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Spektakuläre Atom-Pläne: Franzosen wollen Kernkraftwerk im Meer bauen

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"Flexblue": Atomreaktor am Meeresgrund Fotos
DCNS

Grüne Energie aus Deutschland soll Exportschlager werden, doch im Ausland tüfteln Techniker an ganz anderen Konzepten: Atomreaktoren am Meeresboden, schwimmende Kernkraftwerke - und Mini-Meiler für den Vorgarten.

Berlin - Die Atomkraft ist ein Auslaufmodell, im Fall von Deutschland zumindest. Die Horrorbilder aus Fukushima haben die schwarz-gelbe Regierung auf einen Anti-Atomkurs geführt, der noch im Winter vollkommen undenkbar gewesen wäre. Mehr und mehr soll Deutschlands Strom nun aus erneuerbaren Quellen kommen - und so dem Land neben sauberer Energie auch einen Technologievorsprung verschaffen.

Deutsche Sonnen-, Wasser- und Windkraftanlagen, so die Vision der Politiker, könnten zum Exportschlager werden. Verkauft würden sie vor allem in aufstrebende Schwellenländer. Dort verlangt die boomende Wirtschaft täglich nach mehr Strom. Im Ausland tüfteln Techniker freilich weiter fleißig an neuen Atomkraft-Konzepten. Neben herkömmlichen Reaktoren versuchen sich die Ingenieure dabei an Mini-Meilern für genau diese Märkte. Kleiner, billiger und mit extrem wenig Aufwand zu bedienen - das sind die Werbeschlagworte.

Diese Reaktoren sollen in unkonventioneller Umgebung Strom produzieren: Verbuddelt im Boden, verankert am Ozeangrund, schwimmend auf einer Plattform. Die Projekte sind vor allem für strukturschwache Regionen gedacht und sollen nicht zuletzt Kunden im Ausland schmackhaft gemacht werden - um im Fall von Frankreich, Russland oder den USA das alte Versprechen vom Exportschlager Atomkraft doch noch Wirklichkeit werden zu lassen.

Zum Teil noch im Reißbrettstadium, zum Teil weit darüber hinaus, könnten die Technikvisionen den deutschen Öko-Stromern unliebsame Konkurrenz machen - wenn sie den Praxistest bestehen und die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

Das sind die wichtigsten Konzepte für Mini-AKW:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 679 Beiträge
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1. ...
freqnasty, 09.08.2011
Kewl. Ob man in F evtl nun auch diese fasziniernde Studie von Ford aufgreift, und zur Serienreife bringt? http://en.wikipedia.org/wiki/Ford_Nucleon Man darf gespannt sein...
2. Bailout für Frankreich
Tristan Steiner 09.08.2011
Was bringt und der Atomausstieg, wenn die Franzosen munter weiter auf diese Risikotechnologie setzen? Atomreaktoren direkt ins Mehr zu plazieren ist ja wohl eine der dümmsten Ideen überhaupt. Sollte da mal was passieren, wie will man verhindern, dass sich die Radioaktivität über alle Weltmeere verteilt? Ich hoffe nur, Frankreich geht pleite - und muss unter den von Deutschland aufgespannten Rettungsschirm. Weiterhin hoffe ich, unsere Politiker sind schlau - und manns(!) - genug, weise Bedingungen als Voraussetzung für den Bailout zu diktieren. Wie z.B. den sofortigen Atomausstieg.
3. Franzosen und Kernkraft
Was_sein_muß_muß_sein 09.08.2011
Ich glaube, ich lese nicht recht ! ich würde sagen, die Entscheider sollten dringend mal einen kleinen Kurzurlaub (gerne auch länger) in Fukushima verbringen, in der Hoffnung, dass es Ihnen so gut gefällt, dass diese nie mehr zurückkommen... So langsam könnte man(n)/frau glauben, dass Strahlung nicht nur krank sondern auch blöd macht... Ich fordere hiermit den Nicolas Sarkozy auf, diesen Schwachsinn zu stoppen, ansonsten überlege ich mir mal, wie man solchen Verbrechern schnellstmöglich das Handwerk legt.
4. schöne Aussichten
ostap 09.08.2011
Zitat von sysopGrüne Energie aus Deutschland soll Exportschlager werden, doch im Ausland tüfteln Techniker*an ganz anderen Konzepten:*Atomreaktoren am Meeresboden, schwimmende Kernkraftwerke*- und*Mini-Meiler für den Vorgarten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,778425,00.html
Atommeiler im Meer ist sicher sehr praktisch. Man braucht dann keine Angst wie in Fukushima zu haben, dass das Kühlwasser nicht reicht, wenn so ein Wasserkocher explodiert. Und der Müll kann dann auch ganz einfach im Meer verteilt werden. Strahlende Zukunft!
5. Kolmeyer
Kurt G, 09.08.2011
Bei 100 Metern Wassertiefe ist es sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, dass der Kern schmilzt. Wahrscheinlich ist es sogar rundheraus unmöglich." WAHRSCHEINLICH ist es sogar RUNDHERAUS UNMÖGLICH. Ein irrwitziger Satz, für den es die Maximalstrafe geben muss.
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
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In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
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Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.


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