Uno-Berechnung zu Elektroschrott Gold-Berge auf Müllhalden

40 Millionen Tonnen Elektrogeräte landen pro Jahr im Abfall - und mit ihnen gigantische Mengen Edelmetalle: Schon 41 Handys enthalten so viel Gold wie eine Tonne Gold-Erz. Die Vereinten Nationen fordern nun die Erschließung dieser Ressourcen - für SPIEGEL ONLINE haben Uno-Experten das Ausmaß berechnet.

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Elektroschrott: Verborgene Schätze - und Gefahren
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Elektroschrott: Verborgene Schätze - und Gefahren


Um Metalle zu fördern, betreiben Menschen gigantischen Aufwand: Sie graben Tausende Meter tiefe Stollen in die Erde, sprengen Berge oder schürfen mühselig im Sand.

Dabei ließen sich die kostbaren Edelmetalle auch mit deutlich weniger Aufwand erschließen: Im Abfall von Haushalten und Industrie lagern massenweise Gold- und Silberschätze - in ausrangierten Elektrogeräten. Und davon gibt es reichlich: 40 Millionen Tonnen elektronischer Geräte landen weltweit jährlich auf dem Müll, heißt es in einem Report des Uno-Umweltprogramms Unep, der am Montag auf einer Tagung in Bali vorgestellt wurde, im Beisein von Umweltministern aus etwa hundert Ländern, darunter auch Bundesumweltminister Nobert Röttgen.

Recycling würde die Rohstoff-Ressourcen erheblich aufbessern, sagt Rüdiger Kühr von der Universität der Vereinten Nationen (UNU). Die Ausbeute wäre um ein Vielfaches größer als in Bergminen; Kühr spricht bereits von "urbanem Bergbau". Um ein Gramm Gold zu gewinnen, bewegen manche Firmen eine Tonne Erz. Weitaus einfacher wäre es, durch Recycling an das Edelmetall heranzukommen: Denn die gleiche Menge Gold steckt in 41 Mobiltelefonen.

Selbst hohe Förderquoten wie in der Kalgold-Mine in Südafrika, wo fünf Gramm pro Tonne Gestein gewonnen werden, wirken mickrig gegen die Schätze auf Müllbergen: Dort liegen, so berichtet Christian Hagelüken von der Recyclingfirma Umicore in Brüssel, Millionen Computer-Leiterplatten, die 250 Gramm Gold pro Tonne enthalten - das 50-fache der Kalgold-Mine.

Das Geschäft mit Elektronik-Recycling werde immer lukrativer, berichtet der Bundesverband Sekundärstoffe und Entsorgung (BVSE). In Europa haben sich inzwischen viele Recyclingfirmen angesiedelt. Sie haben von den hohen Metallpreisen der letzten Jahre profitiert. Allerdings drücken die Kosten für die Aufbereitung der Metalle ihre Gewinne. Ein Großteil der Elektrogeräte gelange jedoch nicht in den Wiederverwertungskreislauf, bemängelt Jörg Lacher vom BVSE.

Vor allem ärmere Länder verschwenden Ressourcen, indem Computer und Handys auf dem Müll landen, heißt es in dem Uno-Report. Eigens für SPIEGEL ONLINE haben Unep-Forscher berechnet, wie groß die Verschwendung wertvoller Metalle in ausgewählten Ländernist. Klicken Sie für die Zusammenfassung auf die Fotostrecke.

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Goldgrube Elektroschrott: Bergbau am Müllberg

Allein in China wandern jährlich vier Tonnen Gold in den Müll, 28 Tonnen Silber und 6000 Tonnen Kupfer - in Mobiltelefonen und Computern. Das Gold hat einen Wert von rund 100 Millionen Euro - und entspricht der monatlichen Produktionsmenge mancher Goldförderstaaten. In China entstehen dem Unep-Bericht zufolge 2010 voraussichtlich 2,3 Millionen Tonnen Elektroschrott, darunter 500.000 Tonnen Kühlschränke, 1,3 Millionen Tonnen Fernseher und 300.000 Tonnen Computer. Das Land liege beim Elektronikmüll nun auf Rang zwei hinter den USA, wo 2010 etwa drei Millionen Tonnen Abfall aus elektronischen Geräten berechnet wurden.

Vor allem in Handys und Computern werden große Mengen Metall montiert: Weltweit 15 Prozent der jährlichen Kobalt-Produktion, 13 Prozent des gewonnen Palladiums und drei Prozent des jährlichen Gold- und Silberabbaus werden dafür verwendet. Der Großteil landet schließlich auf dem Müll. In Computern kamen 2008 alleine Gold, Silber, Kupfer, Palladium und Kobalt im Wert von 2,7 Milliarden Euro in die Geschäfte. Die anderen rund 60 Wertstoffe, die verbaut werden, sind da noch nicht einberechnet.

Durch mangelhafte Recyclingprozesse bringen sich Entwicklungs- und Schwellenländer nach Unep-Angaben um wichtige Rohstoffe: In der EU sind Elektrogerätehersteller verpflichtet, alte Teile zurückzunehmen. Metall- und Schrotthändler hofften auf ein großes Geschäft. Beim Kupfer funktioniert das bereits leidlich: Etwa die Hälfte der deutschen Kupferproduktion wurde recycelt. Doch ein Großteil der Metalle wird, der Vorschrift zum Trotz, nicht ins System zurückgeführt.

Elektroschrott verachtfach sich bis 2020

Vor allem Gold, Silber und Palladium werden auch in Europa kaum recycelt, berichtet die Unep - pro Jahr gehen so mehr als fünf Milliarden Euro verloren. Aufgrund der massiv zunehmenden Produktion von Elektrogeräten droht die Ressourcen-Verschwendung in den nächsten Jahren noch weitaus größere Ausmaße anzunehmen, heißt es in dem Unep-Report weiter. Zukunftstechnologien wie Brennstoffzellen oder Photovoltaik beschleunigten die Nachfrage nach vielen Metallen. Bereits 2007 wurden eine Milliarde Handys weltweit verkauft.

In vielen Ländern rechnen die Experten mit erheblichen Zuwachsraten: Bis 2020 werde sich der Elektroschrott in China und Südafrika im Vergleich zu 2007 noch vervierfachen, in Indien verfünffachen. In afrikanischen Länder wie dem Senegal oder Uganda könnte der Zuwachs sogar das Achtfache betragen.

Afrika dient schon jetzt westlichen Staaten als Schrottplatz für alte Elektroprodukte. Eigentlich verbietet ein Uno-Vertrag von 1989, die Basler Konvention, das Verklappen von Müll in anderen Ländern ohne Zustimmung des Empfängerlandes. Doch viele Elektrogeräte gelangten bei der "undurchsichtigen Weiterverwertung über illegale Kanäle in Entwicklungsländer", erläutert Armin Reller, Chemiker am Wissenschaftszentrum Umwelt an der Universität Augsburg.

Verklappung ist billiger als fachgerechte Entsorgung

Allein aus Deutschland werden etwa 100.000 Tonnen Elektrogeräteschrott pro Jahr exportiert. Die illegale Verklappung ist bei weitem billiger als die fachgerechte Entsorgung. "Altauto-Exporte im Hamburger Hafen sind oft bis unters Dach voll gestopft mit Elektronikschrott", sagt Hagelüken.

In Afrika werden die Schrottfuhren ausgeweidet, meist per Hand. Doch dabei bleiben eben große Mengen Metall zurück - beispielsweise rund drei Viertel des Goldes, berichtet Hagelüken.

Die Schrotthalden werden zur tödlichen Gefahr für Mensch und Umwelt, wenn der Müll verbrannt wird - und krebserregende Schwermetalle freigesetzt werden. Tausende Menschen, darunter viele Kinder, die als Müllsammler ihren Lebensunterhalt verdienen, atmen den toxischen Dunst ein. Auch Böden und Gewässer solcher Gegenden sind hochgradig verseucht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Sleeper_in_Metropolis 22.02.2010
1. Recycling-Unternehmen
Dabei sollte man aber nicht vergessen, das die Recycling-Unternehmen das große Geschäft vor allem mit den hohen Gebühren für Fachgerechte Entsorgung machen und nicht etwa primär mit dem in den Geräten enthaltenen Metallen. Der Traum, einfach nur vom Verkauf der im Schrott enthaltenen Wertstoffe leben zu können, ist leider immernoch ein Traum. Der Aufwand, (Edel)metalle aus Elektroschrott zu gewinnen, sollte nicht unterschätzt werden.Vieleicht hätte man in dem Artikel nicht nur gegenüberstellen sollen, wie viel Gold, Silber, etc. in einer Tonne Müll im vergleich zu einer Tonne Erz vorhanden sind, sondern auch, wie hoch die Erschließungskosten pro Tonne sind.
Eppelein von Gailingen 22.02.2010
2. Gold-Berge auf Müllhalden
Zitat von sysop40 Millionen Tonnen Elektrogeräte landen pro Jahr im Abfall - und mit ihnen gigantische Mengen Edelmetalle: Schon 41 Handys enthalten so viel Gold wie eine Tonne Gold-Erz. Die Vereinten Nationen fordern nun die Erschließung dieser Ressourcen - für SPIEGEL ONLINE haben Uno-Experten das Ausmaß berechnet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,679381,00.html
Und was geschieht seit Jahren mit dem Müll, z.B. von den Städtischen Wertstoffhof-Sammelstellen? Dies wird doch bereits recycled, sagt man. Oder wird hier schon wieder gelogen, weil der wertvolle Edelschrott ins Ausland zur Einschmelze und Scheidung verkauft wird? Was schmelzen dann unsere Scheideanstalten wie Degussa. Dort hat schon wieder die Evonik die Finger im Spiel. Was macht eigentlich der Schröder-ex-Wirtschaftsminister Werner Müller nach seinem Vorstands-Rücktritt bei Evonik - er hat seine Geldgier befriedigt und endlich ausgesorgt. So aufregend sind Politiker-Laufbahnen und die Geldhortung danach.
frubi 22.02.2010
3. .
Zitat von sysop40 Millionen Tonnen Elektrogeräte landen pro Jahr im Abfall - und mit ihnen gigantische Mengen Edelmetalle: Schon 41 Handys enthalten so viel Gold wie eine Tonne Gold-Erz. Die Vereinten Nationen fordern nun die Erschließung dieser Ressourcen - für SPIEGEL ONLINE haben Uno-Experten das Ausmaß berechnet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,679381,00.html
Und wer machts sauber? Richtig. Afrikanische Kinder die auf Müllheiden diese Metalle raussuchen und für kleines Geld verkaufen.
dederl 22.02.2010
4. Das ist der Punkt
Zitat von Sleeper_in_MetropolisDabei sollte man aber nicht vergessen, das die Recycling-Unternehmen das große Geschäft vor allem mit den hohen Gebühren für Fachgerechte Entsorgung machen und nicht etwa primär mit dem in den Geräten enthaltenen Metallen. Der Traum, einfach nur vom Verkauf der im Schrott enthaltenen Wertstoffe leben zu können, ist leider immernoch ein Traum. Der Aufwand, (Edel)metalle aus Elektroschrott zu gewinnen, sollte nicht unterschätzt werden.Vieleicht hätte man in dem Artikel nicht nur gegenüberstellen sollen, wie viel Gold, Silber, etc. in einer Tonne Müll im vergleich zu einer Tonne Erz vorhanden sind, sondern auch, wie hoch die Erschließungskosten pro Tonne sind.
Dies ist aus ökonomischer Sicht der entscheidende Aspekt. Er hängt jedoch davon ab, wie viel von dem für uns Menschen wichtige Rohstoff auf unserer Erde bzw. unter der Erde vorhanden ist. Leider gehen wir zu sorglos mit den Resourcen unserer Erde um. Übrigens ein Unding, dass wir wichtige Rohstoffe wie Erdöl einfach raffinierten und dann verbrennen um Häuser zu heizen. Das solte man verbieten. Zurück zum Edelmetall (nicht nur Gold) Mit der industriellen Rückgewinnung in großen Mengen würde sich auch der Kostenfaktor erheblich reduzierten
Michael KaiRo 22.02.2010
5. Verklappung ist billiger als fachgerechte Entsorgung
Zitat von Sleeper_in_MetropolisDabei sollte man aber nicht vergessen, das die Recycling-Unternehmen das große Geschäft vor allem mit den hohen Gebühren für Fachgerechte Entsorgung machen und nicht etwa primär mit dem in den Geräten enthaltenen Metallen. Der Traum, einfach nur vom Verkauf der im Schrott enthaltenen Wertstoffe leben zu können, ist leider immernoch ein Traum. Der Aufwand, (Edel)metalle aus Elektroschrott zu gewinnen, sollte nicht unterschätzt werden.Vieleicht hätte man in dem Artikel nicht nur gegenüberstellen sollen, wie viel Gold, Silber, etc. in einer Tonne Müll im vergleich zu einer Tonne Erz vorhanden sind, sondern auch, wie hoch die Erschließungskosten pro Tonne sind.
Verklappung ist billiger als fachgerechte Entsorgung - dies ist nur eine dumme Milchmädchenrechnung! Es ist ja politisch auch viel einfacher, Milliarden Euro in eine völlig unsinnige "Verhinderung" der Klimaerwärmung in 20, 50 oder 100 Jahren zu stecken, als sich um die aktuellen, ureigensten Umweltprobleme zu kümmern. Dies stimmt ja nicht ganz! Es gibt zahlreiche Maschinen, Anlagen und Verfahren, welche aus Elektroschrott sehr wohl die Wertstoffe optimal herausholen können. Auf z.B. der Fachmesse Entsorga können sie dies toll bewundern. So liegen die Recyclingquoten bei Katalysatoren deshalb auf relativ hohe 50 %; im Vergleich dazu werden nur 10 % aller Computer- und TV-Bildschirme (CRT) recycelt, obwohl entsprechende Anlagen (z.B. von CRT Heaven) vorhanden sind. Dass es bei den Kats trotz hohem Edelmetallgehalt nur 50 % ist, liegt schlicht daran, dass ca. 25 % aller Kats dank zerbröselnder, krebserzeugender Fasermatten in die Umwelt verblasen werden und weitere runde 25 % mitsamt der Fahrzeuge exportiert werden. Das Problem ist jedoch, solange Wertstoffe aus Minen auf Kosten der dortig tätigen Arbeiter und Umwelt billig heraus geholt werden kann, solange setzen sich Recyclinganlagen hier nicht durch. Entweder greift dann der Staat mit einem Moloch wie das DSD (Duale System Deutschland) ein, dann können Firmen super Profite auf Kosten der Verbraucher einfahren (die Umwelt wir beim DSD nur marginal geschont) oder der Staat ermöglicht Grundgebühren, Geräteabgaben etc., die das Recycling wirtschaftlich machen. Vor allem bzgl. Erz-Ausbeutung sowie Umweltverschmutzung sollte die EU hier einmal massive Import- und Exportzölle einführen. Die Einnahmen hoher Importzölle könnten dann dazu genutzt werden, um die betreffenden Ländern nicht einfach Wirtschaftshilfe zu geben, sondern sie dazu zu zwingen, den Minenabbau - es ist eher ein Minenraubbau - nicht auf Kosten der dort tätigen Arbeiter und der Umwelt durchzuführen. Und europäischer Elektroschrott (sowie allg. unser Müll) sollte m.E. eh nicht exportiert werden dürfen. Noch nicht mal mit schriftlichem Nachweis, dass dies umweltgerecht geschehen ist! Denn Papier ist bekanntlich geduldig und wird eh nur gefälscht.
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