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Ukraine: Größtes AKW meldet erneut Panne

Kontrollraum des AKW Saporischja: Erneut eine Panne gemeldet Zur Großansicht
REUTERS

Kontrollraum des AKW Saporischja: Erneut eine Panne gemeldet

Am Atomkraftwerk Saporischja in der Ukraine gab es wenige Wochen nach einer Panne erneut ein technisches Problem: Einer der Reaktoren musste abgeschaltet werden. Erhöhte Radioaktivität ist nicht aufgetreten.

Kiew - Im größten Atomkraftwerk der Ukraine ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ein Reaktor nach einer Panne abgeschaltet worden. Am Kraftwerk Saporischja im Südosten des Landes wurde der sechste Reaktorblock am Sonntagmorgen vom internen Schutzmechanismus des Generators vom Netz genommen. Dadurch solle der Reaktor vor Schäden geschützt werden, teilte der Staatskonzern Energoatom mit. Eine erhöhte Strahlung sei nicht gemessen worden, die anderen fünf Reaktoren funktionierten normal.

Der Grund für die Abschaltung sei eine Störung des Transformators, sagte Energieminister Wolodimir Demtschischin. "Dies ist ein technisches Problem, das in wenigen Tagen behoben sein wird."

Nach Informationen des Bundesumweltministeriums ereignete sich der Vorfall im nichtnuklearen Teil der Anlage. Von dem Kraftwerk gingen derzeit keine Gefahren aus, erklärte Staatssekretär Jochen Flasbarth am Sonntag in Berlin. Zudem seien die 1800 Messstellen des deutschen Mess- und Informationssystems zur Überwachung der Umweltradioaktivität überprüft worden. "Es zeigten sich keinerlei erhöhte Messwerte", erklärte Flasbarth.

200 Kilometer westlich der umkämpften Rebellenhochburgen

Anfang Dezember hatte eine Panne in Saporischja für große Aufregung gesorgt. Nach Angaben der ukrainischen Behörden war es in einem der Reaktoren zu einem Kurzschluss im Stromverteilungssystem gekommen. Die Panne wurde auf einer Skala von 0 ("Abweichung") bis 7 ("katastrophaler Unfall") der Stufe 0 zugeordnet - als Ereignis ohne sicherheitstechnische Bedeutung.

Das AKW Saporischja stellt 22 Prozent der Stromversorgung der Ukraine. Es liegt etwa 200 Kilometer westlich der umkämpften Rebellenhochburgen in der Ostukraine. Umweltschützer äußerten sich schon mehrfach besorgt über die Nähe des Konfliktes zu dem Atomkraftwerk.

Die Ukraine war im April 1986 Schauplatz eines folgenschweren Atomunfalls. Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl war explodiert. Die Detonation wirbelte radioaktive Teilchen in die Luft, die Strahlung war 400-mal stärker als beim US-Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945.

wbr/AFP/dpa

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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
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In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
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Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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