Teilchenbeschleuniger LHC Protonen sollen mit Rekordenergie zusammenprallen

Der riesige Beschleunigerring LHC in Genf kommt auf Touren: An diesem Dienstag wollen Forscher einen neuen Energierekord bei Kollisionen von Elementarteilchen aufstellen. Das Experiment wird live im Internet übertragen.

Atlas-Detektor am Beschleuniger LHC: Neuer Energierekord anvisiert
ddp

Atlas-Detektor am Beschleuniger LHC: Neuer Energierekord anvisiert


Genf - Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC in Genf soll an diesem Dienstag einen neuen Rekord aufstellen. Zwei Protonenstrahlen werden voraussichtlich mit einer Energie von je 3,5 Tera-Elektronenvolt (TeV) zusammenprallen. Der 27 Kilometer lange Ring ist für Energien bis 7 TeV konzipiert. Wegen der technischen Probleme, die wenige Tage nach Inbetriebnahme des Beschleunigers im September 2008 aufgetreten waren, nähern sich die Teilchenphysiker höheren Energien aber nur mit größter Vorsicht. Erst vor wenigen Tagen hatten die Physiker am LHC einen neuen Energierekord aufgestellt.

Mit den Kollisionen sollen Bedingungen wie kurz nach dem Urknall simuliert werden. Dadurch können vielleicht bislang nur theoretisch beschriebene Partikel wie das Higgs-Boson nachgewiesen werden. Das Higgs-Boson ermöglicht gemäß dem Standardmodell der Physik, dass Teilchen überhaupt eine Masse haben. Wenn das Higgs existiere, werde es auch am LHC entdeckt, sagte Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer. Das Standardmodell erkläre zudem lediglich vier bis fünf Prozent der Materie- und Energiedichte des Universums, der Rest liege im Dunkeln. "Ich erhoffe mir wirklich in den nächsten paar Jahren das erste Licht in dieses dunkle Universum."

Die Physiker extrahieren für das Experiment Kerne von Wasserstoffatomen (Protonen). Diese Protonen werden dann mit jeweils 3,5 TeV aufeinander geschossen. Eine TeV entspricht einer Billion Elektronenvolt. Vom Urknall sei dieses Experiment aber noch weit entfernt, sagte Heuer. Die Teilchenphysiker planen derzeit eine zweijährige Betriebsphase bis 2012. Danach stehen Umbauarbeiten an, bevor der Betrieb bei noch höheren Energien weitergeht.

Das Experiment wird am heutigen Dienstag ab 8.30 Uhr live im Internet übertragen. Kollisionen sind ab 9.00 Uhr geplant.

hda/dpa



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