Tschernobyl: Unglücksreaktor bekommt neuen Sarkophag

In Tschernobyl haben die Arbeiten für eine neue Schutzhülle an der AKW-Ruine begonnen. Ein Vierteljahrhundert nach der Atomkatastrophe erhält der explodierte Reaktor einen neuen Sarkophag. Deutschland gibt Geld dazu.

Atomkraftwerk Tschernobyl (im April 2010): Spenden für die Sicherheit Zur Großansicht
DPA

Atomkraftwerk Tschernobyl (im April 2010): Spenden für die Sicherheit

Kiew - Fast 26 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat die Ukraine mit dem Bau eines dringend benötigten neuen Sarkophags um den explodierten Reaktor begonnen. Im April sollten die ersten Bögen über der alten rissigen Schutzhülle aus Beton und Stahl zu sehen sein, sagte Zivilschutzminister Wiktor Baloga bei einem Treffen mit Präsident Wiktor Janukowitsch in der Hauptstadt Kiew. Der Bau solle bis 2015 abgeschlossen sein, teilte Janukowitsch am Samstag auf seiner Internetseite mit. An den Kosten von rund einer Milliarde Euro beteiligt sich auch Deutschland.

Janukowitsch unterzeichnete zudem ein Gesetz zum Bau eines Atommüllzwischenlagers in der Sperrzone um Tschernobyl. Etwa zehn Kilometer von dem explodierten Reaktor entfernt soll eine Deponie für verbrauchte Brennstäbe aus Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart entstehen, hieß es in einer Mitteilung. Eine maximale Lagerungsfrist wird in dem Gesetz nicht genannt. Derzeit transportiert die Ukraine den Müll aus ihren vier Atomkraftwerken nach Russland. Über Atomkraft stellt das Land knapp 50 Prozent seines Energiebedarfs sicher.

Anhaltendes Misstrauen

Die finanziell angeschlagene Ex-Sowjetrepublik hatte 2011 bei einer internationalen Tschernobyl-Geberkonferenz Spendenzusagen von rund 670 Millionen Euro erhalten. Der Tschernobyl-Block vier war am 26. April 1986 explodiert. Die Detonation wirbelte radioaktive Teilchen in die Luft, die Strahlung war 400-mal stärker als beim US-Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945. Mindestens 10.000 Menschen starben an den Folgen der Katastrophe. Von der Ukraine breitete sich die radioaktive Wolke über weite Teile Europas aus. Der letzte aktive Tschernobyl-Meiler war 2000 stillgelegt worden.

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist noch sehr präsent in Russland und der Ukraine - auch aufgrund der Lügen, die das Volk damals zu hören bekam. Bis heute misstrauen die Menschen in Russland ihrer Führung, wenn es um die Bewältigung von Krisensituationen geht.

boj/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
neuroheaven 05.03.2012
es wurde bereits in einer untersuchung und reportage aufgezeigt, dass im reaktorinneren kein nukleares material mehr existiert. im inneren wird keine strahlung generiert. es macht also für die umwelt und die umgebung keinen unterschied mehr, ob die hülle bleibt wie sie ist oder weiter vermodert. das nukleare material wurde von russischen spezialkräften kurz nach dem unglück geborgen und ward nie mehr gesehen. der bau der neuen hülle dient dem abgreifen von eu-subventionen und das befüllen der taschen einiger weniger. erschütternd, dass kaum darüber berichtet wird. schäm dich spon. mfg
2. Das Prinzip Verantwortung.
mr future 05.03.2012
Zitat von sysopIn Tschernobyl haben die Arbeiten für eine neue Schutzhülle an der AKW-Ruine begonnen. Ein Vierteljahrhundert nach der Atomkatastrophe erhält der explodierte Reaktor einen neuen Sarkophag. Deutschland gibt Geld dazu. Tschernobyl: Unglücksreaktor bekommt neuen Sarkophag - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,819280,00.html)
Aus welchem Grund gibt Deutschland Geld für die neue Schutzhülle? Wurde überhaupt jemals Schadensersatz von den den Betreibern an die Länder gezahlt, über denen entwichene Radioaktivität niederging? Da wo die Rentiere, die Haselnüsse und die Pilze nicht mehr zum Verzehr geeignet waren bzw noch immer nicht sind? Was ist mit dem Verursacherprinzip? re future
3. ...
Barath 05.03.2012
Zitat von mr futureAus welchem Grund gibt Deutschland Geld für die neue Schutzhülle? ... Was ist mit dem Verursacherprinzip? re future
Ich meine mal gehört zu haben, daß Tschernobyl auch z.T. aus deutscher Produktion war, und deswegen Deutschland zahlt. Ob das stimmt kann ich aber nicht sagen, habe da auch nach längerem Suchen nichts gefunden. Aber vielleicht weiß ja jemand hier im forum mehr dazu...
4. -
simie 05.03.2012
Zitat von BarathIch meine mal gehört zu haben, daß Tschernobyl auch z.T. aus deutscher Produktion war, und deswegen Deutschland zahlt. Ob das stimmt kann ich aber nicht sagen, habe da auch nach längerem Suchen nichts gefunden. Aber vielleicht weiß ja jemand hier im forum mehr dazu...
Das ist wohl sehr zu bezweifeln. Tchernobyl war ein Reaktor sowjetischer Bauart. Die Beteiligung Deutschlands und anderer westlicher Länder an dem Sarkophag beruht eher auf Eigennutz. Anders als behauptet strahlen die Überreste sehr wohl noch und der alte Sarkophag ist altersschwach. Ein Versagen könnte unter ungünstigen Umständen Auswirkungen bis nach Westeuropa haben. Da die Ukraine es allein wohl kaum geschafft hätte, sichert man auf diese Weise den Bau des neuen Sarkophags.
5. zur Info
vostei 05.03.2012
Zitat von BarathIch meine mal gehört zu haben, daß Tschernobyl auch z.T. aus deutscher Produktion war, und deswegen Deutschland zahlt. Ob das stimmt kann ich aber nicht sagen, habe da auch nach längerem Suchen nichts gefunden. Aber vielleicht weiß ja jemand hier im forum mehr dazu...
Tschernobyl und die Folgen (http://www.bmu.de/atomenergie_sicherheit/downloads/17_legislaturperiode/doc/5409.php) Mann nennt das internationale Zusammenarbeit und es basiert auf den Grundgedanken, dass die Ukraine alleine das Prob nicht hätte stemmen können.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Technik
RSS
alles zum Thema Tschernobyl
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 20 Kommentare


Leseraufruf

AP
Ein Erdbeben hat Japan erschüttert, unmittelbar danach traf eine Tsunami-Welle das Land. Sind Sie gerade vor Ort? Dann schildern Sie Ihre Erlebnisse, schicken Sie uns Bilder oder Videos!

Mit der Einsendung bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung zustimmen.