Windkraftanlagen Mit Holzbein hoch hinaus

Windräder wachsen immer höher, die riesigen einzelnen Ringe für die Stahltürme kann man irgendwann nicht mehr transportieren. Eine deutsche Firma hat eine Alternative: Sie setzt auf einen Turm aus Holz.

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TimberTower

Hannover - Schon von weitem sieht man die Flügel des Windrads aus dem schweren Herbstnebel ragen, der über Hannover liegt. Dass dies hier kein normales Windrad ist, fällt aber erst beim Näherkommen auf. Der Turm ist achteckig, und überall ragen kleine Drahtspitzen heraus. "Die brauchen wir, um Blitze abzuleiten", sagt Verena Meinen, während sie die Tür am Fuße des Turms aufschließt. Denn dieser Windradturm besteht aus Holz und kann elektrischen Strom nicht leiten. Er ist der erste seiner Art - weltweit.

100 Meter hoch ragt die Konstruktion der Firma TimberTower im Stadtteil Marienwerder in den Himmel. Von außen ist dem Korpus das für Windräder ungewöhnliche Material nicht anzusehen, weil der Turm mit einer weißen Abdeckfolie versiegelt ist. Kein Hightech übrigens, die Folie wird auch zur Isolierung von Häuserdächern verwendet, verrät Verena Meinen, die Assistentin des Geschäftsführers von TimberTower. Erst im Inneren des Turms erschließt sich, dass er tatsächlich aus einzelnen Platten besteht. Sie sind verklebt. "Dafür nutzen wir einen gängigen Zwei-Komponenten-Kleber, wie er auch im Hausbau verwendet wird."

Der Turm entsteht nach dem Baukastenprinzip: Auf dem Betonsockel - ebenfalls achteckig - wird ein Holzgerüst in die Höhe gezogen. Diese Stützkonstruktion verkleiden die Arbeiter nach und nach mit den 30 Zentimeter dicken, drei Meter breiten und 15 Meter langen Brettsperrholz-Elementen. Insgesamt besteht die Außenhaut des Turms aus nur 54 Platten. Darin steckt Holz aus etwa 1000 Bäumen, sagt Verena Meinen. Nach Aussage der Firma stammt es aus ökologisch zertifizierter Waldwirtschaft.

Schließlich sei Nachhaltigkeit eines der zentralen Anliegen des Unternehmens: "Der Holzturm ist ein Meilenstein auf dem Weg zu wirklich grüner Energie", ist Geschäftsführer Holger Giebel überzeugt. "Wir nutzen zu 99 Prozent nachwachsende Rohstoffe für eine Anlage, die regenerative Energie erzeugt."

Aber warum ausgerechnet Holz?

"Es ermüdet nicht so schnell wie Stahl", sagt Verena Meinen. Brücken wurden aus Holz gebaut, sogar neuerdings Hochhäuser. Auch Leif-Arne Peterson, Professor für Holzbau und Bauphysik an der FH Aachen, hält hölzerne Türme in Windkraftanlagen für einen vielversprechenden Ansatz: "Die Idee ist super." Im Windrad hat der Baustoff Holz Vorteile gegenüber Stahlkonstruktionen:

  • Ein Windrad mit Holzturm kostet um ein Fünftel weniger.
  • Holz entnimmt beim Wachsen der Atmosphäre Kohlendioxid. Die energieaufwendige Stahlproduktion verursacht große Mengen CO2.
  • Aufgrund seiner dämpfenden Eigenschaften ist es langlebiger als Stahl.
  • Holz ist einfacher zu transportieren und erlaubt höhere Türme.

Vor allem im letzten Punkt sehen die TimberTower- Leute einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil. Je höher das Windrad, desto breiter muss der Turm sein. Weil runde Stahltürme aus Ringen zusammengesetzt werden, stößt man hier an Grenzen. Irgendwann passen sie nicht mehr unter Brücken hindurch.

Der Holzturm hat dieses Größenproblem nicht. "Wenn wir höher bauen wollen, nehmen wir einfach mehr Holzplatten." Ihren Höhenvorteil wollen die TimberTower-Leute ab nächstem Jahr voll ausspielen. 140 Meter hoch soll das nächste Windrad werden. Sogar 160 Meter hält Giebel für machbar und will damit den Rekord überbieten, den derzeit ein Windrad im brandenburgischen Laasow hält. Es ist in der ungeliebten Gitterbauweise konstruiert. "Der Flaschenhals bei solchen Höhen ist für uns nur noch der Kran, mit dem man die Turbine nach oben bringt", sagt Meinen. Wenn dieses Problem gelöst ist, könnten künftig auch Windräder auf 200 Meter hohen Holztürmen Strom produzieren.

Wer im Inneren des Turms steht, hält solche Höhen für kaum vorstellbar. Der Blick durch die sich nach oben hin verengende 100-Meter- Röhre ist schwindelerregend. Unzählige hölzerne Zwischenebenen ziehen sich bis ganz hinauf. Ein Aufzug führt bis in die Turmspitze. Wird dieser zusammengeklebte Holzturm wirklich Wind und Wetter standhalten?

Ob der Turm hält, was er verspricht, wird sich zeigen

"Verschiedene Forschungsinstitute haben im Vorfeld die Stabilität des Klebers getestet", versichert Verena Meinen. Zudem ist der Turm vom TÜV geprüft. Ob er hält, was er verspricht, wird sich nun im Realitätscheck zeigen. Der Turm wird genauestens überwacht. Messsensoren im Holz werden die Verformungen, die Feuchtigkeit und die Krafteinwirkungen erfassen. "Ich bin gespannt auf die Ergebnisse", sagt Peterson.

Natürlich wird der Turm Strom produzieren, aber in erster Linie ist er Testobjekt. Wirtschaftlich wird er nicht sein. Genaue Zahlen nennt TimberTower nicht, aber Experten schätzen die Baukosten auf rund fünf Millionen Euro - das ist das Drei- bis Vierfache eines gängigen Windrads dieser Größenordnung. In der Summe stecken jedoch die gesamten Entwicklungskosten, in Serienfertigung würde er mit Sicherheit billiger. Dazu kommt ein weiterer Vorteil: Holz ist sehr langlebig. Stahlturm-Windräder müssen nach 20 Jahren zurückgebaut werden. TimberTower geht von der doppelten Lebensdauer seiner Türme aus.

Somit könnte das Windrad von Hannover womöglich noch erleben, dass sich Deutschlands Stromversorgung einmal komplett aus erneuerbaren Energien speist.

© Technology Review, Heise Zeitschriften Verlag, Hannover

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es in einem Zitat, dass Holztürme eine Lebensdauer von 20 Jahren haben. Verena Meinen von TimberTower bestreitet aber, dies im Gespräch mit dem Autor gesagt zu haben. Das Unternehmen geht nach ihrer Aussage von einer Lebensdauer von 40 Jahren aus.

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
fahrrad! 17.12.2012
1. Großatig!
Eine geniale Idee! Vor allem, da die meisten WEA Türme aus Stahlbeton gefertigt sind. Nur die Turmspitze besteht in der Regel aus Stahl. Die Recyclebarkeit ist dementsprechend sehr gering und der Aufwand dafür hoch. Holz hingegen kann man auch nach Jahrzehnten noch energetisch nutzen. Eine Frage an den Verfasser: welche Baumart liefert das benötigte Bauholz? Hier kann man sehen, wie der Stahlbetonmast einer Enercon WEA in Bochum demontiert wird: http://www.hansebubeforum.de/showtopic.php?threadid=11473&pagenum=5
tobiash 17.12.2012
2. Absolut...
... blauäugig, halbherzig recherchiert. Der Artikel könnte ohne Probleme aus dem TimberTower Werbeprospekt stammen. Warum nur Holz vor Ort zu verbinden sein soll, bleibt wohl immer ein Geheimnis des Autors. Ebenso die Frage, warum Stahltürme nach 20 Jahren zurück gebaut werden sollen. Das ist 1. nicht korrekt (nur die Typenprüfung geht von einer 20-jährigen Lebensdauer aus) und 2. völlig unabhängig von den verwendeten Materialien. Auch ein TimberTower wird nur für 20 Jahre zertifiziert, danach geht's nur mit einem Einzelgutachten weiter. Auch bezüglich der machbaren Höhen ist Holz insbesondere den Hybridtürmen (Beton/Stahl) klar unterlegen. Schade, dass der Autor das scheinbar gar nicht wissen wollte.
dliblegeips 17.12.2012
3. Ein kleiner Wald
Das Holz von tausend Bäumen für einen einzigen Turm. Dann ist man bald wieder soweit das man ganze Wälder abholzen muss um den Bedarf zu decken. Wie früher mit den Holzschiffen. Der Mittelmeerraum hat sich vom Raubbau in der Antike bis jetzt nicht erholt. Die Wälder wuchsen nicht nach. Dazu kam es sogar zu regionalem Klimawandel. Der meiste Niederschlag wurde vorher von Bäumen verdunstet. Sind die Bäume weg gibt es auch weniger Niederschlag. Ohne Niederschlag können keine neuen Bäume wachsen. Wenn schon Holz, dann müsste man Bambus nehmen. Das eignet sich ideal für solche Konstruktionen. Bambus muss einfach gegen Feuchtigkeit Geschütz werden. Der Bambus wächst auch innert nützlicher Frist nach.
fjr 17.12.2012
4. ökologisch? - wiederverwertbar ?
Ich habe das Wort "Kleber" mehrfach im Artikel gelesen. Dazu kommt mit Sicherheit ein erheblicher Aufwand an Holzschutz. Was soll da denn irgendwie wiederverwertbar sein. Abbruchholz dürfen Sie auch heute schon nicht mehr einfach verwerten. Es ist Sondermüll, auch wenn es aus einem 300 Jahre alten Bauwerk stammt und garantiert nicht mit chemischen Mitteln behandelt worden ist. Und vom Kleber nehme ich an, dass es nicht nur einfacher Mehlpapp oder Knochenleim ist, sondern dass er aus den Giftküchen der Chemischen Industrie stammt.
+.+ 17.12.2012
5.
Was mich mal interessieren würde: Kann ein Turm aus Holz auch in einem Sturm bestehen? Ist er genauso belastbar wie einer aus Stahl (oder mehr oder weniger?)
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