"Ultra Mega Solar Power Plant"  Indien baut weltgrößte Solaranlage

Wenn keiner schneller ist, schafft Indien den Rekord: Spätestens in acht Jahren soll eine 4000-Megawatt-Anlage in der Provinz Rajasthan im Westen des Landes ihren Betrieb aufnehmen. Es wäre die größte Einzelanlage der Welt.

REUTERS

Als besonders klimafreundlicher Staat ist Indien nicht bekannt. Gerade erst meldeten indische Großstädte dramatische Feinstaub-Werte, die Luftverschmutzung war zeitweise sogar schlimmer als in China. Deutsche Grenzwerte wurden um mehr als das 20fache überschritten. Auf der anderen Seite Indien erklärt seit langem, im Bereich der Solarenergie eine weltweite Spitzenposition einnehmen zu wollen. 2010 startete die Regierung etwa eigens ein Solarenergieprogramm, dennoch konnte sich die Wirtschaftsmacht bislang nicht unabhängiger von Energieträgern wie Kohle und Öl machen. Jetzt hat Indien angekündigt, eine 4000-Megawatt-Solaranlage zu bauen - es wäre die größte der Welt.

Schon in sieben Jahren soll "Ultra Mega Solar Power Plant" fertig sein, berichtet das Fachblatt "Nature" (online). Bebaut werden soll eine Fläche von mehr als 77 Quadratkilometern - größer noch als ganz Manhattan.

Derzeit gehen 20 Prozent Strom verloren

Für das Projekt haben sich sechs indische Unternehmen und die Regierung zusammengeschlossen, der Bau soll rund 4,4 Milliarden US-Dollar kosten. Als Standort ist die Region um den Salt Lake Sambhar im Bundesstaat Rajasthan vorgesehen.

Das Solar-Photovoltaik-Kraftwerk soll eine geschätzte Lebensdauer von 25 Jahren haben und voraussichtlich 6,4 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr liefern. Dadurch könnten sich Indiens Kohlendioxid-Emissionen um mehr als 4 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren, schätzt Parimita Mohanty, Forscher des Energy and Resources Institute (TERI) in New Delhi.

Mittels Satellitenbildern hat Indien sein Potential für die Solarenergieproduktion ermittelt, an 51 Messstellen wurde außerdem die Sonnenstrahlung gemessen. In die endgültige Analyse wurden zusätzlich die Daten von 45 meteorologischen Observatorien eingebunden.

Umweltschützer kritisieren das grüne Mega-Projekt. "Wir glauben nicht, dass dies der richtige Weg ist", sagt Chandra Bhushan, stellvertretender Generaldirektor eines Think-Tank für Wissenschaft und Umwelt in Neu-Delhi. "4.000 Megawatt in ein bereits undichtes Netz zu stecken, in dem derzeit 20 Prozent der Elektrizität bei Übertragung und Verteilung verschwendet wird und verloren geht, ergibt wenig Sinn ", sagt er. Derzeit hätten immer noch 50 Prozent der Menschen in Indien keinen Zugang zu Elektrizität.

Gigantischer grüner Ehrgeiz

Ein dezentraler Solar-Ansatz, bei dem mehrere kleinere Projekte in ländlichen Gebieten Strom erzeugen, hätte sicherlich den größeren gesellschaftlichen Nutzen, sagt Bhushan.

Rajendra Pachauri, Generaldirektor des TERI und Vorsitzender des Intergovernmental Panel on Climate Change, erklärte hingegen, dass man weiterhin beide Ansätze verfolgen solle, den großen und den dezentralen. "Indien muss weltweit führend in der Produktion und Nutzung der Sonnenenergie werden." Es sollen Technologien für die zentrale Stromerzeugung entwickelt werden, aber auch Millionen von kleinen, dezentralen Anwendungen entstehen."

nik



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insgesamt 23 Beiträge
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lef 05.02.2014
1. Typisch indisches Projekt.
Nirgendwo sah ich größere Gegensätze, schreiende Armut neben größtklotzigem Reichtum. Also konsequent: Geballte Energiedichte hier und Kerzenlicht wohl gleich daneben bis hin zum Rest dieses Subkontinentes in größten Teilen. 4,4 Mrd.$ für 4 gW Leistung sind normal - zu dem Preis kann ich auch hier PV kaufen und mir aufs Dach schrauben - 1000€/kWp kosten mich ca. 8 ct/kWh. (20 Jahre, ohne Nebenkosten gerechnet). Insofern wäre die Anlage durchaus gut teilbar (dezentral zu bauen). Neben dem enormen Flächenverbrauch, teuren Stromtrassen usw. ist das also auch dort weit teurer, als der (wohl hauptsächlich Kohle-) Strom, mit der die Teile (ob PV oder Spiegel ff) hergestellt wurden (und die Umweltverschmutzung daraus ist auch hier inklusive zu sehen). IMHO also ein Unsinnprojekt - nicht anders, nur größer als all das, was sonstwo (ob Energiewende genannt oder nicht) fabriziert wurde. Ob Indien da nicht einfach den Zug der Zeit verpasst hat? In Europa wird gerade kräftig zurück gefahren....
günter1934 05.02.2014
2. Vier GWp
Vier GWp zu bauen in 8 Jahren, das ist wohl kaum ein Megaprojekt. In Deutschland sind inzwischen 35 GWp installiert und jedes Jahr kommen mehr als 4 GWp dazu.
rkinfo 06.02.2014
3. Sinnvolle Großanlage statt Gaga Dächer
So eine Großanlage kann auch sinnvoller im 380kV Netz einspeisen als Bonsai Anlagen wie bei uns im 230 V Einphasen Netz. Ok, vielleicht wären auch 4*1.000 MW genauso wirtschaftlich sinnvoll.
d708 06.02.2014
4. Vorteil
Der einzige Vorteil wäre das die Wartung auch nur zentral erfolgen müsste. Allerdings würde mich die effizenz mehr interessieren, als der grüne Strom. Aber soviele Ressourcen um alle Inder und Chinesen mit solarstrom zuversorgen haben wir sowieso nicht.
litholas 06.02.2014
5. ...
Zitat von sysopREUTERSWenn keiner schneller ist, schafft Indien den Rekord: Spätestens in acht Jahren soll eine 4000-Megawatt-Anlage in der Provinz Rajasthan im Westen des Landes ihren Betrieb aufnehmen. Es wäre die größte Einzelanlage der Welt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ultra-mega-solar-power-plant-indien-baut-weltgroesste-solaranlage-a-951652.html
Was putzen denn die Leute auf dem Foto? Solarzellen sind das nicht.
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