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Umweltschutz: Schwimmbarrieren sollen Müll aus Meer fischen

Projekt gegen Plastikmüll: Schwimmender Müllsammler Fotos
TheOceanCleanup.com

2050 dürfte es mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen geben, warnen Forscher. Jetzt macht ein 21-jähriger seine Idee wahr: Hundert Kilometer lange Planken, die im Meer treiben, sollen den Müll einfangen.

Eines der größten Umweltprobleme ist geradezu unsichtbar. In den Ozeanen treiben - knapp unter ihrer Oberfläche - Abermilliarden Müllpartikel.

Bis 2050 werde - bezogen aufs Gewicht - mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fisch, behauptet eine Studie der Ellen-MacArthur-Stiftung, die am Dienstag zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos vorgestellt wurde. Der Plastikmüll stammt hauptsächlich von Verpackungsmaterial.

Schon jetzt gelangten jedes Jahr mindestens acht Millionen Tonnen Plastik in die Meere. Dies entspreche einer Lkw-Ladung Plastikmüll pro Minute. Würde nicht gehandelt, stiege die Menge bis Mitte des Jahrhunderts auf vier Lkw-Ladungen pro Minute. Größere Segmente zerfallen nach und nach in immer kleinere Stücke - die Partikel sind eine Gefahr für Tiere.

Ein mit Spenden finanziertes Großprojekt soll das Müllproblem begrenzen. Schwimmende Barrieren könnten gigantische Mengen des treibenden Abfalls aus den Meeren fischen, meinen die Entwickler von "The Ocean Cleanup".

In Probebecken und vor den Azoren wurden kleinere Anlagen bereits getestet. In den kommenden Wochen sollen vor den Niederlanden und Japan größere Experimente im offenen Meer folgen. In vier Jahren würden die Abfangbarrieren nach Aussage ihres Erfinders, dem 21-jährigen Boyan Slat, regulär in Betrieb gehen.

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4  Bilder
Plastikabfall: Der Müll im Meer
Eine hundert Kilometer lange Barriere könnte binnen zehn Jahren nahezu die Hälfte des gigantischen Müllstrudels im Pazifik abfischen, sagen die Projektleiter. Die Kosten beliefen sich auf 4,50 Euro pro Kilo.

Die Anlagen erscheinen beeindruckend simpel: Luftgefüllte Planken, an deren Unterseite ein harter Schirm senkrecht ins Wasser ragt, treiben in V-Form auf dem Wasser. Müll, der von Strömung gegen die Barriere getrieben wird, bleibt gefangen, er sammelt sich im Zentrum des V. Dort fängt er sich in einem Behälter, dessen Inhalt regelmäßig mit Schiffen entsorgt werden soll.

Lebewesen entkämen den Barrieren, betonen die Ingenieure. Sie würden von der Meeresströmung unter den Barrieren durchgedrückt. Mit Plastik aber passiere das Gegenteil: Es sei leichter als Wasser - und schwimme auf, sobald es an den Widerstand gerate.

Am effektivsten wäre, die Barrieren nahe der Küsten einzusetzen, schreiben Forscher jetzt in den "Environmental Research Letters". So ließe sich verhindern, dass der Müll ins offene Meer treibe; von den Küsten stammten die größten Müllmengen.

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boj

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Effizienz?
teijin 20.01.2016
Woher der meiste Müll stammt, zeigt die Karte ja deutlich. Warum den Müll in den entwickelten Ländern für 4,50 €/kg aus dem Meer fischen, wenn Menschen in Pakistan, Indien, Indonesien oder Afrika froh sind, für 4,50 pro Tag einen Job zu bekommen, in dem sie täglich 50 kg einsammeln? Und noch dankbar sind, einen Job zu haben.
2. Wie wird gewährleistet....
trader_07 20.01.2016
Wie wird gewährleistet, dass keine Schiffe jeglicher Couleur (vom Segelboot bis zum Tanker) in eine hundert Kilometer (!) breite Barriere reinfahren?
3.
Celegorm 20.01.2016
Die entscheidende Frage wäre wohl, was mit dem einsammelten Müll anschliessend passiert. Was automatisch zum Kern des Problems führt: Gewässer werden ja nicht aus heiterem Himmel vermüllt, sondern aufgrund inexistenter oder mangelhafter Entsorgungssysteme bzw. deren Durchsetzung. Wenn dies nicht gegeben ist erscheint das Einsammeln im Meer wie eine sinnlose Sisyphus-Arbeit..
4. Richtig, aber...
kodiak 20.01.2016
...sehr viel Müll schwimmt in großen Strudeln auf dem Meer. Der kommt nicht an Land. Es ist aber sicher eine gute Idee beides zu machen.
5. Warum nicht das Übel an der Wurzel packen....
fxe1200 20.01.2016
...und Plastik jeglicher Nature mit einem saftigem Pfand belegen, weltweit. Ein Fall für die leider stets untätige UNO. Solange Milliarden auf dieser Erde leben, die nicht von zwölf bis Mittag denken können, muss eine solche Lösung her und international durchgesetzt werden.
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