US-Militär: Hyperschall-Geschoss stürzt kurz nach Start in den Pazifik
Das US-Militär hat einen herben Fehlschlag zugegeben: Das Hyperschall-Geschoss X-51A "Waverider" hat auch den dritten Test nicht bestanden. Nach 31 Sekunden zerbrach das unbemannte Fluggerät, die Trümmer stürzten nordwestlich von Los Angeles ins Meer.
Los Angeles - Der US-Test eines superschnellen Fluggeräts mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit ist fehlgeschlagen. Dies bestätigte die US-Luftwaffe am Mittwoch.
Demnach löste sich das Hyperschall-Geschoss X-51A "Waverider" (Wellenreiter) bei dem Testflug am Dienstag zwar planmäßig von dem B-52-Bomber, der von der Edwards Air Force Base in Kalifornien aufgestiegen war. Der Raketenantrieb beschleunigte die X-51A zunächst wie geplant auf Überschallgeschwindigkeit. Doch nur 16 Sekunden nach dem Start sei ein Problem mit einem Kontrollruder festgestellt worden. Als sich der "Wellenreiter" etwa 15 Sekunden später vom Raketenantrieb getrennt habe, sei er außer Kontrolle geraten und zerbrochen. Die Trümmer stürzten nahe Point Mugi nordwestlich von Los Angeles in den Pazifik.
31 statt 300 Sekunden Flugdauer
Insgesamt dauerte der Flug nur 31 Sekunden, eigentlich sollte die Flugdauer 300 Sekunden betragen - dann wäre der Test erfolgreich gewesen. Der Experimentalflieger, den die US-Luftwaffe und die Pentagon-Forschungsabteilung Darpa vom Boeing-Konzern entwickeln lassen, sollte eine Geschwindigkeit von 6000 Kilometern pro Stunde erreichen. Der Scramjet-Antrieb kam allerdings - wie beim letzten gescheiterten Test - auch diesmal wieder nicht einmal zum Einsatz, räumte Charlie Brink von der Luftwaffe ein.
Das unbemannte Fluggerät wurde Wellenreiter getauft, da er auf den durch seine hohe Geschwindigkeit erzeugten Schockwellen reitet. Der "Supersonic Combustion Ramjet" (Überschall-Verbrennungs-Staustrahltriebwerk) besitzt praktisch keine beweglichen Teile und nutzt den Effekt, dass die Luft bei hohen Fluggeschwindigkeiten mit enormer Gewalt in den Einlass gepresst wird. Schaufelräder, die in herkömmlichen Strahltriebwerken die Luft verdichten, fehlen im Scramjet. So werden Geschwindigkeiten möglich, die konventionelle Triebwerke niemals aushalten würden - und die es den Militärs erlauben würden, jedes Ziel auf der Welt binnen kürzester Zeit zu treffen.
Laut Luftwaffe gibt es noch einen vierten X-551A
Der "Waverider"-Test war der dritte Test insgesamt und der zweite vollständig gescheiterte. Der erste Versuch im Mai 2010 wurde noch als Erfolg gefeiert - obwohl schon damals nicht alles nach Plan lief. Es gebe noch ein viertes X-51A-Exemplar, teilte die Luftwaffe mit. Eine Entscheidung, ob und wann es getestet werden soll, gebe es allerdings noch nicht.
Das erneute Scheitern ist ein empfindlicher Rückschlag für das Pentagon. Das US-Verteidigungsministerium verfolgt seit Jahren die Vision, binnen einer Stunde jedes Ziel auf der Welt treffen zu können - auch bekannt als "Prompt Global Strike". Hyperschall-Marschflugkörper spielen dabei eine wichtige Rolle: Herkömmliche Marschflugkörper und Langstreckenbomber sind zu langsam, mit konventionellen Sprengköpfen bestückte Interkontinentalraketen könnten von anderen Staaten für Atomraketen gehalten werden und einen verheerenden Krieg auslösen.
Experten nehmen an, dass der erneute Fehlschlag das Ende des X-51A-Projekts bedeuten könnte. Doch für diesen Fall hat das US-Militär bereits eine Alternative parat: einen Hyperschall-Gleiter, der mit einer Rakete bis in den erdnahen Weltraum gebracht wird und dann mit bis zu 20.000 km/h auf sein Ziel zustürzt. Der letzte Test des Hypersonic Technology Vehicle 2 (HTV-2) fand im November 2011 statt und galt als Erfolg. Allerdings hatte man die Bedingungen entschärft, nachdem es im August 2011 bereits einen Fehlschlag gegeben hatte.
lgr/mbe/Reuters/AP/dpa
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