Umweltbundesamt-Studie Ökostrom soll Deutschland bis 2050 komplett versorgen können

Erneuerbare Energien können Deutschlands Stromhunger schon in naher Zukunft vollständig stillen - das besagt eine Studie, die das Umweltbundesamt jetzt veröffentlicht hat. Schon bei einer konservativen Rechnung ist es demnach möglich, bis 2050 von fossilen Energien loszukommen.

Solarzellen: Laut Studie könnten erneuerbare Energien Deutschland komplett versorgen
DDP

Solarzellen: Laut Studie könnten erneuerbare Energien Deutschland komplett versorgen


Berlin - Bis zum Jahr 2050 lässt sich die deutsche Stromversorgung nach einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) vollständig auf erneuerbare Energien umstellen. "Das ist bereits mit der heute verfügbaren Technik möglich. Deutschland kann jederzeit und vollständig aus erneuerbaren Energien versorgt werden", sagte UBA- Präsident Jochen Flasbarth am Mittwoch in Berlin. Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur benötige allerdings Zeit.

Bislang ist die Stromerzeugung für mehr als 40 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Um den CO2- Ausstoß auf Null zu verringern, müsste eine vollständige Umstellung von herkömmlichen auf erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Wasserkraft sowie Wind- und Solarenergie erfolgen, sagte Flasbarth. "Je früher und entschlossener wir handeln, desto mehr Zeit bleibt uns für die notwendigen technischen und gesellschaftlichen Anpassungen."

Die vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) durchgeführte Studie sei die erste, die die technisch-ökologische Machbarkeit der kompletten Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien darstelle. Auf Grundlage der Jahre 2006 bis 2009 seien die Zahlen durchgerechnet worden - unter Einbeziehung von besonderen Wetterextremen wie einer Windflaute vor drei Jahren.

Der UBA-Chef betonte, dass man konservativ gerechnet habe. "Wir haben keine Technologiesprünge unterstellt, obwohl man angesichts von vier Dekaden Unterschied davon ausgehen kann." Fachbereichsleiter Harry Lehmann erklärte: "Wir sind heute bei den erneuerbaren Energien gleichsam bei der Diesellok angekommen." Es sei noch viel Platz für Entwicklungen.

Eine Kostenbetrachtung sei nicht vorgenommen worden - "allerdings fühlen wir uns auf der sicheren Seite, wenn wir sagen, dass die Kosten für die Umstellung geringer sind als die Kosten für den Klimawandel", sagte Flasbarth. Auch rechne man mit enormen Arbeitsplatzeffekten durch den Ausbau erneuerbarer Energien.

Drei Szenarien

2050 sei ein realistischer Zeitpunkt, um das langfristige Ziel zu erreichen. Das Umweltbundesamt sieht die schwarz-gelbe Regierung auf dem richtigen Weg. "Der Koalitionsvertrag ist eindeutig und gut. Ich sehe keine Unverträglichkeit unseres Ziels mit dem, was sich die Bundesregierung vorgenommen hat", sagte Flasbarth. Eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken sei allerdings weder förderlich noch hilfreich. Der Umbau der Stromerzeugung erfordere entschlossenes politisches Handeln.

Das UBA untersucht die vollständige Umstellung der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien in drei Grundszenarien. Im jetzt vorgelegten Szenario "Regionenverbund" stimmen alle Regionen Deutschlands die unterschiedlichen Erzeugungsarten der erneuerbaren Energien, die Speicher und das Lastmanagement genau aufeinander ab. Ziel dieser Koordination ist es, Fluktuationen auszugleichen, wie sie etwa bei Wind- oder Solarenergie auftreten.

Die Wissenschaftler des IWES haben dieses Szenario stundengenau modelliert und berechnet. "Nach dem Ergebnis kann die Stromversorgung bis 2050 vollständig auf erneuerbaren Energien basieren und die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet werden", berichtet Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts. Demnächst sollen zudem zwei Alternativen vorgestellt werden: die Szenarien "Großtechnologie" (europaweite Zusammenarbeit) sowie "Autarkie" (lokale Stromerzeugung).

Erst am Dienstag hatte die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission Zahlen veröffentlicht, laut denen der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Europa im vergangenen Jahr kräftig zugelegt hat.

mbe/dpa/ddp

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