Hamburg - In Japan laufen derzeit nur noch sechs der 54 Atomreaktoren. Der Stromversorger Kyushu Electric Power nahm in der Nacht zum Montag seinen Reaktor in Genkai im Südosten des Landes für vorgeschriebene Wartungsarbeiten vom Netz. Das Unternehmen betreibt insgesamt sechs Reaktoren, von denen damit vorübergehend nun kein einziger mehr in Betrieb ist.
Auch die verbleibenden sechs Reaktoren Japans müssen bis Ende Mai 2012 für Wartungsarbeiten abgeschaltet werden. Die mehrwöchigen Kontrollen sind in Japan alle 13 Monate vorgeschrieben. Vor dem Wiederanfahren müssen sie aufgrund der Atomkatastrophe von Fukushima sogenannte Stresstests bestehen.
Das Atomkraftwerk Fukushima war nach einem verheerenden Erdbeben und einem darauffolgenden Tsunami am 11. März havariert. Die Zerstörungen in der Anlage lösten den schwersten atomaren Unfall seit Tschernobyl 1986 aus. Zehntausende Menschen wurden obdachlos, da ganze Städte wegen der radioaktiven Strahlung unbewohnbar wurden.
40 Jahre Demontage
Eine neue Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das Katastrophenmanagement mangelhaft war: Die Reaktion der zuständigen Stellen auf den Atomfall nach dem Tsunami vom 11. März in Japan war laut einem Bericht der japanischen Regierung konfus und fehlerhaft.
Dem am Montag vorgelegten Report zufolge waren die Arbeiter des Kraftwerksbetreibers Tepco nicht dafür ausgebildet, in der Anlage Fukushima Daiichi Notlagen wie den Stromausfall nach dem Tsunami zu bewältigen. Außerdem hätten die Arbeiter fälschlicherweise angenommen, dass ein Notkühlsystem funktioniere. Der Bericht gab einen Überblick über die Ermittlungen der Regierung zu dem Unglück, die Mitte 2012 abgeschlossen sein sollen.
Noch immer ist unklar, wann das Katastrophen-AKW Fukushima wieder unter Kontrolle ist. Zwar scheint die Temperatur im Innern der Reaktoren stabil zu sein. Doch bis zur Demontage werden noch 40 Jahre vergehen, schätzt die japanische Regierung. Allein die Bergung der freiliegenden Brennelemente im Abklingbecken könnte Jahre dauern.
boj/AFP/dapd
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