Suche nach Atommüll-Endlager: Gabriel will Gorleben nicht ausschließen

Die Debatte um den Salzstock im niedersächsischen Gorleben sorgt nun auch innerhalb der SPD für eine Debatte: SPD-Parteichef Sigmar Gabriel will Gorleben bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll nicht ausklammern - die SPD in Niedersachsen sieht es anders.

Erkundungsbergwerk Gorleben (im Juli 2012): "Eine andere Position" Zur Großansicht
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Erkundungsbergwerk Gorleben (im Juli 2012): "Eine andere Position"

Goslar - Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager darf der niedersächsische Standort Gorleben nach Ansicht von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel nicht ausgeklammert werden. "Ich glaube, dass man das Endlager-Suchverfahren nicht seriös und integer an anderen Standorten betreiben kann, wenn man vorher politisch entscheidet, Gorleben aus dem Spiel zu nehmen", sagte er am Montag in Goslar.

Gorleben dürfe aber einstweilen nicht weiter erkundet werden, meint Gabriel. Der Salzstock sollte auf jeder weiteren Stufe der Endlagersuche jederzeit wegen einer schlechteren geologischen Eignung aus der Suche ausscheiden können.

Der niedersächsische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Stephan Weil, hingegen bekräftigte bei dem Termin mit Gabriel in Goslar, dass Gorleben aus seiner Sicht keine Rolle spielen dürfe, weil der Standort geologisch nicht geeignet sei.

Was läuft im Bund?

Weil betonte, dass der niedersächsische Landesverband eine andere Position vertrete als Gabriel. "Gorleben sollte herausgenommen werden", sagte der Oberbürgermeister von Hannover mit Blick auf das Prüfverfahren für ein Atommüll-Endlager. Er begrüße aber, dass nach "jahrzehntelangem Trauerspiel" nun ein parteiübergreifender Konsens zur Endlagersuche versucht werde.

Er halte den parteiübergreifenden Konsens, ergebnisoffen nach einem Endlager zu suchen, zwar für richtig, sagte Weil der Nachrichtenagentur dpa. Auch mögliche Standorte in Niedersachsen dürften dabei nicht ausgeschlossen werden. "Ich glaube aber, nach 35 Jahren Diskussion ist es an der Zeit, Gorleben aus dem Topf herauszunehmen." In dieser Zeit seien die geologisch begründeten Zweifel an der Eignung des Standortes nicht kleiner, sondern größer geworden."

"Für mich sind die niedersächsischen Interessen an dieser Stelle maßgeblich", sagte Weil. "Ich muss jedoch zur Kenntnis nehmen, dass man aus der Position des Bundesparteivorsitzenden auch andere Gesichtspunkte mit im Auge hat, als ich dies als niedersächsischer Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl in meiner persönlichen Wertung tue."

Strahlender Atommüll stapelt sich in Deutschland in kaum gesicherten Hallen. Die Suche nach einem Endlager, das Schutz für Millionen Jahre garantieren soll, bleibt seit Jahrzehnten ohne Ergebnis. Union, SPD und Grüne in Berlin haben sich nach Informationen des SPIEGEL derweil darauf verständigt, Gorleben bei der Suche nach einem Endlager nicht auszuschließen.

Gabriel hingegen betont, es gebe zwischen der SPD und der Bundesregierung noch keine Übereinkunft dazu, wie die bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager organisiert werden soll. "Es gibt bisher keine Einigung, auch nicht zu Gorleben", sagte Gabriel.

Mehr Informationen dazu finden Sie im neuen SPIEGEL, ab Montag am Kiosk und hier in der Digitalausgabe

boj/dpa/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Genug Müll in der Gegend
claireannelage 23.07.2012
Es wird nie eine Einigung darüber geben ob Gorleben nun geeignet ist oder nicht, die Parteien werden hier weiterhin auf ihren Standpunkten beharren. Jedoch ist Niedersachsen, was Atommüll angeht bereits belastet genug - in Kürze soll Schacht Konrad in Betrieb genommen werden, und keine 20km weiter befindet sich das unsägliche Lager Asse, ein Trauerspiel bei dem auch Angela Merkel als damalige Ministerin sich zu dem Kommentar hat hinreissen lassen, das Lager wäre sicher. Allein aus diesem Grund sollte Gorleben hier ganz hinten anstehen - man kann nicht ein ganzes Land mit Atomenergie versorgen und dann den ganzen Müll in ein kleines Gebiet schaffen. Das wäre nur dann aktzeptabel wenn es die einzige Möglichkeit darstellen würde. Insofern ist es richtig Gorleben bei der Standortwahl erstmal aussen vor zu lassen. Abgesehen davon - solange man sicher weiss dass man selbst nicht die Folgen der eigenen Energieverschwendung tragen muss (ausser in Form einer gestiegenen Rechung) ist man hier eher unbesonnen - der Gedanke der Müll könnte am Ende vielleicht vor der eigenen Tür landen weckt dann vielleicht doch noch den einen oder anderen auf.
2.
moev 23.07.2012
Zitat von claireannelageund dann den ganzen Müll in ein kleines Gebiet schaffen.
Doch, genau das ist das sinnvollste. Was schlagen Sie vor? Den Müll möglichst großflächig verteilen damit es "fair" ist und jeder was zu tragen hat? Selbstverständlich sollte man mitmöglichst wenig und möglichst nah zusammen liegenden Lagern auskommen, um die Belastung eben auf ein möglichst kleines Gebiet zu beschränken.
3. optional
kumi-ori 24.07.2012
Dieses Problem wird von der Atomenergie-Industrie immer ungern angesprochen. Aber irgendwann wird man wohl auch dieses Thema ansprechen müssen. Wenn man nun einen neuen Standort ins Spiel brächte, wäre der Aufschrei groß. Gorleben jedoch hat sich dadurch, dass es die langjährigen Erkundungen akzeptiert hat, quasi durch Gewohnheitsrecht als Endlager-Standort etabliert.
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