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Spionageflugzeug: Iran soll US-Drohne mit GPS-Manipulation erbeutet haben

Wie konnte die amerikanische Tarnkappen-Drohne in die Hände der Iraner gelangen? Ein iranischer Ingenieur bestärkt jetzt die Spekulationen über ein manipuliertes GPS-Signal: Der Drohne seien falsche Koordinaten vorgegaukelt worden, so dass sie selbständig landete.

Abgefangene US-Drohne: Falsche GPS-Koordinaten vorgegaukelt? Fotos
AFP/ Press TV

Die Sache ist für das Pentagon mehr als peinlich. Ein unbemanntes Spionageflugzeug, vollgestopft mit modernster Technik, spioniert über iranischem Territorium und kehrt nicht zurück zur Basis in Afghanistan. Kurze Zeit später präsentieren iranische Militärs die Drohne des Typs RQ-170 "Sentinel" im Fernsehen - sie wirkt unbeschadet, auch wenn die Unterseite verdeckt ist.

Nach Angaben des iranischen Brigadegenerals Amir Ali Hadschisadeh wurde die Stealth-Drohne durch einen Cyberangriff unter Kontrolle gebracht. Spezialisten der Regierung seien sich des "unschätzbaren Werts der technischen Daten" bewusst, die die Drohne liefern könne, erklärte der General.

Experten vermuteten von Anfang an, dass die Iraner ein verfälschtes GPS-Navigatonssignal verwendet haben könnten. Ein Bericht der US-Website "Christian Science Monitor" scheint das nun zu bestätigen. Demnach wurde die Drohne durch sogenanntes GPS-Jamming vom Himmel geholt. Dabei werden die Signale der Navgationssatelliten, die zur Positionsbestimmung dienen, gezielt verfälscht. Die Website beruft sich auf einen namentlich nicht genannten iranischen Ingenieur, der schon seit Jahren für das iranische Militär arbeite. "Die GPS-Navigation ist der schwächste Punkte", wird der Mann zitiert.

Wenn man die Signale mit Rauschen störe, wechsle das unbemannte Flugzeug in den Autopilot-Modus. "Das ist der Moment, in dem der Vogel sein Gehirn verliert." Der Drohne seien dann falsche GPS-Koordinaten vorgegaukelt worden, erklärte der Ingenieur. Wenn seine Schilderungen stimmen, ging der Bordcomputer davon aus, seine Basis anzufliegen. "Sie ist dann von allein gelandet", erklärte der Iraner. Man habe die Kommunikation mit der US-Basis dazu nicht hacken müssen.

Ob es sich bei dem Interviewpartner des "Christian Science Monitor" tatsächlich um einen iranischen Experten handelt und ob seine Aussagen der Wahrheit entsprechen, ist offen. Plausibel kling die Schilderung dennoch - und auf iranischer Seite dürfte zudem das Interesse bestehen, Details zu dem Coup publik werden zu lassen.

Gestörte oder verfälschte GPS-Signale sind nicht nur eine Gefahr für Drohnen. Auch der Verkehr von Schiffen und Autos ist immer stärker von der Satellitennavigation abhängig. Nicht nur GPS, auch Europas Konkurrenzsystem Galileo oder das russische System Glonass können durch absichtlich oder versehentlich erzeugte Interferenzen in ihrem Betrieb beeinträchtigt oder ganz lahmgelegt werden.

hda

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1. Abwehr...
schnitti23 19.12.2011
Zitat von sysopWie konnte die amerikanische Tarnkappen-Drohne in die Hände der Iraner gelangen? Ein iranischer Ingenieur bestärkt jetzt die Spekulationen über ein manipuliertes GPS-Signal: Der Drohne seien*falsche Koordinaten vorgegaukelt worden, so dass sie selbständig landete. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804556,00.html
Damit ist den Iranern eine gute Abwehrmöglichkeit gegen Überfälle gegeben. Fast alle modernen Systeme arbeiten mit GPS- Daten, angefangen bei Kampfjets, Marschflugkörpern oder Raketen. Im Grunde ist eine zweckmäßige Landesverteidigung gegen niemanden gerichtet, höchstens gegen Angreifer. Insofern ist der iranische Fortschritt ein Schritt zu mehr Sicherheit in Nahost.
2. Wo wurde gejammt?
regierungs4tel 19.12.2011
Zitat von sysopWie konnte die amerikanische Tarnkappen-Drohne in die Hände der Iraner gelangen? Ein iranischer Ingenieur bestärkt jetzt die Spekulationen über ein manipuliertes GPS-Signal: Der Drohne seien*falsche Koordinaten vorgegaukelt worden, so dass sie selbständig landete. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804556,00.html
Es wäre interessant zu erfahren, ob die Drohne vom Iran aus dem afghanischen Luftraum "ge-hijacked" wurde, oder von den US illegal im iranischen Luftraum eingesetzt worden war. Die Reaktion des iranischen Außenministers am Rande der Bonner Afghanistan-Konferenz war merkwürdig verhalten: USA verlieren High-Tech-Drohne im Cyberwar « Berlin 2011 (http://berlin2011.wordpress.com/2011/12/05/usa-verlieren-high-tech-drohne-im-cyberwar/)
3. tja
Nonvaio01 19.12.2011
Zitat von sysopWie konnte die amerikanische Tarnkappen-Drohne in die Hände der Iraner gelangen? Ein iranischer Ingenieur bestärkt jetzt die Spekulationen über ein manipuliertes GPS-Signal: Der Drohne seien*falsche Koordinaten vorgegaukelt worden, so dass sie selbständig landete. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804556,00.html
Es reicht heutzutage schon wenn man weiss wie man die Gegnerischen Waffen ausschalten kann, dazu muss man keine eigenne Waffen entwickeln. Wenn die Iraner es wirklich so gemacht haben, dann kann die USA zu Ihrem halben Militaerapparat gute nacht sagen weill ja so ziemlich alles auf GPS aufbaut. Nicht schlecht und sehr clever (rein Militaerisch gesehen natuerlich) Scheinen doch nicht so dumm zu sein wie die USA immer denken, wer seinen gegner unterschaetzt hat eigentlich schon verloren.
4. Führe uns blinde Hühner nicht in Versuchung, ...
Duzend 19.12.2011
Zitat von sysopWie konnte die amerikanische Tarnkappen-Drohne in die Hände der Iraner gelangen? Ein iranischer Ingenieur bestärkt jetzt die Spekulationen über ein manipuliertes GPS-Signal: Der Drohne seien*falsche Koordinaten vorgegaukelt worden, so dass sie selbständig landete. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,804556,00.html
...aber lass uns unser tägliches Korn noch heute finden. Die Tüchtigkeit amerikanischer Rüstungskonzerne ist beträchtlich und jedenfalls viel höher einzuschätzen als die auch der besten Ingenieure des Iran. Der Drohnenfund oder Drohnenfang kann nur zweierlei bedeuten: 1) Es gibt in informierten Kreisen Leute, die das so geschehen lassen wollten und die an den entscheidenden Stellen dann das Ihrige beigetragen haben, oder 2) diese eine Drohne und ihr Überflug über iranisches Gebiet repräsentieren etwa ein Tausendstel der Überwachungs- und Spionagetätigkeit, so dass die Fehlsteuerung in den Rahmen der technologischen Zuverlässigkeit fällt. Eine dritte Möglichkeit sind natürlich auch Zeitungsenten jeglicher Machart bis zur Unterstellung hin, dass das gezeigte Modell aus Papmaché und der Rest Theater ist.
5. Unwichtig
Nonvaio01 19.12.2011
Zitat von regierungs4telEs wäre interessant zu erfahren, ob die Drohne vom Iran aus dem afghanischen Luftraum "ge-hijacked" wurde, oder von den US illegal im iranischen Luftraum eingesetzt worden war. Die Reaktion des iranischen Außenministers am Rande der Bonner Afghanistan-Konferenz war merkwürdig verhalten: USA verlieren High-Tech-Drohne im Cyberwar « Berlin 2011 (http://berlin2011.wordpress.com/2011/12/05/usa-verlieren-high-tech-drohne-im-cyberwar/)
Ich finde es ist unwichtig von wo aus die Drohne geholt wurde.
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Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS


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