Satellitenbild der Woche Kanal der guten Hoffnung

Der Suezkanal bietet Schiffen eine Abkürzung durch Afrika. Seit Kurzem gibt es einen zweiten Kanal - ein riskantes Großbauwerk.


Etwa 250.000 Euro kostet es, mit dem Schiff durch den Suezkanal zu fahren. Für viele Reedereien eine lohnenswerte Ausgabe, ersparen sie sich doch die Umschiffung ganz Afrikas um das Kap der Guten Hoffnung herum.

Das war vor 150 Jahren die Idee hinter dem Bau der Wasserstraße, die das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet: den Weg vom Atlantischen in den Indischen Ozean deutlich zu verkürzen.

Nun haben Ingenieure den Weg noch etwas mehr gekürzt: Neue Nasa-Fotos zeigen den ausgebauten Suezkanal nach seiner Eröffnung.

"Prognosen unwahrscheinlich optimistisch"

"Ägyptens Geschenk an die Welt" war vergangenes Jahr eingeweiht worden: Eine 35 Kilometer lange zweite Fahrrinne, sie war nach Angaben der Regierung innerhalb eines Jahres gebaut worden. Jetzt ist der Suezkanal auf 115 seiner 193 Kilometer in beide Richtungen befahrbar.

Ägypten hofft, dass bald doppelt so viele Schiffe den Kanal nutzen. Angeblich hat sich die Durchfahrtzeit von 18 Stunden auf elf Stunden verkürzt.

Mehr als sieben Milliarden Euro soll der neue Kanal gekostet haben. 88 Prozent trugen ägyptische Privatleute, die Zertifikate mit zwölf Prozent Verzinsung kauften.

Fotostrecke

15  Bilder
Neuer Suezkanal: Ausgebaute Wasserstraße

Die staatliche Kanalgesellschaft hofft, dass 2023 knapp hundert Schiffe pro Tag den Kanal durchqueren werden. Die jährlichen Einnahmen sollen dadurch auf knapp zwölf Milliarden Euro steigen. 2014 lagen sie bei rund fünf Milliarden Euro.

Es ist eine riskante Investition, Experten bezweifeln solche Zuwachsraten. "Die Prognosen der Regierung scheinen auf unwahrscheinlich optimistischen Annahmen bezüglich der Entwicklung des Welthandels zu basieren", urteilte das Londoner Institut Capital Economics.

Im vergangenen Jahr passierten im Schnitt täglich 47 Schiffe den Kanal, vor Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 waren es noch 59 Schiffe.

Der niedrige Ölpreis schadet den Kanalbetreibern ebenfalls: Frachter umfahren plötzlich wieder ganz Afrika, weil die längere Fahrt günstiger geworden ist als die Kosten für den Suezkanal.

Der Autor auf Twitter:

boj



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.