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Verfassungsgericht: Karlsruhe weist Weltuntergangsklage ab

Wer hat Angst vorm Schwarzen Loch? Das Bundesverfassungsgericht offenbar nicht: Die Karlsruher Richter haben die Beschwerde einer Frau abgewiesen, die das Ende der Welt durch die Arbeit am Genfer Teilchenbeschleuniger LHC fürchtete. Deutschland muss nun nicht gegen die Experimente einschreiten.

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ddp

Teilchenbeschleuniger LHC: Zustände wie in der Frühphase des Universums

Die Karlsruher Verfassungsrichter haben offensichtlich keine Angst vor Schwarzen Löchern - zumindest nicht vor solchen, die der Large Hadron Collider (LHC) produzieren könnte. Eine Verfassungsbeschwerde gegen Versuchsreihen an dem weltgrößten Teilchenbeschleuniger, der vom europäischen Forschungszentrum Cern in Genf betrieben wird, nahmen die Richter nicht zur Entscheidung an.

Die Klägerin, eine in Zürich lebende Deutsche, befürchtet, dass beim Zusammenprall kleinster Teilchen im Beschleunigerring Schwarze Löcher entstehen und eines Tages die Erde zerstören könnten. Bereits 2008 hatte die Klägerin versucht, in einem Eilverfahren die Bundesregierung zu verpflichten, ihre Delegierten im Rat der Europäischen Kernforschungsorganisation Cern zu einer Initiative gegen den Betrieb des Teilchenbeschleunigers zu veranlassen. Das Verwaltungsgericht lehnte den Antrag jedoch ab.

Jetzt ist die Klägerin erneut gescheitert. Die Karlsruher Richter verwarfen ihre Verfassungsbeschwerde als "unzulässig". Die Frau habe nicht schlüssig darlegen können, warum die Vernichtung der Erde drohe, hieß es in dem am Dienstag in Karlsruhe veröffentlichten Beschluss (AZ: 2 BvR 2502/08). Dazu "genügt es insbesondere nicht, Warnungen auf ein generelles Misstrauen gegenüber physikalischen Gesetzen, also gegenüber theoretischen Aussagen der modernen Naturwissenschaft zu stützen", erklärten die Richter in ihrer Urteilsbegründung.

Damit bestätigte das Verfassungsgericht die Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen, wo die Frau ihren ersten Eilantrag eingereicht hatte.

Nach Meinung von Experten könnten im LHC zwar mit geringer Wahrscheinlichkeit kleine Schwarze Löcher entstehen. Die wären nach Meinung der überwältigenden Forscher-Mehrheit allerdings so klein, dass sie im Moment ihrer Entstehung schon wieder zu Energie zerstrahlen würden oder zu klein wären, um Materie ansaugen zu können.

cib/dpa/AFP/ddp

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