Roboter im Weinberg Die Tücken der Traubenernte

Winzerei ist eine anstrengende Sache. Deswegen arbeiten Agrarforscher an Robotern, die bei der Arbeit helfen. Doch die haben teils noch ziemliche Probleme - zum Beispiel mit dem Wetter.

DPA

Geht es nach Hans-Peter Schwarz, bekommen deutsche Winzer bald Begleitung bei ihrer Arbeit. Ob Drohnen oder Roboterfahrzeuge - aus Sicht des Agrarwissenschaftlers der Hochschule Geisenheim in Hessen führt an einer massiven technischen Unterstützung im Weinbau kein Weg vorbei. Den einen oder anderen Winzer muss er allerdings wohl noch überzeugen - wobei Erntemaschinen natürlich schon längst im Weinbau Einzug gehalten haben.

Normalerweise arbeiten sie unterstützt von einem Menschen, autonome Roboter sind noch in der Entwicklungsphase. Auch Kameras an Minifliegern sind kaum präsent in deutschen Weingebieten. Schwarz ist sich dennoch sicher: Der Robotik gehört die Zukunft. "Das Potenzial ist groß", sagte der Forscher bei einer Präsentation der Technik auf einem Weinberg in Stuttgart.

Die Idee ist eigentlich simpel: Der Weinbau braucht nicht nur viel Personal, er ist auch sehr witterungsabhängig. Läuft es schlecht, vertrocknen die Trauben - oder Pilz- und Schädlingsbefall verderben die Ernte. Um solche Gefahren abzuschätzen, machen die Winzer bislang Stichproben - sie schneiden Blätter ab oder begutachten einige Rebstöcke mit dem bloßen Auge.

Künftig könnte solche Arbeit teilweise per Knopfdruck erfolgen. Der Roboter "Phenobot" beispielsweise fährt auf einer programmierten Route an den Pflanzen vorbei und macht dabei Aufnahmen. Bisher wird das Gefährt nur zu Züchtungszwecken genutzt, möglich ist der Einsatz laut Schwarz aber auch in normalen Betrieben. Aus der Größe der Beeren und der Farbe könne der beste Erntezeitpunkt erkannt werden.

Erntehelfer leben gefährlich

Der ebenfalls von der Hochschule Geisenheim mitentwickelte Roboter "Geisi" wiederum kommt in Steillagen zum Einsatz. Das Ding ist ein raupenähnliches Gefährt mit stachligen Ketten, um den Boden aufzulockern. Auch Pflanzenschutzmitteln lassen sich vom Roboter versprühen - und am wichtigsten: Auch der Abtransport von geernteten Trauben ist möglich.

Die Weinlese an den steilen Hängen ist nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich. "Jährlich stirbt in deutschen Steillagen im Schnitt ein Mensch", so Fachmann Schwarz. Häufig reißen Stricke, an denen die Erntehelfer abgesichert waren. Ein Kletterroboter, so Schwarz, könne die Lese sicherer machen. Derzeit sind Schwarz und Kollegen noch daran, den Roboter rein elektrisch betreiben zu können, bis 2018 soll das klappen - danach könnte das Gefährt auf den breiten Markt kommen.

Der Preis der Geräte dürfte einer der entscheidenden Punkte sein, ob Robotik tatsächlich im großen Stil von der Weinbranche angenommen wird. Roboter "Geisi" soll nicht mehr kosten als konventionelle Fahrzeuge, die bisher mit Menschen am Steuer die Aufgaben erledigen - also etwa 150.000 Euro, versprechen seine Erbauer.

Drohne? Das klingt so negativ.

Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, zeigte zumindest grundsätzliches Interesse an der maschinellen Hilfe. "Durch die Robotertechnik sparen wir Arbeitsstunden, sie hilft, die Arbeiten exakter und beim Pflanzenschutz Einsparungen zu machen", sagte er. Das könne "eine wesentliche Verbesserung für die Effizienz im Weinbau" sein.

Vielleicht kommt die Hilfe dabei auch aus der Luft. Manuel Becker von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau im schwäbischen Weinsberg testet die Möglichkeiten zum Einsatz von Drohnen im Weinbau. Wobei er das Wort "Drohne" eigentlich ungern höre, das klinge so negativ: "Multicopter" sei besser, so Becker.

Ähnliche Fluggeräte sind längst für jedermann in großen Technikmärkten zu haben, für Becker geht es nun vor allem um die Aufrüstung solcher Flieger mit Sensoren und Software zur Auswertung von Fotos. Kostenpunkt für eine Weinbaudrohne: etwa 4000 Euro. Auch hier ist man eher noch in der Findungsphase.

Die Fluggeräte können beispielsweise "Trockenstress" erkennen, wenn also Trockenheit den Reben zusetzt - verhindert man dies, ist das gut für die Qualität der Trauben. Allerdings hat die Technik noch ihre Grenzen, wie bei der Vorführung bei Stuttgart deutlich wurde: Als es leicht nieselte, konnte der "Phenobot" nicht wie vorgesehen im Weinberg gezeigt werden - nur ein kleiner Schlepper mit menschlichem Fahrer am Steuer und GPS-gesteuerter Saatgut-Automatikfunktion konnte raus.

Auch die Multicopter-Fluggeräte durften nicht ins Freie, nur in einer Halle wurde ein kleines Exemplar vorgeführt. Ohne Erfolg: Es flog etwas zu hoch, stieß gegen die Decke, stürzte zu Boden und brach auseinander.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, die Hochschule Geisenheim befände sich in Rheinland-Pfalz. Das war falsch. Tatsächlich befindet sie sich in Hessen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs/Von Wolf von Dewitz, dpa



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
crossbow17 18.05.2016
1. Geisenheim in Rheinland-Pfalz?
Also noch liegt Geisenheim in Hessen, so viel Zeit muss sein.
bella70 18.05.2016
2. Falsches Bundesland
Geisenheim liegt in Hessen!!
jonathan.mengel 18.05.2016
3.
Die Hochschule Geisenheim liegt im Rheingau in Hessen und nicht in Rheinland-Pfalz. Mit der Kündigung des Staatsvertrages 2010 hat RLP die Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim bedauerlicherweise beendet.
christoph.seidler 18.05.2016
4. Geisenheim
Den bedauerlichen Fehler haben wir korrigiert.
thomas-t-aus-trier 18.05.2016
5. Rheinland-Pfalz kann auch was
Aus RLP kommt der erste Steillagenvollernter der Fa. Hoffmann Landmaschinen aus Piesport: http://www.agrarheute.com/agrartechnik/news/hoffmann-landmaschinen-innovationspreis-fuer-weltweit-ersten-steillagenvollernter
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