Frische Kost unter Wasser Navy will Gemüse in Atom-U-Booten anbauen

Atom-U-Boote können monatelang unter Wasser bleiben. Um die Stimmung an Bord zu heben, will die US-Navy die Boote mit kleinen Gewächshäusern ausrüsten. Unter Kunstlicht soll so frischer Salat gedeihen.

AP

Astronauten auf der Raumstation ISS kennen das Problem. Frisches Obst und Gemüse gibt es immer nur für ein paar Tage, wenn ein Versorgungsfrachter von der Erde eingetroffen ist. Da helfen nur Mini-Beete, in denen Pflanzen dank des künstlichen Lichtes wachsen. Im Sommer 2015 konnten Astronauten erstmals selbst gezüchteten Salat verspeisen.

Auch auf den U-Booten der US-Navy sind frisches Obst und Gemüse rar. Ein 130 Meter langes Atom-U-Boot der Virginia-Klasse kann beispielsweise ohne Probleme mehrere Monate getaucht bleiben - der Reaktor an Bord liefert ausreichend Energie für alle lebenserhaltenden Systeme. Um die Besatzung auch bei längeren Tauchfahrten besser bei Laune halten zu können, untersuchen Wissenschaftler nun den Anbau von Obst und Gemüse in U-Booten.

Hydrokulturen unter LED-Lampen

Don Holman, der seit 30 Jahren bei der Navy arbeitet, hat bereits mit Dutzenden Sorten von Obst und Gemüse in einem geschlossenen Standardcontainer von 13 Meter Länge experimentiert. Der Container steht an Land auf einem Gelände des Natick Soldier Research, Development and Engineering Center bei Boston.

Die Pflanzen wachsen als Hydrokulturen, statt aus Erde beziehen sie ihre Nährstoffe aus einer Wasserlösung. LEDs sorgen für das nötige Licht, damit die Photosynthese funktioniert.

Blattgemüse wie Salat und Frühlingszwiebeln gedeihen sehr gut, berichtet Holman, der auf einem Bauernhof groß geworden ist. Wurzelgemüse wachse auch gut. Mit Gurken hingegen gebe es Probleme.

Erdbeeren floppen

Tomatenpflanzen seien zwar immerhin gewachsen, hätten aber keine Früchte ausgebildet. Dafür habe das Licht nicht ausgereicht und es sei wohl auch nicht warm genug gewesen, erklärt Holman. Bei Erdbeeren und auch Rhabarber war es ganz ähnlich: Die Pflanzen wuchsen gut, aber die Ausbeute reichte nicht aus.

Laut Holman sind es die Matrosen an Bord, die immer wieder nach frischem Obst und Gemüse verlangen. Er hält den Anbau daher auch für sinnvoll. "Das kann die Moral an Bord verbessern - und mit einer höheren Moral steigt auch die Leistungsfähigkeit." 100.000 US-Dollar hat die Navy in die Erforschung des Gärtnerns unter Wasser gesteckt.

Salatzucht im Weltall

Schon bald könnten die ersten Mini-Gärten in U-Booten wie der USS Missouri installiert werden. In dem 115 Meter langen Stahlkoloss mit eingebautem Atomreaktor leben mehr als 130 Männer und Frauen. Die modernsten U-Boote der Navy haben sogar 170 Menschen an Bord.

Nichts sei besser als frische Zutaten, bestätigt Brian Pearson, Chefkoch an Bord der USS Missouri. Aber die Leute seien auch mit Tomaten aus der Dose und aufgetauten Früchten bei Laune zu halten.

Aufzucht an Land

An Bord angebautes Obst und Gemüse würde ohnehin kaum zu jeder Mahlzeit serviert werden können. Der Platz in den U-Booten ist einfach zu knapp, um ausreichend große Flächen für Gewächshäuser freigeben zu können.

Navy-Forscher Don Holman hat schon klare Vorstellungen, wie der Anbau an Bord gelingen könnte. Man würde die Setzlinge zunächst an Land großziehen. Wenn dann ein U-Boot in See steche, kämen die nahezu ausgewachsenen Pflanzen an Bord - und die Ernte könne bald beginnen.

hda/AP

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