Weltkriegswrack: Taucher bergen Stuka-Teile aus der Ostsee

Die Ostsee gibt ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg frei: Taucher haben mit der Bergung eines deutschen Sturzkampfflugzeugs begonnen. Bei den Arbeiten stießen die Taucher auf rätselhafte Wrackteile - sie könnten von einem weiteren Flugzeug stammen.

Weltkriegs-Wrack: Die Stuka aus der Ostsee Fotos
DPA

Sassnitz - Die ersten großen Teile eines Sturzkampfflugzeugs (Stuka) sind am Freitag vor Rügens Küste von Spezialtauchern der Bundeswehr aus der Ostsee geborgen worden. Östlich von Sassnitz wurden mit luftgefüllten Hebesäcken unter anderem ein fast hundert Kilogramm schweres Stück des Hecks sowie das Seitenruder aus 18 Metern Tiefe gehoben, sagte Sebastian Bangert vom Militärhistorischen Museum Dresden. Auf Munition oder menschliche Überreste sei man bislang nicht gestoßen. Offenbar handelt es sich um eine Maschine vom Typ Junkers Ju 87. Das Kampfflugzeug war im Zweiten Weltkrieg in die Ostsee gestürzt.

Bereits am Vortag hatten die Spezialisten eine Sturzflug- und Abfangautomatik gesichert. Das System sollte damals sicherstellen, dass die Maschine sicher einen sogenannten Sturzangriff fliegen kann - auch dann, wenn der Pilot durch die extremen G-Kräfte kurzzeitig bewusstlos wird. Bislang wurden elf Flugzeugteile aus dem Wasser gehievt. Nach Taucherangaben liegen noch über 90 Prozent der Maschine auf dem Meeresgrund. Sie sollen voraussichtlich am Montag geborgen werden.

Inzwischen sei etwa die Hälfte des im Muschelschlick steckenden Flugzeuges freigespült worden, sagte Bangert. Auf neuesten Unterwasseraufnahmen sei zu erkennen, dass das Flugzeug offenbar schwerer beschädigt ist als angenommen. "Unsere Restauratoren gehen inzwischen davon aus, dass die Wiederaufarbeitung der Maschine für Ausstellungszwecke aufwendiger ausfallen wird, als wir uns das vorgestellt hatten." Dennoch lohne sich die Bergung. Der Motor zum Beispiel sei offenbar noch in einem guten Zustand.

Rätselraten nach weiteren Wrackteilfunden im Umfeld

Nach der Restauration soll der Flugzeug-Oldtimer auf dem Museumsflugplatz des ehemaligen Luftwaffenmuseums in Berlin-Gatow ausgestellt werden. Weltweit gibt es nur noch zwei vollständig erhaltene Stukas, in Museen in Chicago und London. In Deutschland ist eine beschädigte, einst über dem Mittelmeer abgestürzte Ju 87 im Auto- und Technikmuseum Sinsheim zu sehen. Sie war 1989 von einem deutsch-französischen Taucherteam aus 90 Metern Tiefe geborgen worden. Eine weitere lädierte Stuka, die in der russischen Tundra gefunden wurde, gehört heute dem Deutschen Technikmuseum Berlin.

Rätsel geben den Experten unterdessen weitere Wrackteile auf, die am Freitag 150 bis 180 Meter vom Flugzeugwrack entfernt entdeckt wurden. "Wir haben keine Ahnung, worum es sich dabei handelt", sagte Bangert. Es könnten Teile dieser Junkers sein, die von Fischernetzen abgerissen wurden. Nicht ganz ausgeschlossen werde aber auch, dass es sich um ein zweites Flugzeugwrack handeln könnte.

Es ist die zweite spektakuläre Entdeckung dieser Art in kurzer Zeit. Erst Anfang Mai wurde eine erstaunlich gut erhaltene Curtiss P-40 "Kittyhawk" aus dem Zweiten Weltkrieg in der Sahara entdeckt.

mbe/dapd

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insgesamt 13 Beiträge
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1.
dergenervte 08.06.2012
Zitat von sysopDie Ostsee gibt ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg frei: Taucher haben mit der Bergung eines deutschen Sturzkampfflugzeugs geborgen. Bei den Arbeiten stießen die Taucher auf rätselhafte Wrackteile - sie könnten von einem weiteren Flugzeug stammen. Stuka-Wrack in der Ostsee: Taucher bergen Reste von Ju-87 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,837793,00.html)
Auf dem Ehemaligen Flughafen Gatow befindet sich das Luftwaffenmuseum und nicht das Ehemalige Luftwaffenmuseum. Ein kleiner aber feiner Unterschied.
2.
McMacaber 08.06.2012
gibt es sowenig erhaltene stukas, daß sich dieser aufwand lohnt? und selbst wenn, zugegeben, interessantes unterfangen, aber warum nicht stattdessen die bismarck bergen? :-)
3. kein Titel eingefallen
flaviussilva 08.06.2012
Zitat von McMacabergibt es sowenig erhaltene stukas, daß sich dieser aufwand lohnt?
Es wurden nur 5700 davon gebaut, aber gleichzeitig ist sie eines der bekanntesten Flugzeugmuster der damaligen Zeit. Deshalb will sich jedes Museum gerne mit einem Exemplar schmücken. P.S. Die Amerika hatten die Ju 87 als Vorbild, als sie die A10 Warthog entwickelt haben ! Der Versuch wäre Erfolgversprechender als bei der Titanic :-)))
4. Zugegeben...
guggisberger 08.06.2012
... es liegt nicht ganz auf diesem technischen Niveau: Aber wenn ich mir vorstelle,dass ich in den 70ern auf einem altem Wehmachts-Motorrad durch die märksche Landschaft gefahren bin,so dauert es mich schon,dass ich das alte Gerät schliesslich einfach verschrottet habe. Niemand scheint diese Dinge besser zu schätzen,als jene Herrschaften, die uns erzählen,wie schlimm damals doch alles war ... Aber man spürt diese Bewunderung, die fast so etwas wie ...NEID ist.
5. da ist er wieder der
ex_Kamikaze 09.06.2012
ein Begriff den es im deutschen Sprachgebrauch und Militärwesen nicht gibt und auch nie gab. Oder genauer gesagt die Übersetzung des Begriffes "Jagdbomber" aus dem englischen "Fighter bomber", offenbar ist es heute Standard immer Begriffe aus dem anglo-amerikanischen Sprachgebrauch zu verwenden, auch wenn sie die Aussage verzerren. Und hier wird es falsch. Die Ju-87 war ein Sturzkampfbomber, mit den Methoden der vierziger Jahre die einzige Methode Bomben auf Punktziele und Schiffe zu werfen. Damit ist die Ju-87 verwandt mit der Aichi D3A1 u A2 "Val" , den "Banshee" und "Dauntless" der Amerikaner sowie der BA-65. Nur ein Jagdbomber oder "Kampfbomber" (wo kommt eigentlich dieser Begriff her???) war sie nie! Diese Aufgabe erfüllten in der deutschen Luftwaffe zunächst die Me-110 und später die FW-190 der Versionen F und G. Aber alle diese Flugzeuge blieben immer geeignet für den Luftkampf, eine Aufgabe die für die Ju-87 unlösbar war und deren Einsatz immer nur unter einer wenigstens lokalen Luftüberlegenheit stattfinden konnte.
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