Wartungspanne: 30 Schrauben fehlten - Airbus flog trotzdem

Ein Airbus-Passagierjet der Air France war tagelang im Einsatz - obwohl ihm rund 30 Schrauben fehlten. Eine chinesische Firma hatte sie bei Wartungsarbeiten offenbar schlicht vergessen. Jetzt überprüft auch die Lufthansa den Vorfall. Es war wohl nicht der erste dieser Art.

Airbus A340 der Air France (Archivbild): Dutzende Schrauben vergessen Zur Großansicht
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Airbus A340 der Air France (Archivbild): Dutzende Schrauben vergessen

Frankfurt/Hamburg - Eigentlich sollte der Airbus A340 der französischen Fluggesellschaft Air France nur generalüberholt werden. Doch als das Flugzeug das Werk im chinesischen Xiamen verließ, fehlte ihm etwas: Die Techniker hatten offenbar rund 30 Schrauben liegenlassen. Dennoch war der vierstrahlige Langstreckenflieger danach tagelang im Einsatz, berichtet die Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf einen internen Untersuchungsbericht von Air France.

Als der Mangel Anfang November in der US-Stadt Boston entdeckt wurde, wurde die Maschine sofort mit einem Flugverbot belegt. Ein Air-France-Sprecher bestätigte an diesem Freitag den Vorfall, betonte aber, dass die Sicherheit der Passagiere nie in Gefahr gewesen sei. Die Schrauben hätten einen Teil der Verkleidung zwischen dem rechten Flügel und dem Rumpf fixieren sollen.

Fraglich ist, ob der Zwischenfall wirklich so ungefährlich war, wie Air France behauptet. "Wenn ein Teil sich löst, gibt es immer ein Risiko, dass es einen wichtigen Bestandteil des Flugzeugs beschädigt", sagte ein Experte des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Tatsächlich löste sich das nicht ausreichend verschraubte Teil während eines Fluges teilweise ab, fünf Tage nachdem der Airbus am 10. November aus China zurückgekommen war.

Boeing 747 mit brennbarer Farbe gestrichen

Die Gewerkschaft des technischen Flugpersonals wies darauf hin, dass vor dem Airbus bereits eine Boeing 747-400 nach einer Revision in Xiamen Probleme gehabt habe. Mehrere Wände waren damals mit einer brennbaren Farbe gestrichen worden. Die Maschine musste drei Wochen am Boden bleiben, damit der Schaden behoben werden konnte.

Air France ist zudem nicht die einzige Fluggesellschaft, die sich Sorgen um die Qualität der Arbeit der Firma in Xiamen machen muss. Die Lufthansa sucht jetzt ebenfalls nach detaillierten Informationen zu dem Schrauben-Zwischenfall. Es handele sich in Xiamen wahrscheinlich um ein Unternehmen, das auch Vertragspartner der Lufthansa sei, erklärte ein Sprecher der Lufthansa Technik am Freitag in Hamburg. Dort würden regelmäßig Boeing 747 überholt.

Man sei mit dem Unternehmen laufend in engem Arbeitskontakt. Während der Liegezeit der Jets seien immer mehrere Prüfer der Lufthansa Technik und der Lufthansa selbst in der Werft, um die Arbeiten zu kontrollieren. Dies geschehe bei jedem Arbeitsschritt, bei sicherheitsrelevanten Einheiten gebe es sogar eine dritte Kontrolle, um menschliches Versagen auszuschließen.

Zu dem Fall der fehlenden Schrauben bei dem Airbus A340 der Air France wollte sich Lufthansa Technik mangels Detailkenntnis nicht äußern.

mbe/AFP/dpa

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insgesamt 98 Beiträge
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1. kleine Lebensweisheit
fritz_64 25.11.2011
*Wer billig kauft der bekommt billig* Eigentlich sollte man annehmen das bei der Sicherheit nicht gespart wird, aber für die Manager aller Unternehmen zählen nur die Quartalszahlen und wenn die nicht stimmen werden sie von den Analysten abgestraft...was zählen da schon Menschenleben...der Markt wird es schon richten.
2. Das kann passieren!
Transmitter 25.11.2011
So etwas kann in der Hektik solcher Wartungsarbeiten schnell einmal passieren. Bei der letzten Inspektion meines Autos wurde beispielsweise vergessen, den Motor wieder einzubauen. Ich habe dies erst Wochen später gemerkt. Nach einer langen Fahrt in den Urlaub.
3. Es geht(fliegt)doch
Meerkönig 25.11.2011
Zitat von sysopEin Airbus-Passagierjet der Air France war tagelang im Einsatz - obwohl ihm rund 30 Schrauben fehlten. Eine chinesische Firma hatte sie bei Wartungsarbeiten offenbar schlicht vergessen. Jetzt überprüft auch die Lufthansa den Vorfall. Es war wohl nicht der erste dieser Art. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,799946,00.html
Ein guter Monteur behält immer etwas übrig.
4. Dem kann man nir zustimmen!
chiefclancywiggum 25.11.2011
Zitat von fritz_64*Wer billig kauft der bekommt billig* Eigentlich sollte man annehmen das bei der Sicherheit nicht gespart wird, aber für die Manager aller Unternehmen zählen nur die Quartalszahlen und wenn die nicht stimmen werden sie von den Analysten abgestraft...was zählen da schon Menschenleben...der Markt wird es schon richten.
Absolut richtig! Leider hat man als Aussenstehender diesbezüglich auch keine Vorstellungen! Wer rechnet schon damit, dass ein Flugzeug zur Wartung extra nach China geflogen wird? Wo bleibt da der angeblich so hohe Qualitätsanspruch der Lufthansa? Von Air France hätte ich solche Mätzchen schon eher erwartet. Aber wer als Verbraucher dann irgendwann mal chinesische Autos oder ähnliches kauft hat selber schuld! Lieber ein paar Euro mehr ausgeben und dafür dann auch ein wenig mehr Sicherheit kaufen.
5. "Nur" generalüberholt?
lug&trug 25.11.2011
"Eigentlich sollte der Airbus A340 ... nur generalüberholt werden." Äh, was heißt hier "nur"? Nach meinem Verständnis des Worts und auch dem des BHG beinhaltet eine Generalüberholung, "daß sämtliche bewegliche [...] [T]eile ausgebaut und, so weit erforderlich, entweder hergerichtet oder erneuert und die feststehenden Teile auf ihre Unversehrtheit hin untersucht werden. Das geht weit über die bloße Prüfung der Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit hinaus." (Quelle: http://www.rechtsanwalt.com/urteil-12415-was-heisst-eigentlich-generalueberholt/) Das "nur" im Artikel klingt so, als ob die putzigen Chinesen lediglich irgendeine mindere Handlangerarbeit verrichten sollten. Hier geht's aber um den Wartungscheck eines Flugzeugs.
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