US-Kernkraftwerke Forscher zählen 15 gefährliche Zwischenfälle

Die Statistik ist beunruhigend: In US-Atomkraftwerken gab es nach Angaben eines Forscherverbands allein im vergangenen Jahr 15 Zwischenfälle, die schwerwiegende Folgen hätten haben können. Präsident Barack Obama hält dennoch am Bau neuer Kernreaktoren fest.

AKW Three Mile Island in den USA: 1979 ereignete sich hier eine Teil-Kernschmelze
AFP

AKW Three Mile Island in den USA: 1979 ereignete sich hier eine Teil-Kernschmelze


Kein Notsystem, zu wenig Kühlwasser: In den Atomkraftwerken der USA haben sich nach Angaben einer Wissenschaftlervereinigung im vergangenen Jahr 15 bedrohliche Zwischenfälle ereignet. Wie die kernkraftkritische Union of Concerned Scientists (UCS)mitteilt, waren 13 der insgesamt 104 US-Atomreaktoren von Problemen betroffen, die schwerwiegende Folgen hätten nach sich ziehen können. Ein Großteil der Zwischenfälle sei eingetreten, weil die Betreiber der Kraftwerke nachlässig gehandelt hätten. Sie hätten "bekannte Probleme entweder toleriert oder nicht richtig angegangen", heißt es in dem Bericht der UCS, der auf Daten der US-Atomüberwachungsbehörde NRC basiert.

In der Anlage von Oconee im Bundesstaat South Carolina wurde demnach bei Kontrollen entdeckt, dass ein Notkühlsystem in den 1983 gebauten Reaktoren nie funktionsfähig war. In den Anlagen Braidwood und Byron im Bundesstaat Illinois hätten die Angestellten seit 1993 das Wasser aus dem Kühlsystem teilweise umgeleitet, was im Ernstfall zu Problemen bei der Reaktorkühlung hätte führen können.

Ungeachtet der Katastrophe im japanischen Fukushima hatte sich US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr in einer Grundsatzrede eindeutig für den Bau neuer Atomkraftwerke ausgesprochen. Um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern, hat die Regierung Kreditgarantien in Milliardenhöhe für den Ausbau der Kernkraft zugesagt. Washington betrachtet Atomkraft auch als Möglichkeit, den Ausstoß von Treibhausgasen zu drosseln. Anfang Februar hat die Atomaufsichtsbehörde zum ersten Mal seit 1978 den Bau von Atomreaktoren genehmigt. Die Nuclear Regulatory Commission (NRC) stimmte mit vier Stimmen gegen eine für die Errichtung zweier Reaktoren in dem bereits bestehenden Atomkraftwerk Vogtle im US-Staat Georgia. Damit soll in den USA eine Renaissance der Kernkraft eingeleitet werden.

Der Energiekonzern Southern Company übte sich in einer Mitteilung nicht in falscher Bescheidenheit: Die Lizenzvergabe sei eine "monumentale Leistung", die beiden neuen Reaktoren würden "den Standard für Sicherheit und Effizienz in der Atomindustrie setzen" und 25.000 Arbeitsplätze schaffen. Die 14 Milliarden Dollar (knapp elf Milliarden Euro) teuren Reaktoren könnten bereits 2016 und 2017 in Betrieb gehen.

Nach Angaben der NRC sind in den USA derzeit mehr als 100 Reaktoren in über 60 Atomkraftwerken am Netz. Zuletzt genehmigte die NRC 1978 den Bau von Reaktoren - ein Jahr vor der Atomkatastrophe in Three Mile Island bei Harrisburg. Dort hatte sich 1979 in einem Reaktorblock eine Teil-Kernschmelze ereignet, Radioaktivität gelangte in die Umwelt. Der letzte Reaktorneubau wurde 1986 im Bundesstaat Louisiana fertiggestellt.

nik/dpa



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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
Henry_Rearden 29.02.2012
1. Haha
Die ganze Welt marschiert voran. Nur die dummen Deutschen lassen sich von einer grotesken Anti-Atom-Propaganda ins Boxhorn jagen. Traurig ist das.
diospam 29.02.2012
2. re
Zitat von sysopAFPDie Statistik ist beunruhigend: In US-Atomkraftwerken gab es nach Angaben eines Forscherverbands allein im vergangenen Jahr 15 Zwischenfälle, die schwerwiegende Folgen hätten haben können. Präsident Barack Obama hält dennoch am Bau neuer Kernreaktoren fest. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,818298,00.html
Das 50 Jahre alte Mühlen an denen seit der Erbauung nichts ordentlich erneuert worden ist, manche Systeme aus dem letztem Loch pfeifen, ist nicht wahnsinnig verwunderlich. Aber gerade das sollte doch ein Argument sein neue Kraftwerke zu bauen. Warum sollte man heute die unzulänglichkeiten des VW Käfers modernen Autos anlasten?
sample-d 29.02.2012
3. ||||
Zitat von Henry_ReardenDie ganze Welt marschiert voran. Nur die dummen Deutschen lassen sich von einer grotesken Anti-Atom-Propaganda ins Boxhorn jagen. Traurig ist das.
Traurig ist eher, dass manche scheinbar nicht mal den Artikel lesen zu dem sie kommentieren - das ist dann Propaganda und grotesk.. ;) Wenn Mitarbeiter in AKWs an Kühlsystemen herumbasteln, oder Systeme nie getestet wurden, hat das z.B. wenig mit dem Alter von Anlagen zu tun. Und wenn so etwas vorkommt sind auch neue Anlagen inhärent unsicher und Menschen einfach nicht dazu geeignet AKWs zu betreiben.
sample-d 29.02.2012
4. |||||||
Zitat von diospamDas 50 Jahre alte Mühlen an denen seit der Erbauung nichts ordentlich erneuert worden ist, manche Systeme aus dem letztem Loch pfeifen, ist nicht wahnsinnig verwunderlich. Aber gerade das sollte doch ein Argument sein neue Kraftwerke zu bauen. Warum sollte man heute die unzulänglichkeiten des VW Käfers modernen Autos anlasten?
Haben Sie den Artikel nicht gelesen ? Die beschriebenen Fälle haben zumeist nichts mit dem Alter der Anlagen zu tun. "Ein Großteil der Zwischenfälle sei eingetreten, weil die Betreiber der Kraftwerke nachlässig gehandelt hätten." Ein Neubau ist gegen menschliche Fehler genauso wenig gefeit wie alte Anlagen.
kein Ideologe 29.02.2012
5. 3453453
Zitat von Henry_ReardenDie ganze Welt marschiert voran. Nur die dummen Deutschen lassen sich von einer grotesken Anti-Atom-Propaganda ins Boxhorn jagen. Traurig ist das.
na das wir ja wieder ein von Abwägen, Reflektion und Respekt gekennzeichneter Diskurs.
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