Goslar - Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager darf der niedersächsische Standort Gorleben nach Ansicht von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel nicht ausgeklammert werden. "Ich glaube, dass man das Endlager-Suchverfahren nicht seriös und integer an anderen Standorten betreiben kann, wenn man vorher politisch entscheidet, Gorleben aus dem Spiel zu nehmen", sagte er am Montag in Goslar.
Gorleben dürfe aber einstweilen nicht weiter erkundet werden, meint Gabriel. Der Salzstock sollte auf jeder weiteren Stufe der Endlagersuche jederzeit wegen einer schlechteren geologischen Eignung aus der Suche ausscheiden können.
Der niedersächsische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Stephan Weil, hingegen bekräftigte bei dem Termin mit Gabriel in Goslar, dass Gorleben aus seiner Sicht keine Rolle spielen dürfe, weil der Standort geologisch nicht geeignet sei.
Was läuft im Bund?
Weil betonte, dass der niedersächsische Landesverband eine andere Position vertrete als Gabriel. "Gorleben sollte herausgenommen werden", sagte der Oberbürgermeister von Hannover mit Blick auf das Prüfverfahren für ein Atommüll-Endlager. Er begrüße aber, dass nach "jahrzehntelangem Trauerspiel" nun ein parteiübergreifender Konsens zur Endlagersuche versucht werde.
Er halte den parteiübergreifenden Konsens, ergebnisoffen nach einem Endlager zu suchen, zwar für richtig, sagte Weil der Nachrichtenagentur dpa. Auch mögliche Standorte in Niedersachsen dürften dabei nicht ausgeschlossen werden. "Ich glaube aber, nach 35 Jahren Diskussion ist es an der Zeit, Gorleben aus dem Topf herauszunehmen." In dieser Zeit seien die geologisch begründeten Zweifel an der Eignung des Standortes nicht kleiner, sondern größer geworden."
"Für mich sind die niedersächsischen Interessen an dieser Stelle maßgeblich", sagte Weil. "Ich muss jedoch zur Kenntnis nehmen, dass man aus der Position des Bundesparteivorsitzenden auch andere Gesichtspunkte mit im Auge hat, als ich dies als niedersächsischer Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl in meiner persönlichen Wertung tue."
Strahlender Atommüll stapelt sich in Deutschland in kaum gesicherten Hallen. Die Suche nach einem Endlager, das Schutz für Millionen Jahre garantieren soll, bleibt seit Jahrzehnten ohne Ergebnis. Union, SPD und Grüne in Berlin haben sich nach Informationen des SPIEGEL derweil darauf verständigt, Gorleben bei der Suche nach einem Endlager nicht auszuschließen.
Gabriel hingegen betont, es gebe zwischen der SPD und der Bundesregierung noch keine Übereinkunft dazu, wie die bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager organisiert werden soll. "Es gibt bisher keine Einigung, auch nicht zu Gorleben", sagte Gabriel.
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boj/dpa/dapd
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