Cape Canaveral - Bisher lief alles reibungslos: Am Freitag startete der Space Shuttle "Atlantis" seine letzte Mission ins Weltall. Bis zum Schluss war es ein Bangen, doch nach einer dreiminütigen Verzögerung hob die "Atlantis" bilderbuchmäßig ab. Neun Minuten später war sie im Weltall und erreichte schließlich die Umlaufbahn. Dort vollführte es einen Rückwärtssalto vor den Kameras der Internationalen Raumstation ISS, damit die Ingenieure die Außenhaut des Shuttles nach Beschädigungen absuchen können. Schlussendlich dockte das Raumschiff am Sonntag planmäßig an die ISS an.
Doch wenige Stunden nach dem geglückten Manöver warnt die Nasa nun vor einem Stück Weltraumschrott, dass der ISS gefährlich nahe kommen könnte. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert: Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Besatzung der ISS in einer "Sojus"-Kapsel in Sicherheit bringen müssen, weil ein Trümmerstück zu spät bemerkt worden war.
Sollte sich bestätigen, dass der Schrott Kurs auf die Raumstation nimmt, müsste die "Atlantis" die Raumstation mit ihren Schubdüsen aus der Gefahrenzone bewegen. Der Nasa zufolge könnte das Objekt, dessen Größe zunächst unbekannt war, am Dienstag in die Nähe der ISS kommen - just zu einer Zeit, in der auch ein Außeneinsatz geplant ist. Doch mit Gewissheit wissen es die Experten der US-Raumfahrtbehörde nicht: Der Weltraumschrott könnte die Station möglicherweise aber auch in sicherer Distanz passieren, sagte der Missionsleiter Leroy Cain am Sonntag. Eine Entscheidung darüber, ob die ISS bewegt werden müsse, würde am Montag gefällt werden, erklärte Cain.
Als die "Atlantis" am Sonntag an der ISS andockte, läutete die Besatzung an Bord der Internationalen Raumstation die Schiffsglocke zur Begrüßung. "Atlantis legt an", rief Astronaut Ronald Garan. "Ein letztes Mal, willkommen an Bord der Internationalen Raumstation."
"Es ist großartig hier zu sein", antwortete Shuttle-Kommandant Christopher Ferguson, der die kleine Vierer-Crew auf dem letzten Flug der Shuttle-Ära anführt - die nach über 30 Jahren mit der Rückkehr der "Atlantis" zur Erde endgültig zu Ende sein wird. So schwangen sowohl im All als auch am Boden eine Menge Emotionen mit, als sich "Atlantis" der Raumstation näherte. "Das ist es", erklärte Flugdirektor Kwatsi Alibaruho, als er sein OK für den letzten Andockvorgang der Shuttle-Ära gab.
Vorräte für ein Jahr
Es war das 46. Kopplungsmanöver einer Raumfähre mit einer Raumstation. Neun Mal machte ein Shuttle in den neunziger Jahren an der russischen Raumstation Mir fest - wobei die "Atlantis" das allererste Andockmanöver flog. Auch auf diese Erfahrungen aufbauend wurde in internationaler Zusammenarbeit in zwölfeinhalb Jahren mit der ISS der größte Raumkomplex in der Geschichte der Menschheit gebaut. Die Space-Shuttle-Flotte der Nasa leistete einen entscheidenden Beitrag dabei, die einzelnen Komponenten ins All zu bringen und zu montieren.
Dieses Mal liefert die "Atlantis" vier Tonnen Versorgungsgüter an die Raumstation, ein Vorrat für ein Jahr. Die kommenden sechs Tage werden die zehn Astronauten an Bord der ISS mit dem Ausladen beschäftigt sein.
Bei der letzten Reise eines Shuttles schickte die Nasa nur eine kleine Mannschaft ins All. Im Falle eines Defekts müssten die Astronauten diesmal wohl monatelang an Bord der ISS ausharren und warten, bis sie von russischen "Sojus"-Kapseln abgeholt werden. Bisher stand immer ein Shuttle für den Notfall bereit, das zügig zu einer Rettungsmission starten konnte. Doch weil die "Endeavour" und die "Discovery" nun nur noch als Museumsstücke dienen, ist dies nicht länger der Fall.
Die Crew soll über eine Woche an Bord der ISS bleiben. Der letzte Flug der "Atlantis" sollte ursprünglich zwölf Tage dauern, doch derzeit sieht es so aus, als würde die Nasa den Flug um einen Tag verlängern, um den Astronauten mehr Zeit für ihre Aufgaben zu geben - und das Ende der Shuttle-Ära um wenigstens einen Tag hinauszuzögern.
cib/dapd
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