TATP Das ist der Sprengstoff von Chemnitz

Zutaten aus dem Handel, empfindliche Mischung, hoch explosiv: Das ist der Sprengstoff TATP. Der Unterschlupf des Terrorverdächtigen Jaber al-Bakr war offenbar eine Bombenwerkstatt.


Er soll einen Terroranschlag geplant und sich dazu im Internet über die Herstellung von Bomben informiert haben. Der 22-jährige Syrer aus Chemnitz hatte Hunderte Gramm eines "hochgefährlichen Sprengstoffs" in seiner Wohnung gelagert. Um was für eine Substanz handelt es sich dabei?

Offenbar entdeckten die Fahnder große Mengen von Triacetontriperoxid, kurz auch TATP genannt. Es lässt sich aus den leicht erhältlichen Chemikalien Aceton, Wasserstoffperoxid und Schwefelsäure herstellen. Er ist auch als Acetonperoxid (Apex) bekannt - abhängig von den unterschiedlichen Bedingungen seiner Entstehung wie etwa dem verwendeten Katalysator. Weil zudem über das Internet auch Anleitungen zu finden sind, gibt es immer mal wieder Meldungen darüber, dass Zündler und Feuerwerksbastler damit experimentieren.

Doch in den Anleitungen wird mit großer Dringlichkeit davor gewarnt, dass das Pulver, das erst nach stundenlanger Reaktion entsteht, hochexplosiv sei. Reibung, Stöße, Wärme oder Funken könnten TATP zur Explosion bringen - und auch schon beim Mischen kann die tödliche Gewalt freigesetzt werden.

Wenn also tatsächlich, wie ZDF und "Bild" berichten, TATP in der Wohnung im Chemnitzer Fritz-Heckert-Gebiet gefunden wurde, in der ein Sondereinsatzkommando am Samstag den inzwischen gefassten Terrorverdächtigen Jaber al-Bakr suchte, dann hatten die Nachbarn in dem Wohngebiet Glück, dass ihnen nichts passiert ist.

TATP tötete schon bei etlichen Anschlägen

Die "Süddeutsche Zeitung" beschreibt die Wohnung als "regelrechte Bombenwerkstatt", in der Ermittler 500 Gramm eines fertigen Sprengstoff-Laborats gefunden hätten - und darüberhinaus etwa ein Kilo weiterer Chemikalien, die sich als Zutaten dafür eigneten.

TATP wurde bei zahlreichen Terroranschlägen der jüngeren Zeit verwendet. So wurden im Versteck der Attentäter von Brüssel TATP und Zutaten dafür entdeckt. Auch in den Sprengstoffgürteln im Pariser Bataclan wurden TATP-Rückstände gefunden. Britische Bombenbauer wollten den Sprengstoff 2006 in Passagiermaschinen schleusen. Fahnder nennen TATP "die Mutter des Satans". Seine Sprengkraft wird mit bis zu 88 Prozent der Sprengkraft von TNT angegeben.

Da TATP nicht besonders geruchsintensiv ist, ist der Stoff mit herkömmlichen Suchmethoden nicht zu erkennen. Der SPIEGEL berichtete im Februar, dass Spürhunde der Bundespolizei nicht mehr auf den Sprengstoff abgerichtet würden.

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