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Tarnkappe: Hauchdünne Haut macht Objekte unsichtbar

Maßgeschneidert: Tarnkappe schmiegt sich um zu versteckendes Objekt Zur Großansicht
DPA/ UC

Maßgeschneidert: Tarnkappe schmiegt sich um zu versteckendes Objekt

Forscher haben eine maßgeschneiderte Tarnkappe entwickelt, die sich wie eine dünne Haut um einen Gegenstand schmiegt. Bisher macht die Technik nur winzige Objekte unsichtbar. Größere wären aber möglich, sogar Menschen - sofern sie stillhalten.

Unsichtbarkeitsforschung boomt - weltweit arbeiten zahlreiche Labore an verschiedenen Tarnkappen, die Gegenstände unsichtbar machen sollen. Die meisten Ansätze nutzen künstliche Materialien mit negativem Brechungsindex - auch als Metamaterial bezeichnet.

2006 gelang es Forschern der Duke University damit erstmals, elektromagnetische Wellen um ein Objekt herumzulenken. Seitdem wurde die Tarnkappentechnik immer weiter verbessert - allerdings funktioniert der Trick meist nur mit Licht einer bestimmten Farbe und nicht für größere Gegenstände. Zwar hatten Karlsruher Forscher kürzlich auch größere Objekte unsichtbar gemacht, ihre Technik lässt sich aber wiederum nur im Nebel oder in ähnlich optisch diffusen Umgebungen wie Milchglas anwenden.

Nun haben Wissenschaftler aus dem kalifornischen Berkeley einen anderen Ansatz gewählt: Die Tarnkappe schmiegt sich wie eine dünne Haut um das zu verbergende Objekt. Statt Licht um einen Gegenstand herumzulenken, reflektiert die Hülle auftreffendes Licht.

Winzige Goldantennen strahlen Licht ab

Auf der Oberfläche der Tarnhaut sitzen zahlreiche winzige Goldantennen, die Licht aufnehmen und wieder abstrahlen. Form und Größe der Antennen bestimmen dabei die genaue Weise, wie das Licht abgegeben wird. Die Abstrahlung wirkt, als sei das Licht von der Fläche reflektiert worden, auf der das nun unsichtbare Objekt liegt.

Die optischen Eigenschaften der Tarnhaut müssten für jeden Gegenstand sorgfältig maßgeschneidert werden, wie die Entwickler um Xiang Zhang von der Universität von Kalifornien in Berkeley im Fachmagazin "Science" berichten.

Die Forscher demonstrierten die Funktion mit einem 0,036 Millimeter kleinen Plättchen, auf das runde Erhebungen von einem tausendstel Millimeter Höhe aufgebracht waren. Diese künstliche Mikro-Landschaft überzogen sie mit einer maßgeschneiderten Tarnkappe, die mit einer Dicke von 80 Nanometern rund tausendmal dünner war als ein menschliches Haar. Tatsächlich blieb das Miniobjekt in Versuchen mit rotem Licht unsichtbar.

Nach Ansicht der Forscher lässt sich dieses Prinzip auch für größere Objekte anwenden. Allerdings funktioniert es nicht für das komplette sichtbare Spektrum. Und ein Mensch dürfte sich mit seiner maßgeschneiderten Tarnkappe nicht bewegen - durch die dabei unvermeidbare Veränderung seiner Form verlöre sie sofort ihre Wirkung.

Tarnkappe aus 3D-Drucker

khü/dpa

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1. Hintergrund
carlos451 17.09.2015
Eine Tarnfläche fällt nur dann nicht im Kontext auf, wenn sie auf ihrer Fläche den exakten Hintergrund des zu tarnenden Objektes -je nach Perspektive des Betrachters und Lichteinfall- abbildet. Das scheint mir hier nicht gegeben. Man belehre mich eines Besseren.
2. warum?
lurchmatz 17.09.2015
Warum entwickelt man soetwas, wozu ist es gut? Wenn man etwas unsichtbar macht, dann täuscht man der Umwelt etwas vor. Ich kann mir nicht denken, was man damit machen sollte, außer irgendetwas Niederträchtiges. Also eigentlich kann man sowas nur im Krieg gebrauchen. Unsichtbare Flugzeuge oder so.
3. Na ja
frenchie3 17.09.2015
Um die genannten Teilchen nicht zu sehen brauche ich eigentlich keine Tarnkappe. Ich stelle mir die gleiche Frage wie Kommentar 1. Wenn das Licht nur abgelenkt wird dürfte man im Prinzip ein Loch aus nichts sehen. Könnte man da mal was vertiefendes zu bringen?
4.
chilihead 17.09.2015
Sich im Tarnmodus zu bewegen kostet viel Anzugenergie. Das weiß heutzutage jedes Kind.
5.
Ten_Tacles 17.09.2015
So ein Tarnvorhang wär doch super für Achterbahnen, um durch die nun unsichtbare Spur den Besucher nicht vorzuwarnen wann denn der Looping kommt. Wäre sicher eine ganz neue Form von Nervenkitzel.
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