Triebwerk hat eigentlich gut funktioniert. Doch das Trümmerteile das Triebwerk nach vorne verlassen, ist schon sehr überraschend. Die noch unzerstörten Schaufeln zeigen auch, dass das Triebwerk ansonsten sehr stabil ist. Vor 30 Jahren wäre die vordere Turbine bei solch einem Unfall wohl noch komplett zerstört worden.
mjj 21.04.2018
3. Hexenjagd
Jetzt beginnt sie wieder, die Hexenjagd auf die vermeintlichen Bösen. Bevor wir damit anfangen, wieviel sind wir als einzelner Mensch bereit für Sicherheit zu bezahlen? Das Gro der Bevölkerung will billig, billig, billig. Wer für ein Ticket nur 10€ zahlen will, sollte sich fragen, wie das sein kann, was wird davon eigentlich bezahlt. Wartung kostet viel Geld. Geld was eine Airline einfliegen muss. Ach ja, da sind ja noch Crews, oh äh die Abfertigung, ATC Gebühren, Manager, Aktionäre etc. Und jetzt einfach ma denken und rechnen und sich mit obiger Frage auseinandersetzen.
Beat Adler 21.04.2018
4. Sicherheit IST Wirtschaftlichkeit.
Zitat von jetbundleAlso wird doch zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit verhandelt. Sollte das Triebwerk eines der ungetesten Triebwerke sein, dann wird hoffentlich die Zivilklage der Angehörigen deutich teurer werden als die Einsparungen durch die längeren Wartungsintervalle.
Sicherhiet IST Wirtschaftlichkeit. Es gibt kein Entweder-Oder. Wenn eine Firma Sicherheitsmaengel duldet, geht sie unter. Aus genau diesem Grund starb in den USA seit 2009 genau eine Person durch ein Verkehrs-Flugzeugunglueck. Jedes Opfer ist eines zu viel, ohne Frage, aber, sollten gleichartige Sicherheitsstaendards auf andere Transportmittel uebertragen werden, stehen alle Autos, Busse und Zuege still. mfG Beat
xvxxx 21.04.2018
5. Was mich so irritiert...
Ist, dass Triebwerksteile das Triebwerk verlassen. Ich dachte immer, dass die Regularien so sind, dass auch bei einem Schaufelbruch keine Teile durch die Luft fliegen können sondern im Triebwerk verbleiben. Bei aller Tragik ist es ja wohl nur dem Zufall zu verdanken, dass keine Hydraulikleitungen o.ä. zerstört wurde.
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