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Spionagedrohne: US-Armee schickt Superspäher nach Afghanistan

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Die US-Armee weitet den Drohneneinsatz in Afghanistan aus. Ein Flieger mit 1,8-Gigapixel-Kamera soll demnächst große Gebiete komplett überwachen. Bereits im Einsatz ist ein unbemannter Transporthelikopter, und bald sollen kleine Kamikaze-Drohnen auch von U-Booten starten.

Drohnen: Spione am Himmel Fotos
BOEING

Hamburg - Der Krieg gegen Aufständische ist tückisch: Sie kleiden sich wie Zivilisten, sie benutzen die gleichen Autos, sie mischen sich unters Volk. Eine mögliche Lösung ist die umfassende Beobachtung von Verdächtigen. Nur müsste man dafür seine Augen buchstäblich überall haben - und genau das soll eine neue Spionagedrohne jetzt leisten.

Die US-Armee will drei Helikopter-Drohnen des Typs A-160T "Hummingbird" ab Mai oder Juni in Afghanistan einsetzen. Wie die Armee auf ihrer Website mitteilt, sollen die unbemannten Flugzeuge des Herstellers Boeing das Kamerasystem "Argus-IS" an Bord haben. Es besitzt insgesamt 368 Bildsensoren, die es zusammen auf eine Gesamtauflösung von gewaltigen 1,8 Gigapixeln bringen.

Der Name des Systems erinnert nicht umsonst an den Riesen Argos aus der griechischen Mythologie, der auch Panoptes ("Allesseher") genannt wurde und laut der Sage mit seinen 100 Augen am ganzen Körper in alle Richtungen zugleich sehen konnte. "Argus-IS" (kurz für Autonomous Real-Time Ground Ubiquitous Surveillance Imaging System) soll dem Personal am Boden ermöglichen, immerhin bis zu 65 Objekte oder Personen gleichzeitig im Blick zu behalten - und das in einem Umkreis von bis zu sieben Kilometern.

"Wenn mehrere Personen zur gleichen Zeit ein Haus verlassen, muss man sich nicht mehr entscheiden, ob man Auto Nummer eins, zwei oder drei folgt", sagte Programm-Manager Brian Leninger der britischen BBC. "Man kann alle gleichzeitig und automatisch verfolgen." Zudem arbeitet die Pentagon-Forschungsabteilung Darpa gemeinsam mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems an einer verbesserten Version von "Argus-IS", die laut BBC die Echtzeitverfolgung von bis zu 130 Zielen erlauben soll. Die Tests sollen im Juni 2012 beginnen.

Riesige Datenmengen

Allerdings produziert schon die aktuelle "Argus"-Version gewaltige Datenmengen. Jeder einzelne der 368 Bildsensoren verfügt über eine Auflösung von fünf Megapixeln - das ist zweieinhalb Mal so viel wie bei einem modernen HDTV-Film. Für taktische Einsätze, etwa von Infanterie-Einheiten in Kampfgebieten, dürfte das "Argus"-System deshalb nur begrenzten Nutzen haben. "Solche Datenmengen sind vom einzelnen Soldaten am Boden nicht zu bewältigen", sagte ein Insider im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Für derartige Einsätze seien kleinere, billige Drohnen die bessere Wahl.

Hinzu kommt, dass die 13 Meter lange "Hummingbird"-Drohne in einer Höhe von sechs Kilometern unterwegs ist. Dadurch ist nur ein Blick aus steilem Winkel möglich und nicht etwa eine Perspektive, die man etwa von Polizeihubschrauber-Videos kennt.

Der große Vorteil des neuen Systems ist, dass der unbemannte Helikopter auf der Stelle schweben kann, was ihn von Drohnen mit festen Flügeln unterscheidet. Auf diese Weise soll "Argus-IS" eine nahezu lückenlose Langzeit-Überwachung eines Gebiets von rund 40 Quadratkilometern ermöglichen. Das sei ein bedeutender Fortschritt, sagte der Drohnen-Experte: "Diese Art der Überwachung ist viel dauerhafter und detaillierter als die per Satellit. Sie verlangt allerdings nach ausgebildeten Luftbild-Auswertern."

Der Einsatz der drei "Hummingbirds" ist Teil eines Beschaffungsprogramms für Drohnen, die mit dem "Argus"-System arbeiten. Die Boeing-Flugzeuge sollen zunächst ein Jahr lang in Afghanistan im Einsatz sein. Danach wird die US-Armee nach eigenen Angaben einen offenen Wettbewerb für eine zweite Generation der Spähdrohnen ausschreiben.

Unbemannter Transporthubschrauber absolviert ersten Einsatz

Die Entwicklung einer anderen Helikopter-Drohne ist schon wesentlich weiter fortgeschritten: Der unbemannte Transporthubschrauber "K-Max" hat vor einigen Tagen seinen ersten regulären Einsatz absolviert und einer Einheit von US-Marines Ausrüstung geliefert.

Der Helikopter, der mehr als drei Tonnen Fracht tragen kann, soll demnächst regelmäßig in Afghanistan fliegen. Die Amerikaner wollen so einen Teil ihrer Nachschublieferungen von den gefährlichen Straßen holen und zugleich weniger Hubschrauberbesatzungen der Gefahr aussetzen, in umkämpften Gebieten landen zu müssen.

Neben der Einführung von Helikopter-Drohnen schreitet auch der Einsatz unbemannter Mini-Flieger weiter voran. Erst vor kurzem haben die US-Streitkräfte die "Switchblade"-Drohne eingeführt, die von Soldaten im Feld eingesetzt werden soll. Sie soll nicht nur Luftbilder liefern, sondern einen Sprengsatz tragen und sich per Kamikaze-Angriff auf Gegner stürzen können.

Wie das Luftfahrttechnik-Magazin "Aviation Week" berichtet, soll "Switchblade" demnächst auch von U-Booten abgefeuert werden. Die Drohne wird dazu in einem Kanister untergebracht und durch das Müllrohr des U-Boots, die sogenannte Trash Disposal Unit, ausgestoßen. Hat der Behälter mit Hilfe eines Schwimmkörpers die Wasseroberfläche erreicht, schießt er die Mini-Drohne in einem Winkel von 35 Grad ab. Laut einer Ausschreibung der US-Regierung soll das System im Rahmen des "Rimpac"-Manövers im Sommer 2012 vor Hawaii erprobt werden.

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1. 1984? Nein, 2012!
ozzoid 01.01.2012
Zitat von sysopDie US-Armee weitet den Drohneneinsatz in Afghanistan aus. Ein Flieger mit 1,8-Gigapixel-Kamera soll demnächst große Gebiete komplett überwachen. Bereits im Einsatz ist ein unbemannter Transporthelikopter, und bald sollen kleine Kamikaze-Drohnen auch von U-Booten starten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,806522,00.html
Ein Gutes Neues, Afghanistan! In 2012 aber besser keine Hochzeitsfeiern im Freien oder auf 'ner Party zum Vergnügen in die Luft ballern.... die nächste Drohne kommt bestimmt und dann macht es 'Bumm'.
2. Rüstungsausgaben
U29 01.01.2012
Zitat von sysopDie US-Armee weitet den Drohneneinsatz in Afghanistan aus. Ein Flieger mit 1,8-Gigapixel-Kamera soll demnächst große Gebiete komplett überwachen. Bereits im Einsatz ist ein unbemannter Transporthelikopter, und bald sollen kleine Kamikaze-Drohnen auch von U-Booten starten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,806522,00.html
Kein Wunder dass sich die USA bei diesen Rüstungsausgaben keine gesetzliche Krankenkasse und eine solide soziale Absicherung leisten können.
3. Die Automatisierung des Krieges
maybee 01.01.2012
Zitat von sysopDie US-Armee weitet den Drohneneinsatz in Afghanistan aus. Ein Flieger mit 1,8-Gigapixel-Kamera soll demnächst große Gebiete komplett überwachen. Bereits im Einsatz ist ein unbemannter Transporthelikopter, und bald sollen kleine Kamikaze-Drohnen auch von U-Booten starten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,806522,00.html
Bald blutet nur noch der Feind - Angreifen ohne Risiko. Meine Begeisterung hält sch in Grenzen.
4. ...
Rodri 01.01.2012
Zitat von maybeeBald blutet nur noch der Feind - Angreifen ohne Risiko. Meine Begeisterung hält sch in Grenzen.
Genau daran habe ich auch sofort gedacht. Jetzt sinkt die Hemmschwelle für die USA fremde Völker anzugreifen noch einmal.
5. ....
zakalwe. 01.01.2012
Auf der einen Seite kann man es den USA hoch anrechnen, das sie wirklich eine Menge tun, um ihre Soldaten aus der Schußlinie zu nehmen und den Krieg gegen die Islamisten für ihre eigenen Leute unblutig zu machen. Auf der anderen Seite sollte man sich als Amerikaner aber fragen, ob die vielen Multimilliarden, die die Streikräfte benötigen, wirklich nötig sind. Die wären imho viel besser darin aufgehoben, die sozialen Strukturen der USA selber endlich mal zu modernisieren. Was nützt noch eine Armee, wenn das Land selber in Slums, Kriminalität und ungebremsten sozalem Abstieg versinkt? Gibts überhaupt noch ein US Weltraumprogramm?
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