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Uran-Recycling: Atomwächter adeln Chinas Nukleartechnologie

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Kann China Brennstoffe für Atomkraftwerke recyceln? Das hatten chinesische Forscher verkündet - doch Details behielten sie für sich. Jetzt gibt die Internationale Atomaufsicht Einblicke in die chinesische Technologie.

Atommüll unter der Wärmebildkamera: Bessere Wiederverwertung von Rohstoffen Zur Großansicht
DPA/ Greenpeace

Atommüll unter der Wärmebildkamera: Bessere Wiederverwertung von Rohstoffen

Es war eine aufsehenerregende Meldung: Am Montag hatte das chinesische Staatsfernsehen einen technologischen Durchbruch verkündet. Mit einem neuen Verfahren könne das Land abgebrannte Uran-Brennstäbe für Atomkraftwerke zu größeren Teilen wiederverwenden. Die neue Technologie sorge dafür, dass die chinesischen Uran-Ressourcen für die nächsten 3000 Jahre reichten - und nicht nur für 60 Jahre, wie bislang kalkuliert. Details über ihre neue Technologie behielten die Entwickler allerdings für sich.

Nun gibt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE Einblick in die chinesische Technologie. Bislang betrieben die Chinesen lediglich eine Testanlage zur Wiederaufarbeitung von Uran, erklärt die IAEA. Anfang Dezember hätte die Firma China National Nuclear Corporation (CNNC) von einer Anlage "in Pilotgröße" berichtet. Solche Betriebe seien "viel kleiner als kommerzielle", erläutert die IAEA. Um Brennelemente für Atomkraftwerke recyceln zu können, müssten die Chinesen "deutlich größere Anlagen bauen".

Bei der Wiederaufarbeitung werden in einem chemischen Verfahren Plutonium und Uran von genutzten Brennelementen abgetrennt. Die chinesische Wiederaufarbeitung basiere auf der gleichen Technologie wie die anderer Staaten, berichtet die IAEA. Zum Einsatz komme das sogenannte Purex-Verfahren. Dabei werden die Brennelemente in fünf Zentimeter kurze Stücke zersägt, die in siedender Salpetersäure aufgelöst werden. Schließlich scheiden sich Uranteilchen aus dem Gemisch. Andere Technologien zur Wiederaufarbeitung von Nuklearbrennstoffen sind weltweit in der Entwicklung. Auch China arbeite daran, erklärt die IAEA.

Aufstieg in die "exklusive Gruppe"

Die Brennelemente im Reaktorkern eines Atomkraftwerks können in der Regel nur wenige Jahre genutzt werden. Dann gelten sie als "abgebrannt". Nach einer Abkühlungsphase kommen sie in ein Zwischenlager oder in eine Wiederaufbereitungsanlage. International verfolgen bisher nur Frankreich, Großbritannien, Russland und Japan über die schwierige Technologie zur Wiederaufarbeitung von Atommüll. In Westeuropa sind zwei Anlagen in Betrieb: In La Hague in der französischen Normandie und im englischen Sellafield an der Irischen See.

Sollte China seine Testanlagen zu Großbetrieben ausbauen, wäre das Land tatsächlich in der Lage, Uran "bis zu 60-mal" effizienter zu nutzen, bestätigt die IAEA die Angaben des chinesischen Staatsfernsehens.

China ist besorgt über die Brennstoffversorgung seines ambitionierten Atomkraftprogramms, das massiv ausgebaut werden soll, um den rasant steigenden Stromverbrauch der schnell wachsenden chinesischen Wirtschaft zu sichern. Das Land besitzt 171.400 Tonnen nachgewiesener Uranvorräte. Nach Angaben der Tageszeitung "China Daily" werden derzeit rund 750 Tonnen Uran jährlich produziert; der Bedarf könne jedoch bis 2020 auf 20.000 Tonnen steigen.

Der Durchbruch bei der Wiederaufarbeitung sei "nach 24 Jahren Experimentieren" in der Fabrik Nummer 404 der Firma CNNC in der Wüste Gobi in der abgelegenen Provinz Gansu erzielt worden, berichtete das chinesische Fernsehen. Die Anlage sei allein von chinesischen Technikern gebaut worden. "Sie ist zu 100 Prozent original", sagte Wang Jian, Chefingenieur des Wiederaufarbeitungsprojekts der CNNC.

China, resümiert die IAEA, gehöre in der Nukleartechnologie nun international "zur exklusiven Gruppe".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 105 Beiträge
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1. Technologieführerschaft
Falke2006 05.01.2011
Deutschland hatte in diesem Bereich einmal eine Forschung und eine Industrie, die weltweit führend waren und langfristig zum Wohlstand Deutschlands hätten beitragen können. All das wurde bewusst kaputtgemacht. Demnächst werden wir wohl auch diese Technologie bei anderen einkaufen können, grüne Ideologie sei dank.
2. Besser als Stand der Technik?
achso123 05.01.2011
Zitat von sysopKann China Brennstoffe für Atomkraftwerke recyceln?*Das hatten chinesische Forscher*verkündet - doch Details behielten sie für sich. Jetzt gibt die Internationale Atomaufsicht gegenüber SPIEGEL ONLINE Einblicke in die neue*chinesische Technologie. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,737926,00.html
Nach dieser Meldung ist mir nicht klar, ob die chinesische Technologie jetzt mehr oder weniger genauso effizient ist die in La Hague oder Sellafield oder erheblich besser. Sie scheint ja grundsätzlich dasselbe Prinzip (Purex) zu verwenden. Interessant wären auch Information zu dabei anfallenden Abfällen (Abwässern) sprich Menge und Radioaktivität.
3. Die Grünen sind unser Untergang
Walther Kempinski, 05.01.2011
Deutschland produziert viel zu viel Atomabfall. Recycling ist für die Grünen eine Religion, beim Wiederaufbereiten von Kernbrennstäben jedoch, hat man für deutschen "Atommüll" jedoch einen kompletten Wiederaufbereitungsstopp erlassen. Stattdessen füttert man die deutschen AKWs stets mit neuen Kernbrennstäben und beklagt sich dann, dass zu viele Castoren hin und herrollen und das man Ende zuviel Atommüll (irgendwann, irgendwo) endlagern müsse. Ja bravo, woran liegts wohl? Genau, am Verbot der Wiederaufbereitung von Atommüll. Sogar in Frankreich darf deutscher Atommüll nicht wiederaufbereitet werden! Das Verbot für dt. "Atommüll" ist total, es gilt weltweit. Hinzu kommt, dass man den Atomausstieg schlampig beschlossen hat. Die Union konnte den Atomausstieg hinauszögern. Hätten die Grünen den Vertrag besser gestrickt, wäre das nicht passiert. Die Grünen sind an der Verlängerung mit schuld. Wäre ich Verschwörungstheoretiker, würde ich behaupten, dass die Grünen das mit Absicht gemacht haben. In der Hoffnung, dass die Merkel das irgendwann mal verlängert. Dann kann man nämlich schön demonstrieren und somit die Massen für sich mobilisieren. Übrigens, die Merkel kann man ja beschimpfen wie man will, eine Sache hat sie super gemacht. Die Tatsache, dass die AKW-Betreiber für jedes Jahr, welches sie länger mit Atomstrom am Netz bleiben draufzahlen müssen, ist eine Idee, die wenigstens dem Bundeshaushalt zugute kommen. Die Grünen haben diesen Aspekt komplett übersehen. Das Verbot der Wiederaufbereitung wird übrigens damit begründet, dass die Wiederaufbereitung sehr viel schwächer strahlenden radioaktiven Müll (durch die Anlagen zur Aufbereitung) erzeugen würde. Es gibt jedoch Verfahren, bei dem kaum neuer Müll hinzu kommt. Auch da hinken die Grünen technologisch hinter. Dazu muß man noch sehen, dass die alternativen Energien kompliziert oder gar vollends uneffektiv sind. Solarenergie zum Beispiel, hat sich zum Milliardengrab mit wenig Stromausbeute entwickeln. Staatliche Hilfe für Solarstrom müßte man zum Wohl des Verbrauchers und anderer alternativen Energien eigentlich komplett einstellen. Für Wind und Wasser gelten ähnliche Vorbedingungen. Nachts, wenn die Sonne weg ist, schwächen sich auch die Gezeiten ab. Jedoch gerade nachts brauchen die Menschen Strom. Den Strom in akkus zu speichern, wäre pervers. Daher baut man Speicherreservoirs in Norwegen. Ist ziemlich weit weg, man benötigt neue Leitungen (wogegen die Grünen natürlich auch demonstrieren), die durch Verlust weniger effizient arbeiten. Am besten ist immer, man verbraucht den Strom dort wo man ihn braucht zu dem Zeitpunkt wo man ihn braucht. Alles andere ist umständlich, teuer und wenig effektiv und somit auch umweltschädlich.
4. Und in Deutschland?
louis_quatorze 05.01.2011
Hier will man der Atomenergie vollkommen den Gar ausmachen, nur weil kleine radikale Gruppierungen eine diffuse Angst vorweisen und sich durch diese Emotionalisierung als Meinungsführer verstehen. Nukleartechnik wird weltweit wachsen wie verrückt. Die Chinesen fangen an und in 30 Jahren läuft das erste AKW in Ghana. Nur in Deutschland wird man sich deindustrialisert haben und die urbanen Grünen-Wähler fragen sich wieso es sich in Städten ohne sichere Energieversorgung nur so unbequem leben läßt. Da ist man dann dankbar über jede Kilowattstunde die man sich teuer aus Frankreich erlaufen muss. Anstatt sich über die Endlagerung jahrzehntelang de Kopf zu zerbrechen, hätte man mal lieber halb so viel Erfindergeist wie die Chinesen in die Frage wie man diese Rohstoffe aus der Nutzung in AKWs sinnvoll verwendet, investiert. Endlagerung ist ein zukunftsloser Unsinn!
5. Viel Lärm um wahrscheinlich wenig
Retikulator, 05.01.2011
Sollte China seine Testanlagen zu Großbetrieben ausbauen, wäre das Land tatsächlich in der Lage Uran "bis zu 60-mal" effizienter zu nutzen, bestätigt die IAEA die Angaben des chinesischen Staatsfernsehens. Dieses 60x effizienter Ausnutzen geht nur mit Brütertechnologie, ganz egel, welches Wiederaufbereitungsverfahren man benutzt. Viel Lärm um wahrscheinlich wenig.
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