Kim Jong Un sparte wie immer nicht mit großen Worten. "Superpräzise Angriffe" hätten die Drohnen geflogen, die vergangene Woche bei einer Militärübung zum Einsatz gekommen seien. Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete, der Staatschef habe die Übungsangriffe der unbemannten Kampfflugzeuge höchstselbst befehligt. Bei den Flugrouten habe man "an Ziele in Südkorea gedacht", sagte der Diktator.
Zwar blieb - wie bei den meisten von Pjöngjangs Rüstungstechnik-Prahlereien - offen, was Wahrheit und was Phantasie war. Doch die Episode zeigt: Drohnen sind en vogue. Kein Staat, der militärisch etwas auf sich hält, mag auf lange Sicht auf die fliegenden Killer verzichten. Die Folge: Insbesondere Schwellenländer liefern sich inzwischen einen veritablen Wettlauf bei der Entwicklung von Kampfdrohnen.
Während eine ganze Reihe von Staaten bereits unbewaffnete UAS (Unmanned Aerial Systems) besitzen, haben die USA bisher praktisch das Monopol auf bewaffnete Drohnen. Die "Predator" und die größere "Reaper" gelten derzeit als die einzigen einsatzfähigen Modelle - abgesehen von der israelischen "Heron", die inoffiziellen Berichten zufolge auch schon bewaffnet geflogen sein soll.
Das Monopol der USA fällt
Wer nicht der Nato angehört, hatte bisher kaum eine Chance, Mitglied im Kampfdrohnen-Club zu werden. Allerdings gilt es als sicher, dass die unbemannten Waffenplattformen künftig eine militärische Schlüsselrolle spielen werden. Die Folge: Gleich eine ganze Reihe Länder arbeiten an eigenen Systemen.
Westliche Experten befürchten, dass die Billig-Kampfdrohnen aus Schwellenländern in Zukunft die Märkte fluten und dabei auch in die falschen Hände gelangen könnten. Ein Vertreter der chinesischen Firma Alit etwa gab im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE freimütig zu, dass man Kampfdrohnen auch in Asien und Afrika vermarkten werde.
Sogar kriminelle Organisationen könnten sich für die unbemannten Killer interessieren. Besonders verlockend für Ganoven: Bei einem Angriff mit einer Drohne, die aus weit verbreiteten Bauteilen besteht, wäre der Urheber kaum noch auszumachen. Ein solches Szenario hat der US-Autor Daniel Suarez jüngst in seinem Thriller "Kill Decision" beschrieben - der Terror, unberechenbar und anonym, werde den Himmel erreichen.
Angst vor gekaperten Billig-Kampfdrohnen
Experten wittern noch eine weitere Bedrohung: Die Verbreitung von Billigdrohnen dürfte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass unbemannte Fluggeräte elektronisch gekapert werden. "Je billiger sie produziert werden, desto größer ist die Gefahr, dass unzertifizierte, vergleichsweise leicht zu knackende Standardsoftware eingesetzt wird", warnte ein Fachmann auf der Idex.
Andy Müller-Maguhn, langjähriges Vorstandsmitglied des Chaos Computer Clubs, sieht das ähnlich: "Die elektronische Kriegsführung, auch die gegen Flugzeuge, ist ein seit Jahrzehnten entwickeltes Verfahren", sagt der IT-Sicherheitsberater. Moderne Drohnen seien verwundbar. "Ihre Systeme enthalten zahlreiche elektronische Komponenten und Millionen Zeilen Programmcode unterschiedlicher Anbieter", sagt Müller-Maguhn. "Es ist deshalb schwierig bis unmöglich, die Integrität eines solchen Systems zu garantieren."
Ein denkbares Einfallstor zum Beispiel seien die Energiesparfunktionen auf Computerchips, die Teile der Prozessoren abschalten können, um Stromverbrauch und Hitzeentwicklung zu senken. Müller-Maguhn hält es für möglich, diese Schalter von außen zu manipulieren. Noch größere Sicherheitslücken lauerten in der Bodenstation: Wiederholt wurden der Befall durch Viren und Trojaner sowie Systemausfälle bekannt. "Von sauberen IT-Systemen", meint Müller-Maguhn, "kann man da kaum sprechen."
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