Unfälle in Atomkraftwerken Chronologie des Schreckens

Wie sicher ist Atomkraft? Immer wieder kommt es in Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungsanlagen zu Störfällen. Eine Aufstellung schwerer Zwischenfälle.

Atomkatastrophe in Tschernobyl (Archivbild vom Okt. 1986)
DPA

Atomkatastrophe in Tschernobyl (Archivbild vom Okt. 1986)


Kanada, Dezember 1952: In einem Reaktor in Chalk River bei Ottawa kommt es zu einer schweren Explosion. Der Reaktorkern wird bei einer partiellen Kernschmelze zerstört.

Russland, September 1957: In einer Wiederaufbereitungsanlage in Kyschtym explodiert ein Tank mit radioaktiven Abfällen. Dabei werden große Mengen an radioaktiven Substanzen freigesetzt.

Großbritannien, Oktober 1957: Im Kernreaktor in Windscale - ab 1983 Sellafield genannt - wird nach einem Brand eine radioaktive Wolke freigesetzt, die sich über Europa verteilt.

Großbritannien, Juli 1973: Wieder kommt es in der Wiederaufarbeitungsanlage Windscale zu einer schweren Explosion, bei der ein großer Teil der Anlage kontaminiert wird.

Deutschland, Januar 1977: Kurzschlüsse in zwei Hochspannungsleitungen führen im Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern zu einem Totalschaden. Das Reaktorgebäude ist mit radioaktivem Kühlwasser verseucht.

USA, März 1979: Maschinen- und Bedienungsfehler führen im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg zum Ausfall der Reaktorkühlung, die eine partielle Kernschmelze und die Freisetzung von radioaktiven Gasen zur Folge hat.

Sowjetunion, April 1986: Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl. Der radioaktive Niederschlag geht auch in Deutschland nieder. Das Ausmaß der Folgen ist bis heute unklar. Fachleute geben die Zahl der zu erwartenden Toten mit zwischen 4000 und 100.000 an. 4000 Menschen erkrankten infolge des Unfalls an Schilddrüsenkrebs.

Japan, September 1999: In einem Brennelementewerk in der Stadt Tokaimura setzt nach einer unvorschriftsmäßigen Befüllung eines Vorbereitungstanks eine unkontrollierte Kettenreaktion ein. Starke radioaktive Strahlung tritt aus.

Tschechien, Oktober 2000: Das umstrittene Atomkraftwerk Temelin geht ans Netz. Bis Anfang August 2006 werden von der Anlage fast hundert Störfälle gemeldet.

Deutschland, Dezember 2001: Eine Wasserstoffexplosion verursacht im Atomkraftwerk Brunsbüttel einen Störfall. Der Reaktor wird erst auf Drängen der Kontrollbehörden im Februar 2002 zur Inspektion vom Netz genommen.

Schweden, Juli 2006: Nach einem Kurzschluss wird im Kernkraftwerk Forsmark einer von drei Reaktoren automatisch von der Stromversorgung getrennt. Der Reaktor wird heruntergefahren.

Deutschland, Juli 2009: Der Reaktor Krümmel in Schleswig Holstein wird nach einem Kurzschluss im Maschinentransformator per Schnellabschaltung vom Netz genommen. Ein baugleicher Transformator war Ende Juni 2007 nach einem Kurzschluss in Brand geraten.

Japan, März 2011: Im Atomkraftwerk Fukushima fällt nach einem schweren Erdbeben die Kühlanlage aus, Stunden später kommt es zu einer schweren Explosion, ein Indiz für eine mögliche Kernschmelze.

jul/dapd



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
jamon 12.03.2011
1. ...
Zitat von sysopWie sicher ist Atomkraft? Immer wieder kommt es in Kernkraftwerken und Wiederaufbereitungsanlagen zu Störfällen. Im folgenden eine Aufstellung schwerer Zwischenfälle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750519,00.html
auf grund meiner bedenken bezüglich atomkraft, wurde mir im spiegel-forum mehrmals ausserordentliche dummheit bescheinigt. es ist bitter, dass meine bedenken nicht unberechtigt waren. wäre lieber weiterhin der dummkopf des forums.......
michel-3 12.03.2011
2. Mehr Differenzierung
Unabhängig davon, dass auch ich entsetzt bin von dem Unfall in Japan: Es ist faszinierend wie sofort wieder Politik gemacht wird indem man INES 0 und INES 1 Vorfälle in Deutschland zusammen mit INES 3 und 4 Unfällen nennt nur damit deutsche Kraftwerke auch in der Liste erscheinen. Der Transformatorbrand z.B. war in keinster Weise sicherheitsrelevant. Das zusammen mit Tschernobyl zu nennen ist höchst unprofessionell. Ich halte deutsche AKW nach wie vor für sicher. Es ist in nächster Zeit auch kein Erdbeben der Stärke 8.9 zu erwarten ebensowenig wie ein Tsunami. Viele Grüße Michel
peeka, 12.03.2011
3. wie man sich alles schönreden kann...
Zitat von michel-3Unabhängig davon, dass auch ich entsetzt bin von dem Unfall in Japan: Es ist faszinierend wie sofort wieder Politik gemacht wird indem man INES 0 und INES 1 Vorfälle in Deutschland zusammen mit INES 3 und 4 Unfällen nennt nur damit deutsche Kraftwerke auch in der Liste erscheinen. Der Transformatorbrand z.B. war in keinster Weise sicherheitsrelevant. Das zusammen mit Tschernobyl zu nennen ist höchst unprofessionell. Ich halte deutsche AKW nach wie vor für sicher. Es ist in nächster Zeit auch kein Erdbeben der Stärke 8.9 zu erwarten ebensowenig wie ein Tsunami. Viele Grüße Michel
Ich kann mich an 1986 erinnern, als es hieß, ein Reaktor wie der von Tschernobyl würde ich Deutschland nie ans Netz gehen,weil die Sicherheitsbestimmungen das nicht her gäben. Nun haben wir wohl einen Super-GAU in einem Land mit höchsten Sicherheitsvorschriften, und schon heißt es, in Deutschland könne es nicht passieren, weil bei uns kein Tsunami zu erwarten sei. Wir haben Reaktoren in Erdbeben gefährdeten Gebieten auch in Deutschland. Aber wenn hier ein Unfall auftritt höre ich schon in Gedanken, welche Erklärungen kommen werden...
Montezumas Rache 12.03.2011
4. .
Zitat von peekaIch kann mich an 1986 erinnern, als es hieß, ein Reaktor wie der von Tschernobyl würde ich Deutschland nie ans Netz gehen,weil die Sicherheitsbestimmungen das nicht her gäben. Nun haben wir wohl einen Super-GAU in einem Land mit höchsten Sicherheitsvorschriften, und schon heißt es, in Deutschland könne es nicht passieren, weil bei uns kein Tsunami zu erwarten sei. Wir haben Reaktoren in Erdbeben gefährdeten Gebieten auch in Deutschland. Aber wenn hier ein Unfall auftritt höre ich schon in Gedanken, welche Erklärungen kommen werden...
Der genaue Bautyp des Reaktors in Tschernobyl würde in Deutschlang aus Sicherheitsgründen nie ans Netz gehen, weil er technisch ganz anders konstruiert und dadurch bedingt zusätzliche Sicherheitsmängel aufweist. Erdbeben einer Stufe 8 und mehr sind in Deutschland meines Wissens nach eher unwahrscheinlich. Mich wundert es, dass noch nie zuvor bei Erdbeben ein vergleichbar schwerer Zwischenfall in einem Reaktor passiert ist.
wilhelm18 12.03.2011
5. ach so, kein Beben-kein GAU. na dann...
erstens scheinen wir hier bereits am 12.09.2001 vergessen zu haben, dass jederzeit ein Flugzeug in ein AKW fliegen kann, zweitens ist die Für-Entscheidung zugunsten der AKWs eine komplett Undemokratische, weil sich die Generationen, die den Müll auszubaden haben, nicht an der Diskussion beteiligen können, drittens sollte es für eine Regierung, die sich um die Gesundheit der Bevölkerung zu scheren hat, angesichts der Leukämiefälle im Umkreis von AKWs (auch, wenn angeblich nur der "Anschein eines Zusammenhangs" besteht) selbstverständlich sein, die Dinger abzuschalten nr. 4 5 6 spare ich mir - selbst einer der Punkte sollte doch reichen (Ach so - nein, ein AKW arbeitet NICHT co2-neutral, schnarch...). Fertig, gehe jetzt Fahrradfahren - da kann mir immerhin nichts passieren, weil das Risiko, das Rad in eine Erdbebenspalte zu lenken in D gleich Null ist.
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