München/Hamburg - Auf hoher See, so sagt das Sprichwort, ist man in Gottes Hand. Viele Seeleute kamen nie zurück, das Berufsrisiko in der Branche war lange hoch. Noch heute bleibt häufig unklar, warum Schiffe nicht zurückgekehrt sind. Eine Bestandsaufnahme liefert nun die Anzahl der verunglückten Schiffe.
Auf den Weltmeeren sind demnach im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre 146 Schiffe pro Jahr verloren gegangen - also etwa zwölf im Monat. Die Tendenz ist aber rückläufig, zeigt eine am Dienstag in München veröffentlichte Studie des Allianz-Konzerns. Im vergangenen Jahr sind 106 Schiffe bei einem Unglück gesunken oder so schwer beschädigt worden, dass sie abgewrackt werden mussten.
Durch neue Technologien, bessere Ausbildung, fortschreitende Regulierung und Sicherheitsinitiativen der Branche seien Schiffsverluste seit längerer Zeit grundsätzlich rückläufig, schreiben die Experten. Zu den Hauptursachen zählen sie Übermüdung, Kostendruck und eine unzureichende Ausbildung.
Hauptursache menschliches Versagen
Das spektakulärste Unglück 2012 war die Havarie der "Costa Concordia" am 13. Januar 2012 mit 32 Todesopfern. Noch mehr Menschen kamen beim Untergang der Fähre "Rabaul Queen" vor Papua-Neuguinea am 2. Februar ums Leben, mehr als 110 Tote wurden beklagt. Die meisten schwer verunglückten Schiffe sind jedoch Frachtschiffe - wie der Containerfrachter "Rena", der am 5. Oktober 2011 bei voller Fahrt auf ein Riff vor Neuseeland krachte.
Hauptursache für fatale Unglücke auf See sei menschliches Versagen, heißt es in der Studie. "Einige Schifffahrtsgesellschaften, gerade im umkämpften Geschäft von Schüttgutfrachtern oder Tankern, können sich Wartung und Training ihrer Mitarbeiter kaum mehr leisten", sagte Sven Gerhard, Schifffahrtsexperte bei der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), einer Tochtergesellschaft der Allianz-Versicherung. Der Konzern zählt zu den weltweit führenden Schiffsversicherern.
Die meisten Schiffsunglücke ereigneten sich in Südchina, Indochina, Indonesien und den Philippinen. Mit 30 Unglücken im Jahr gab es dort doppelt so viele Vorfälle wie in der zweitgefährlichsten Region, dem östlichen Mittelmeer und dem Schwarzen Meer vor den Toren Europas.
boj/dpa
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