Sprechstopper: Wortkanone bringt Quasselstrippen zum Schweigen

Sie reden und reden und reden: Manche Menschen sind in ihren Monologen selbst mit Verbalgrätschen kaum zu stoppen. Jetzt aber haben japanische Forscher ein Gerät entwickelt, das Hoffnung macht: Es nutzt einen psychologischen Effekt, um auf Knopfdruck für Stille zu sorgen.

Japanische Wissenschaftler sorgen für Ruhe: der SpeechJammer stoppt Langredner Zur Großansicht

Japanische Wissenschaftler sorgen für Ruhe: der SpeechJammer stoppt Langredner

Sie reden ohne Punkt und Komma, dominieren jede Unterhaltung. Sie stören, wenn eigentlich Ruhe herrschen sollte - in Büchereien, im Lesesaal, im Kino: Quasselstrippen, Selbstdarsteller und Tuschler können ihre Mitmenschen an den Rand des Wahnsinns treiben. Wer sich in diesen Situationen eine Art Fernbedienung zum Abschalten der Dauerredner wünscht, dürfte eine Entwicklung aus Japan sehr interessant finden.

Kazutaka Kurihara vom National Institute of Advanced Industrial Science und Koji Tsukada von der Ochanomizu University haben jetzt den Prototyp ihres sogenannten SpeechJammers vorgestellt - ein handliches Gerät, das per Mikrofon und Lautsprecher für Stille sorgt. Wie die Forscher auf arxiv.org, einer Plattform zur Vorab-Veröffentlichung von Fachartikeln, schreiben, basiert der Trick auf einem bekannten Phänomen: Sprechen wird nahezu unmöglich, wenn man seine eigenen Worte mit kurzer Verzögerung hört. Der Effekt ist aus dem Alltag von schlechten Telefonverbindungen bekannt: Bekommt man die eigene Stimme als Echo zurück, ist das extrem irritierend.

Kurihara und Tsukada entwickelten ein handliches Gerät, das die Worte des Gesprächspartners aufzeichnet und mit einem zeitlichen Abstand von 0,2 Sekunden wieder abspielt. Mikrofon und Lautsprecher sind dabei so ausgerichtet, dass der Sprechstopper wie eine Waffe auf die Zielperson gerichtet wird.

Effektive Waffe gegen Dauerquassler

Nach ersten Tests mit dem SpeechJammer-Prototyp zeigten sich die Forscher äußerst zufrieden: "Das System kann auch Redner unterbrechen, die weiter entfernt sind. Und das, ohne ihnen körperlich zu schaden", schwärmen Kurihara und Tsukada in ihrem Beitrag.

Es habe sich gezeigt, dass der Sprechstopper besonders effektiv ist, wenn der nervende Redner seine Worte ablesen muss. Bei freien Monologen sei der Effekt nicht ganz so durchschlagend gewesen, bei sinnfreien Äußerungen wie "Aaaaaaargh" habe sich gar keine Wirkung gezeigt.

Für künftige Einsatzgebiete haben Kurihara und Tsukada gleich mehrere Ideen: Der SpeechJammer könnte etwa in Büchereien und Lesesälen für Ruhe sorgen, auch Streitschlichter könnten ihn einsetzen, um allzu hitzige Diskussionen zu unterbrechen. "Es müssen endlich Regeln für sinnvolles Reden und Gespräche festgelegt werden", meinen die Forscher. Es gäbe immer noch zu viele Situationen, in denen Sprachprobleme den friedlichen Ausgang eines Konflikts verhinderten. Sie könnten sich den SpeechJammer deshalb sogar in den Verhandlungsräumen der Vereinten Nationen vorstellen.

nik

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