Weiche Roboterhand Luftdruck lässt Silikonfinger greifen

Beweglicher, günstiger und einfacher in der Herstellung soll eine neuartige Roboterhand sein. Entwickelt wurde sie an der Technischen Universität Berlin. Ihre Finger bestehen aus weichem Silikon, die Rolle der Muskeln übernehmen Luftkammern.

DPA

Berliner Forscher haben eine weiche Roboterhand entwickelt, die präzise nach Objekten greifen kann. Betrieben werden die Silikonfinger durch Luftdruck: Mit Hilfe von Luftkammern krümmen sich die Finger in die gewünschte Richtung.

Nach Angaben der Wissenschaftler der TU Berlin ist die Hand relativ leicht nachzubauen und deutlich günstiger als herkömmliche Roboterhände aus Metall. Sie wurde am Donnerstag auf der internationalen Konferenz "Robotics - Science and Systems" in Berlin vorgestellt.

Steuern lässt sich die Silikonhand mit dem Computer: Per Knopfdruck löste bei der Präsentation TU-Doktorand Raphael Deimel eine Pumpe aus. Wie stark sich die Finger dann krümmen, hängt von der Größe des Objekts ab: "Die Hand benötigt keinerlei Sensortechnik", sagte Deimel.

In seinen bisherigen und auf Video dokumentierten Experimenten griff die Silikonhand erfolgreich nach Stiften, Sonnenbrillen, Flaschen oder Tüchern. "Der Vorteil der weichen Hand ist, dass sie Oberflächen nicht beschädigt, von denen sie etwas aufhebt", sagte Deimel. Außerdem könnten dem robusten Material auch Hitze, kochendes Wasser oder Sand nichts anhaben.

"Dem Menschen im Alltag helfen"

Den Bauplan für die Silikonhand haben die Entwickler ins Internet gestellt. Sie sei relativ einfach nachzubauen und deutlich günstiger als Roboterhände aus Metall. "Die Vision ist, dass Roboter den Menschen eines Tages im Alltag helfen können", sagte Deimel. Die menschliche Geschicklichkeit werde die künstliche Hand in absehbarer Zeit aber wohl nicht erreichen.

Die Vorteile dehnbarer Materialien haben US-Wissenschaftler bereits an einem Roboter aus butterweichem Gummi demonstriert. Im Gegensatz zu ihren starren Verwandten gelang es der Maschine deutlich besser, Hindernisse zu überwinden oder unter ihnen hindurchzukriechen. Angetrieben wurde auch dieser Roboter pneumatisch über Luftdruckänderungen.

che/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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dieter_h 27.06.2013
1. Wahnsinnig neu *lol*
Diese durch Pressluft greifenden "Gummifinger" hat die Fa. Freudenberg schon von mind. 25 Jahren auf der Hannovermesse vorgeführt. Der Trick ist eine glatte Innenseite und rippen in der Aussenseite. Presst man Luft rein, kann sich die rippige Aussenseite dehnen, die Innenseite wird kürzer, der Finger krümmt sich. Ach ja, alles neu macht der Mai. Äh, wie jetzt? Ist gar nicht mehr Mai? ;-)
schrödingers_katze89 27.06.2013
2. neu?
Der pneumatischer Muskel wurde von Festo schon vor Jahren vorgestellt. Vl ist das Silikon eine Neuerung, aber die Idee ist alt.
bebreun 27.06.2013
3. gab es auch schon in Japan
Prof. Tanaka von der Universität in Yokohama hat solche weichen Finger bewegt über 3 Luftkammern im Fingerquerschnitt schon Ende des vergangenen Jahrhunderts dargestellt. Er konnte damit empfindliche Teile wie z.B. Trinkgläser problemlos greifen. Was ist also neu an dieser Berliner Forschungsareit?
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