Fliegendes Gewächshaus Warum ein Satellit Tomaten im All züchtet

Der Forschungssatellit "Eu:CROPIS" soll im All Tomaten ziehen. Der Clou an dem Gerät: Das Mini-Ökosystem kann die Schwerkraft von unterschiedlichen Himmelskörpern simulieren.

"Eu:CROPIS" im All (künstlerische Darstellung)
DLR

"Eu:CROPIS" im All (künstlerische Darstellung)


Lange haben die Ingenieure und Techniker an der Metalltonne mit den vielen Kabeln und Drähten getüftelt, nun ist "Eu:CROPIS" fertig. Und bereit für seine große Reise. Gerade wurde der Forschungssatellit aus Bremen von Mitarbeitern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem Lastwagen verstaut.

Per Flugzeug geht es dann weiter nach Los Angeles. Voraussichtlich am 19. November soll der Satellit mit einer Rakete ins All starten. In 600 Kilometern Höhe wird er künftig um die Erde kreisen.

"Eu:CROPIS" wird Leben ins All bringen. Genauer: In seinem Innern sollen Tomaten unter verschiedenen Gravitationsbedingungen gedeihen. "Das wird sehr spannend", sagte Projektleiter Hartmut Müller. Jede Menge Mikroorganismen, die mit ins All fliegen, sollen dafür sorgen, dass aus künstlichem Urin ein bekömmlicher Dünger für die Tomaten entsteht. So soll erprobt werden, ob die Gemüsezucht zukünftig vielleicht auch auf bemannten Missionen eingesetzt werden kann und Raumfahrer so mit frischer Nahrung versorgt werden könnten.

Im Video: Satelliten - Helfer im Weltraum (BBC)

Damit das gelingt sind auch Augentierchen an Bord. Diese Einzeller (Euglena) werden das geschlossene System zusätzlich vor überschüssigem Ammoniak schützen und zudem Sauerstoff liefern. Für einen Tag- und Nachtrhythmus sorgt ein LED-Licht, ein Drucktank für irdische Atmosphäre. 16 Kameras werden die Wachstumsfortschritte der Pflanzen aufzeichnen. Erste Ergebnisse sollen voraussichtlich nächstes Jahr vorliegen.

Das fliegende Gewächshaus mit den Tomatensamen kann an verschiedene Bedingungen im All angepasst werden. Ein halbes Jahr wird die Schwerkraft des Mondes simuliert, ein halbes Jahr wird sie wie auf dem Mars sein. Der Satellit simuliert Gravitation, indem er rotiert. diese Gravitation, indem er rotiert.

DLR-Mitarbeiter verpacken den Forschungssatelliten
DPA

DLR-Mitarbeiter verpacken den Forschungssatelliten

Dabei kommt er ohne herkömmlichen Antrieb aus. Stattdessen nutzt er das Magnetfeld der Erde, von dem er sich mit Hilfe einer elektromagnetischen Spule abstößt.

Die Forscher erhoffen sich von der Erprobung des kleinen Ökosystems wichtige Erkenntnisse für künftige Raumfahrtmissionen zu den benachbarten Himmelskörpern - auch wenn die Tomaten von "Eu:CROPIS" nie jemand probieren wird.

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Gewächshaus "Eden ISS": Blühende Landschaften

Es sind aber nicht die ersten Bemühungen dieser Art. Auch auf der Internationalen Raumstation ISS laufen Experimente mit Pflanzenzucht - eines davon im russischen Teil. Die Amerikaner betreiben seit 2014 zudem ein Mini-Labor namens "Veggie" im europäischen "Columbus"-Modul der Station. Einige wenige Salatblätter wurden von den Astronauten schon verköstigt.

Besonders gut sprossen solche Weltraumpflanzen bisher aber nicht. Viele waren klein und unzureichend gewachsen, zudem schritt das Wachstum nur sehr langsam voran. Ob im All also wirklich Frisches wächst, das künftige Raumfahrergenerationen im großen Stil versorgen kann, muss sich erst noch rausstellen.

Hoffnungen weckte ein Experiment, dass seit einiger Zeit in der Antarktis läuft und das ebenfalls Erkenntnisse über Pflanzenzucht im All liefern soll. Das Projekt "Eden ISS", bei dem ein Gewächshaus im ewigen Eis an der Forschungsstation "Neumayer III" des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) steht, liefert inzwischen mehrere Kilo Frischware pro Woche.

joe/dpa



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