Terrorschutz Atommüll-Zwischenlager werden stärker gesichert

Deutschlands Atommüll-Zwischenlager werden umgebaut, um den Schutz vor Terrorangriffen und Flugzeugabstürzen zu verbessern. Die meisten Details sind geheim - doch an zwei Standorten in Bayern wird bereits an zehn Meter hohen Mauern gebaut.

Castor-Behälter im Zwischenlager Gundremmingen: Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen
dapd

Castor-Behälter im Zwischenlager Gundremmingen: Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen


Berlin - Die Sicherheit aller deutschen Atommüll-Zwischenlager soll deutlich verstärkt werden. Die Maßnahmen gehen auf die Empfehlung einer Bund-Länder-Kommission aus dem vergangenen Jahr zurück, die nun nach und nach umgesetzt wird. Die geplanten Umbauten dienen dem Schutz "gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter", wie das Umweltministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte. Dazu zählten auch mögliche terroristische Angriffe. Mit Beginn der Baumaßnahmen sei noch in diesem Jahr zu rechnen. Planungsdetails unterliegen aus Sicherheitsgründen der Geheimhaltung.

An den bayerischen AKW-Standorten Gundremmingen und Isar II bei Landshut ist bereits der Bau von Schutzmauern in Vorbereitung. Betroffen sind laut Ministerium aber alle Zwischenlager, also die standortnahen an den Kernkraftwerken und die zentralen in Gorleben (Niedersachsen), Ahaus (Westfalen) und Lubmin (Vorpommern). "Die Kosten dafür tragen die jeweiligen Betreiber", erklärte das Umweltministerium.

Auch die Energiekonzerne RWE und Eon bestätigten, dass die Zwischenlager "zeitnah" zusätzliche Sicherungsmaßnahmen bekommen sollen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte auf Veranlassung des Bundesumweltministeriums bereits mit Schreiben vom 15. April 2011 die Betreiber aller Zwischenlager darum gebeten, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten.

Stahlbetonmauer in Gundremmingen

In Gundremmingen beschloss der Gemeinderat am Dienstagabend den Bau einer zehn Meter hohen und 85 Zentimeter dicken Stahlbetonmauer. Auch der Sprecher des AKW Isar 2 in Essenbach bei Landshut, Johann Seidl, bestätigte laut Antenne Bayern, dass das dortige Zwischenlager mit einer zusätzlichen Mauer gesichert werden soll. Im niedersächsischen Gorleben waren im vergangenen Jahr zunächst diejenigen Castor-Behälter umgeräumt worden, die an der Wand des Zwischenlagers standen. Derartige Mauern können beispielsweise vor einem Beschuss mit panzerbrechenden Waffen schützen - Experten haben bereits vor derartigen Attacken gegen Atomkraftwerke gewarnt.

Gundremmingens Bürgermeister Wolfgang Mayer (parteilos), sagte am Mittwoch, der Bauantrag der Betreibergesellschaft sei völlig überraschend gekommen und "auch nicht begründet" worden. "Es wurde nur mitgeteilt: Das soll in allen Zwischenlagern, die diese Bauweise aufweisen, in ganz Deutschland so nachgerüstet werden", sagte Mayer. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf das niedersächsische Umweltministerium, Grund für die Anweisung seien neue Erkenntnisse über Tatmittel und Täterverhalten für den Fall eines terroristischen Anschlags.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, wertete die Entscheidung für den Bau einer Mauer um das Zwischenlager Gundremmingen als neuesten Beweis dafür, dass Atomkraft in vielerlei Hinsicht hochgefährlich sei. "Wirkliche Sicherheit vor den Gefahren der Atomkraft bekommen wir aber nur durch ihre Beendigung und Fortschritte bei der Endlagersuche", sagte Kotting-Uhl.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor, es sei unverantwortlich, zwar die Zwischenlager aufzurüsten, aber die benachbarten Reaktoren ohne weiteren Schutz am Netz zu lassen. Die Bundesregierung verfüge schon seit Monaten über neue Erkenntnisse zur Bedrohungslage von Atomanlagen.

mbe/dpa/dapd

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lynx999 11.01.2012
1.
Zitat von sysopDeutschlands Atommüll-Zwischenlager*werden umgebaut, um den Schutz vor Terrorangriffen und Flugzeugabstürzen zu verbessern. Die meisten Details sind geheim - doch an zwei Standorten in Bayern wird bereits an zehn Meter hohen Mauern gebaut. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808533,00.html
ah das fällt der Bundesregierung ja früh ein. Dann sollten aber auch gleich die "halboffiziellen" Atomzwischenlager im Karlsruher Hardtwald noch besser gesichert werden. Die Atomsuppe für den Castor Transport letztes Jahr war erst die Spitze des Eisbergs von dem was da noch alles lagert. 60.000m^3 "mittelradioaktive" Abfälle lagern dort in gigantischen oberirdischen Hallen. Macht Euch selbst ein Bild. Die Hallen sind nur ein Wetterschutz: Verpackung und Lagerung (http://www.ewn-gmbh.de/ewngruppe/wak/entsorgungsbetriebe/anlagen-und-einrichtungen/verpackung-und-lagerung.html?L=0) Beste Grüße
x+n 11.01.2012
2. ...
---Zitat von SpOn--- Experten haben bereits vor derartigen Attacken gegen Atomkraftwerke gewarnt. ---Zitatende--- Erheiternd, dass SpOn diese Peinlichkeit nochmal verlinkt. Der Bericht kommt von Oda Becker, also von jemand der weder von Kernenergietechnik noch von Waffentechnik Ahnung hat. Und viele Medien, wie auch der Spiegel sind auf diesen Unsinn reingefallen. Bei Greenpeace zu sein reicht hier wahrscheinich schon um als Experte benannt zu werden.
hdudeck 11.01.2012
3. Die Iraner
Zitat von sysopDeutschlands Atommüll-Zwischenlager*werden umgebaut, um den Schutz vor Terrorangriffen und Flugzeugabstürzen zu verbessern. Die meisten Details sind geheim - doch an zwei Standorten in Bayern wird bereits an zehn Meter hohen Mauern gebaut. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808533,00.html
sind da schon weiter: Beide Artikel Seite an Seite Terrorschutz: Atommüll-Zwischenlager werden stärker gesichert Uran-Anreicherung: Iran macht Atomprogramm bombensicher
gandalf446 12.01.2012
4.
Zitat von lynx999ah das fällt der Bundesregierung ja früh ein. Dann sollten aber auch gleich die "halboffiziellen" Atomzwischenlager im Karlsruher Hardtwald noch besser gesichert werden. Die Atomsuppe für den Castor Transport letztes Jahr war erst die Spitze des Eisbergs von dem was da noch alles lagert. 60.000m^3 "mittelradioaktive" Abfälle lagern dort in gigantischen oberirdischen Hallen. Macht Euch selbst ein Bild. Die Hallen sind nur ein Wetterschutz: Verpackung und Lagerung (http://www.ewn-gmbh.de/ewngruppe/wak/entsorgungsbetriebe/anlagen-und-einrichtungen/verpackung-und-lagerung.html?L=0) Beste Grüße
Und das siehst du an einer Außenaufnahme des Gebäudes? Respekt. Ich kann dir aber versichern, dass die Dicke der Gebäudewände im Meterbereich liegen. Ich arbeite zufällig in der von dir angesprochenen Anlage.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.