Verkehrsschifffahrt: Jeden Monat verunglücken zwölf große Schiffe

Wie gefährlich ist das Meer? Eine Studie zeigt: In den vergangenen Jahren verunglückten weniger große Schiffe als zuvor. Die Region mit dem höchsten Risiko liegt in Südostasien, doch auch vor Europa liegt ein Gefahrenherd.

Havarierte "Costa Concordia": 32 Todesopfer nach ungewöhnlichem Manöver Zur Großansicht
AFP/ Italian Guardia de Finanza

Havarierte "Costa Concordia": 32 Todesopfer nach ungewöhnlichem Manöver

München/Hamburg - Auf hoher See, so sagt das Sprichwort, ist man in Gottes Hand. Viele Seeleute kamen nie zurück, das Berufsrisiko in der Branche war lange hoch. Noch heute bleibt häufig unklar, warum Schiffe nicht zurückgekehrt sind. Eine Bestandsaufnahme liefert nun die Anzahl der verunglückten Schiffe.

Auf den Weltmeeren sind demnach im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre 146 Schiffe pro Jahr verloren gegangen - also etwa zwölf im Monat. Die Tendenz ist aber rückläufig, zeigt eine am Dienstag in München veröffentlichte Studie des Allianz-Konzerns. Im vergangenen Jahr sind 106 Schiffe bei einem Unglück gesunken oder so schwer beschädigt worden, dass sie abgewrackt werden mussten.

Durch neue Technologien, bessere Ausbildung, fortschreitende Regulierung und Sicherheitsinitiativen der Branche seien Schiffsverluste seit längerer Zeit grundsätzlich rückläufig, schreiben die Experten. Zu den Hauptursachen zählen sie Übermüdung, Kostendruck und eine unzureichende Ausbildung.

Hauptursache menschliches Versagen

Das spektakulärste Unglück 2012 war die Havarie der "Costa Concordia" am 13. Januar 2012 mit 32 Todesopfern. Noch mehr Menschen kamen beim Untergang der Fähre "Rabaul Queen" vor Papua-Neuguinea am 2. Februar ums Leben, mehr als 110 Tote wurden beklagt. Die meisten schwer verunglückten Schiffe sind jedoch Frachtschiffe - wie der Containerfrachter "Rena", der am 5. Oktober 2011 bei voller Fahrt auf ein Riff vor Neuseeland krachte.

Hauptursache für fatale Unglücke auf See sei menschliches Versagen, heißt es in der Studie. "Einige Schifffahrtsgesellschaften, gerade im umkämpften Geschäft von Schüttgutfrachtern oder Tankern, können sich Wartung und Training ihrer Mitarbeiter kaum mehr leisten", sagte Sven Gerhard, Schifffahrtsexperte bei der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), einer Tochtergesellschaft der Allianz-Versicherung. Der Konzern zählt zu den weltweit führenden Schiffsversicherern.

Die meisten Schiffsunglücke ereigneten sich in Südchina, Indochina, Indonesien und den Philippinen. Mit 30 Unglücken im Jahr gab es dort doppelt so viele Vorfälle wie in der zweitgefährlichsten Region, dem östlichen Mittelmeer und dem Schwarzen Meer vor den Toren Europas.

boj/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. German Angst
el-gato-lopez 08.01.2013
Ja mei, is den schon wieder Panikzeit? Es wäre praktisch, wenn SPON und andere sog. Qualitätsmedien beim Zitieren von Studien selbige auch gleich verlinken bzw. auf Bezugsquellen verweisen würden. Wenn Studienergebnisse erstmal durch den Befindlichkeitsjournalismus-Booster gerutscht sind, bleibt meiner Erfahrung nach wenig von den origniären (weit weniger alarmistischen) Grundaussagen übrig. Was z.B. sind "grosse Schiffe" - in BRT gerne? Wurde mal zw. Frachtschifffahrt und Passagiertransport unterschieden. Hochsee- und Küstenschifffahrt sind auch zwei paar Stiefel. Dass die Sicherheitsstandards bei indonesichen Inselfähren tiefer sind als bei einem Schiff, das zw. Dänemark und Schweden verkehrt, wäre auch kein Wunder, oder?
2. Es heißt etwas anderst...
rompipalle 08.01.2013
"Die See,verzeiht nie" so zumindest hieß es als ich Ende der 70er Gefahren bin. Warum soll die See heute ungefährlicher für Versicherungen werden, wenn das ausflaggen und die darauf folgende geldeinsparung durch preiswertes Personal erzielt wird; was auf der einen Seite zwar den Gewinn optimiert, und auf der anderen Seite jedoch in gefahren Situationen ins Babylonische abdriftet weil ein jeder in der Panik in seine Muttersprache zurück verfällt. Was effecktive Kommunikation unmöglich macht. So ist es und so wird es immer bleiben. Ich habe es selber mit erlebt an Bord bei einem Brand.
3. Das ist nun mal so
rohanseat 08.01.2013
el-gato-lopez: wenn jounalisten etwas in die hand bekommen dann beginnt das raten: was mache ich damit???Klar fehlen es angaben unter welcher flagge die seelenverkäufer unterwegs sind.Klar wird nichts von den klasse gesellschaften geschrieben die solche rostbeulen mit certifikaten ausrüsten und die mannschaften damit segeln lassen..Dann würde sich schnell ein anderes bild ergeben und seefahrt verbundene könnten damit etwas anfangen.-Aber da immer noch von "hoher see" geschrieben wird >Ich habe immer nur wasser rund rum gesehen und höchstens höhere wellen!!
4. an sollte das schon differenziert sehen:
prontissimo 08.01.2013
Zitat von el-gato-lopezJa mei, is den schon wieder Panikzeit? Es wäre praktisch, wenn SPON und andere sog. Qualitätsmedien beim Zitieren von Studien selbige auch gleich verlinken bzw. auf Bezugsquellen verweisen würden. Wenn Studienergebnisse erstmal durch den Befindlichkeitsjournalismus-Booster gerutscht sind, bleibt meiner Erfahrung nach wenig von den origniären (weit weniger alarmistischen) Grundaussagen übrig. Was z.B. sind "grosse Schiffe" - in BRT gerne? Wurde mal zw. Frachtschifffahrt und Passagiertransport unterschieden. Hochsee- und Küstenschifffahrt sind auch zwei paar Stiefel. Dass die Sicherheitsstandards bei indonesichen Inselfähren tiefer sind als bei einem Schiff, das zw. Dänemark und Schweden verkehrt, wäre auch kein Wunder, oder?
Wie viele alte Kähne sind darunter die nicht so ganz zufällig absaufen ? Wie bei den Autounfällen wo einer an der rechts vor links Kreuzung steht und Handzeichen gibt, Dann macht es bumm !
5. Leseempfehlung für Interessierte
Flari 08.01.2013
Wie für alles gibt es auch interessante Foren für Schiffe und auch deren Unglücke. In diesem Thread werden viele Havarien aus aller Welt gesammelt: forum-schiff.de • Thema anzeigen - Unglücks-Thread (http://forum-schiff.de/phpBB3/viewtopic.php?f=2&t=23&start=3560) Und hier mit Schwerpunkt Deutschland: Havarien (http://www.binnenschifferforum.de/forum/forumdisplay.php?333-Havarien) Es passiert bedeutend mehr auf dem Wasser, als man gemeinhin so denkt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Technik
RSS
alles zum Thema Schiffsunglücke
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 11 Kommentare
  • Zur Startseite
Chronologie einer Katastrophe

"Hören Sie, Schettino..."