Wie Hunde trinken Dieses Schlabbern ist höhere Physik

Wenn Hunde trinken, wird's laut und feucht - weil viel daneben geht. Eine Analyse mit Hochgeschwindigkeitskameras zeigt nun, welche extremen Beschleunigungen dabei auftreten.

Purdue University

Was für ein Geschlabber: Wenn Hunde trinken, geht es nicht nur laut zu, es wird auch feucht. Denn ein Teil des Wassers landet nicht in ihrem Maul, sondern geht daneben. Wissenschaftler der Virginia Tech in Blacksburg haben die Trinktechnik von Hunden nun mit Hochgeschwindigkeitskameras untersucht.

Ergebnis: Nur dank der großen Beschleunigung der Zunge gelingt es den Tieren, genug Wasser ins Maul zu bekommen. Und die Spritzer rund um den Napf seien kaum zu vermeiden, berichten Sean Geart und seine Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Das Grundprinzip der Trinktechnik ist schon länger bekannt: Hunde tauchen die Zunge ins Wasser ein und ziehen sie dann schnell wieder heraus. Dabei bleibt Flüssigkeit an ihrer Zunge haften - eine kleine Wassersäule entsteht, die aus dem Napf herausragt. Im nächsten Moment schnappen die Hunde mit dem Maul zu - und haben die Wassersäule quasi von der Wasseroberfläche abgebissen.

Trinktechnik: Benetzte Zunge wird aus Wasser gezogen - eine Wassersäule entsteht, welche die Tiere mit einer Schnappbewegung ins Maul befördern
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Trinktechnik: Benetzte Zunge wird aus Wasser gezogen - eine Wassersäule entsteht, welche die Tiere mit einer Schnappbewegung ins Maul befördern

Auch Katzen nutzen eine solche Schlabbertechnik, wie Wissenschaftler bereits 2010 in einer Studie beschrieben hatten. Die neue Untersuchung bei Hunden zeigt nun, dass Katzen trotzdem etwas anders trinken als Hunde. Die Beschleunigung ihrer Zunge in der Aufwärtsbewegung betrage nur 1 bis 2 g, berichten die Forscher. 1 g entspricht der Beschleunigung auf der Erdoberfläche. Hundezungen hingegen erreichten Werte von bis zu 4 g. Man habe Geschwindigkeiten von 0,7 bis 1,8 Metern pro Sekunde gemessen.

Spritzer sind normal

Für die Studie hatten die Forscher 19 Hunde unterschiedlicher Größen und Rassen untersucht. Die Halter versenkten unter anderem wasserdichte Actionkameras in Wassernäpfen und filmten die Tiere beim Trinken zusätzlich von der Seite mit 120 Bildern pro Sekunde.

Hinzu kamen Versuche im Labor mit abgerundeten Zylindern unterschiedlicher Größe, die erst in Wasser getaucht und anschließend wieder schnell herausgezogen wurden. Dabei entstand wie bei der Zungenbewegung der Hunde eine Wassersäule. So konnten die Forscher beobachten, wie lang eine Säule werden kann, bevor sie abreißt und zusammenfällt.

Dass Hunde beim Trinken so viel spritzen, erklären Forscher unter anderem mit der nach außen gerollten Zunge (siehe Zeichnung oben). Dadurch vergrößert sich die mit Wasser benetzte Fläche auf der Zunge und damit auch das Volumen der Wassersäule.

Doch die Wölbung der Zunge verleiht dieser zugleich die Form einer Kelle. Und auch auf der nach oben zeigenden Zungenrückseite sammelt sich Wasser, das nach den Beobachtungen der Forscher nicht im Maul landet, sondern links und rechts wegspritzt. Katzen passiert das kaum - ihre Zunge ist allerdings in der Regel auch kleiner und wird nicht ganz so stark beschleunigt.

hda

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