Ufo-Alarm: Explodierte Rakete blamiert Russlands Militär

War es ein Ufo? Ein Meteor? Norwegen wundert sich über ein bizarres Lichtspektakel am Nachthimmel - das sich jetzt als gescheiterter russischer Raketentest entpuppt. Das neue U-Boot-Atomgeschoss "Bulawa" hat erneut versagt. Die Zweifel an der Rüstungsindustrie des Landes wachsen.

Moskau - Plötzlich erhellte ein gespenstisches Licht den Nachthimmel über der norwegischen Stadt Tromsø. Eine gleißende, rotierende Spirale mit rasantem Tempo war zu sehen - die sich dann von innen nach außen auflöste.

So mancher Skandinavier glaubte in der Nacht zu diesem Donnerstag zunächst an außerirdischen Besuch. Wild wurde spekuliert, von einem Meteor und sogar von einem Ufo war die Rede.

Doch die Ursache der Erscheinung war ein russischer Fehlschuss. Das U-Boot "Dmitrij Donskoj" hatte im Weißen Meer eine Interkontinentalrakete vom Typ SS-N-30 "Bulawa" abgefeuert. Der Waffentest verlief nicht nach Plan, berichten die Zeitungen "Kommersant" und "Wedomosti" unter Berufung auf Verteidigungsinsider. Die Rakete sei in der Luft explodiert - was den mysteriösen Lichtblitz über Norwegen erklären dürfte.

Die für den Einsatz an Bord von U-Booten konzipierte "Bulawa" spielt eine zentrale Rolle bei der Modernisierung des alternden russischen Atomwaffenarsenals. Die neue Rakete ist auf eine Reichweite von 8000 Kilometern ausgelegt und kann zehn Atomsprengköpfe tragen. Sie ist die für den Seeeinsatz angepasste Version der neuen russischen Interkontinentalrakete vom Typ Topol-M und soll nach den Ankündigungen des russischen Militärs jedes Abwehrsystem überwinden können.

Experte: Russland könnte Status der globalen Atommacht verlieren

Die bisherigen Tests des angeblichen Wundergeschosses waren für die Russen allerdings ziemlich blamabel. Der Versuch am Mittwoch war nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax schon der siebte Fehlschlag bei bisher zwölf Tests. Andere Quellen zählen neun Fehlschüsse in 13 Versuchen. Das russische Verteidigungsministerium hat bestätigt, dass eine "Instabilität" im Motor der dritten Stufe zum Versagen der Rakete führte.

Zuletzt war im Juli ein Test einer "Bulawa"-Rakete missglückt. Danach trat Juri Solomonow zurück, der Direktor des Moskauer Instituts für thermale Technologie, das für die Entwicklung der "Bulawa" verantwortlich ist. Bei seiner Abberufung könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der Zeitpunkt für technische Rückschläge gerade nicht der beste ist - denn die USA und Russland verhandeln seit Monaten über ein neues Abkommen zur Rüstungskontrolle, das dem "Start"-Vertrag von 1991 nachfolgen soll. Dieser ist am 5. Dezember ausgelaufen.

Der russische Militärexperte Pavel Felgenhauer nennt den erneuten Misserfolg "wirklich peinlich" und sieht die Glaubwürdigkeit von Russlands Arsenal an Abschreckungswaffen gefährdet: "Bis zum Jahr 2030 könnte Russland seine Stellung als globale Atommacht verlieren, wenn diese Probleme nicht gelöst werden." Die "Bulawa"-Rakete werde möglicherweise nie funktionieren. "Die russische Rüstungsindustrie ist so weit zerfallen, dass sie ein solch kompliziertes System einfach nicht mehr herstellen kann. Die Technologie und die Expertise sind verlorengegangen."

Allerdings kann Felgenhauer dem erneuten Misserfolg auch etwas Gutes abgewinnen: Die spektakulären Lichter am Himmel "waren ein schönes Feuerwerk für die Norweger".

mbe/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
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1. das ist prima
seine_unermesslichkeit 10.12.2009
Zitat von sysopWar es ein Ufo? Ein Meteor? Norwegen wundert sich über ein bizarres Lichtspektakel am Nachthimmel - das sich jetzt als gescheiterter russischer Raketentest entpuppt. Das neue U-Boot-Atomgeschoss "Bulawa" hat erneut versagt. Die Zweifel an der Rüstungsindustrie des Landes wachsen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,666316,00.html
Eine überaus erfreuliche Nachricht ist das. Russland ist keine Demokratie. Neue strategische Atomraketen aus russischer Fertigung sind also nur dann gute Raketen, wenn sie nicht funktionieren!
2. Wer weiß ?
Antaris 10.12.2009
Jedenfalls haben die Russen eben gerade den erfolgreichen Start einer Topol RS-12M um 13,35 MEZ gemeldet. Was auch immer diese erstaunliche Himmelerscheinung bewirkt haben mag, sie war sensationell anzusehen. Wudi, ich rufe dich! Du lebst doch in Norwegen, hilf uns auf die Sprünge!
3. Rakete fürs Ego
Eutighofer 10.12.2009
Statt Milliarden für die Aufpolierung des eigenen Egos mit Raketen zu investieren, sollten Putin und Co. doch besser mit der EU zusammenarbeiten , das Geld für Raketen, die nicht funktionieren, könnte sinnvoller in die russische Infrastruktur investiert werden. Für Machtspielchen hat Russland einfach zu wenig Geld, die Bevölkerung schrumpft ohnehin. Echte Kooperation mit der EU würde zum Vorteil aller sein. Klar, auf Supermachtgehabe müsste man dann eventuell verzichten.
4. .
kuchenbob 10.12.2009
Ich hätte nicht gedacht, dass die Russen einfach so zugeben, dass ein solch wichtiges militärisches Projekt schief gegangen ist. Ist das nicht unüblich?
5. UFO_Alarm
dieter schulz 10.12.2009
Was soll der Quark.Unsere Genossen Komsomolzen werden doch noch genug ,,Alte" haben !!!!?
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