Von Angelika Franz
Die Minen wurden erst spät eingesetzt - aber ihre Wirkung war gewaltig: Erst Ende November 1944 begannen die Briten langsam mit der Verminung der Küstengewässer, erst 1945 intensivierten sie ihre Bemühungen. Als der Krieg endete, waren noch lange nicht alle Minen verlegt, die sich zudem nur in Küstennähe und nicht in tieferen Gewässern einsetzen ließen. Dennoch war die Wirkung der schwimmenden Sprengsätze enorm: Insgesamt liefen etwa 20 deutsche U-Boote auf die neu verlegten Felder - fast zwei pro Woche.
Für die Todesumstände der 241 an Bord gefallenen deutschen Marinesoldaten interessiert sich indes kaum jemand. Wahrscheinlich werden nicht einmal die Hinterbliebenen jener Soldaten, deren Todesorte nun lokalisiert sind, über die Funde der Boote informiert. Im August vergangenen Jahres berichtete zwar Odyssey Marine Exploration vorschriftsmäßig der deutschen Botschaft in Washington von ihren Ergebnissen. Die leitete den Fall weiter an die deutsche Botschaft in London.
Dort aber verliert sich die Spur. Bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) kam die Information nicht an, wie es auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE heißt. Die Dienststelle hätte aber auch nichts unternommen, wenn sie informiert gewesen wäre - zu oft schon hätten sich britische und amerikanische Historiker gemeldet, deren "Angaben nicht ohne weiteres als zutreffend gelten konnten, oftmals lediglich weitere spekulative Varianten über Bootsverluste darstellten und von uns wegen der uns nicht zur Verfügung stehenden historischen Dokumente nicht zu verifizieren waren", heißt es.
"Das Hin- und Herschieben von Verantwortung macht mich traurig"
Fehlanzeige auch beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). Die toten Soldaten liegen in sogenannten Seekriegsgräbern, die nicht gepflegt werden können. Sollten die Wracks jedoch geborgen werden, sei man gerne bereit, sich ihrer anzunehmen, heißt es von Seiten der VDK. Auch das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr weiß auf Anfrage von Nichts, verweist aber auf den VDK. Der Suchdienst der Deutschen Roten Kreuzes schließlich zeigt sich interessiert an den Ergebnissen - weist aber darauf hin, dass dies eigentlich die Zuständigkeit von WASt und VDK sei.
"Dieses Hin- und Herschieben von Verantwortung macht mich traurig", sagt Niestlé. "Die Familien der Soldaten, von denen viele seit Kriegsende als vermisst galten, haben die Toten nicht vergessen. Seemannsgräber schmücken zwar keine Rosen - aber nun hätten die Verwandten wenigstens einen konkreten Punkt in den Tiefen der See, auf den sie ihre Erinnerungen richten könnten."
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